Hackergruppe Rhysida veröffentlicht 5,8 TB Berliner Verwaltungsdaten im Darknet

Die Gruppe Rhysida stellte gestohlene Daten aus dem Berliner Landesnetz ins Darknet, nachdem der Senat ein Lösegeld von zwei Millionen Euro verweigerte.

Hackergruppe Rhysida veröffentlicht 5,8 TB Berliner Verwaltungsdaten im Darknet

Berliner Senat zahlt nicht – Rhysida veröffentlicht Datenpakete

Rund eine Stunde nach Ablauf eines Ultimatums stellte die kriminelle Hackergruppe Rhysida am späten Freitagnachmittag ein rund 5,8 Terabyte großes Datenpaket aus dem Berliner Landesnetz im Darknet öffentlich zugänglich. Das berichtet WELT unter Berufung auf ein Schreiben aus dem Büro des Staatssekretärs für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung.

Die Erpresser hatten auf ihrer Leak-Site einen Countdown aktiviert, der gegen 15.35 Uhr ablief. Gefordert hatten sie 30 Bitcoin – umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Der Berliner Senat hatte vorab erklärt, auf derartige Forderungen grundsätzlich nicht einzugehen.

„Viel Spaß beim Stöbern" – Daten zunächst nicht erreichbar

Nach Ablauf der Frist erklärten die Angreifer auf ihrer Darknet-Seite die „Auktion" für beendet. „Alle Dateien wurden im öffentlich zugänglichen Bereich hochgeladen – viel Spaß beim Stöbern, Datenjäger!", hieß es dort. Ein Link führte zunächst zu einer Fehlermeldung; erst etwa eine Stunde später war der Download der Daten tatsächlich möglich.

Auf X kursierten Screenshots der Verzeichnisstruktur des Datenleaks. WELT konnte diese zunächst nicht verifizieren. Ein Nutzer berichtete, darin eigene persönliche Daten gefunden zu haben.

Betroffene Beschäftigte sollen Strafanzeige erstatten

Die Berliner Landesregierung informierte ihre Mitarbeiter schriftlich, man treffe Vorbereitungen, „um den vom Datenabfluss betroffenen Beschäftigten beratend zur Seite zu stehen". Staatssekretär Florian Hauer hält in dem Schreiben fest: „Betroffene, deren Daten veröffentlicht werden, sollten Strafanzeige erstatten."

Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) sowie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind seit Bekanntwerden des Cyberangriffs am 14. August in die Analyse und Bewältigung des Vorfalls eingebunden.

Experten: Senat hat richtig entschieden

Die Entscheidung, kein Lösegeld zu zahlen, stieß in der Fachwelt auf Zustimmung. Bianca Kastl vom Chaos Computer Club sagte im RBB Inforadio, der Senat habe korrekt gehandelt. „Würde man diese Gruppen weiter unterstützen mit Geld oder anderen Dingen, dann würden die natürlich immer weitermachen", erklärte sie. „Man muss sie finanziell austrocknen."

IT-Sicherheitsexperte Christof Fischer wies gegenüber der dpa darauf hin, dass der Staat per Gesetz keine Zahlungen bei Erpressungen vornehmen dürfe. Die Lage sei dennoch schwierig: „Die Daten sind in den Händen von Kriminellen, und eine Veröffentlichung hat in vielen Fällen sehr schädliche Auswirkungen." Bislang sei ihm kein Fall bekannt, bei dem gezahlt wurde und dennoch eine Veröffentlichung erfolgte. Fischer ergänzte, die Täter – meist in osteuropäischen Ländern ansässig – dürften die erbeuteten Daten dortigen Behörden zugänglich machen, um sich Schutz vor Ermittlungen zu erkaufen.

Über 1,44 Millionen Dateien erbeutet – Passwörter im Klartext

Die Gruppe behauptet, rund 1,44 Millionen Dateien gestohlen zu haben. Darunter sollen sich mehr als 5.000 Personalakten, Bußgeldvorgänge und Gehaltsabrechnungen befinden, ebenso vertrauliche Unterlagen aus Bundesratsausschüssen sowie Schwachstellenanalysen zur Berliner Trinkwasserversorgung.

Darüber hinaus brüsteten sich die Angreifer damit, Zugangsdaten und Passwörter im Klartext erlangt zu haben – unter anderem für Verwaltungsdatenbanken und Zahlungsdienstleister. Sollte das Datenpaket vollständig publik werden, drohen betroffenen Behörden, Tausenden Bürgern und Beschäftigten erhebliche Datenschutz- und Sicherheitsrisiken.

Source: WELT

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