Gedenken in Fürstenfeldbruck und München: 54 Jahre nach dem Olympia-Attentat
Bei Gedenkfeiern in Fürstenfeldbruck und München erinnerten Rednerinnen an die zwölf Opfer des palästinensischen Anschlags von 1972 und mahnten zur Bekämpfung des Antisemitismus.

Mahnmal und Gedenkfeier: München und Fürstenfeldbruck erinnern an Olympia-Opfer von 1972
Am Freitag haben Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Religionsgemeinschaften und Zivilgesellschaft an den zwölf Opfern des palästinensischen Terroranschlags vom 5. September 1972 gedacht. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, fanden die Gedenkveranstaltungen sowohl am Erinnerungsort im Olympiadorf in München als auch an der Gedenkstätte am Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck statt.
Bei dem Attentat vor 54 Jahren kamen elf israelische Sportler und ein bayerischer Polizeibeamter ums Leben. Die Motivation der Täter sei „Hass auf Israel und Hass auf jüdische Menschen gewesen", sagte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, bei der zentralen Gedenkfeier in Fürstenfeldbruck. „Dieser Hass tritt uns bis heute entgegen, in München, in Deutschland, in der ganzen Welt."
Etwa 50 Teilnehmende am Mahnmal
Am Mahnmal in Fürstenfeldbruck versammelten sich etwa 50 Teilnehmende, darunter Angehörige der Opfer, Kommunalpolitiker sowie Vertreter von Polizei und Bundeswehr. Auch der Bildhauer Fritz König, der das Mahnmal entworfen hatte, war anwesend. Die zwölf geschmiedeten Flammenstrahlen des Mahnmals symbolisieren die zwölf Opfer des Anschlags und die zwölf Stämme Israels.
Die stellvertretende Fürstenfeldbrucker Landrätin Martina Drechsler (CSU) erklärte, man lebe „noch immer oder wieder in unsicheren Zeiten". Der Anschlag verpflichte zur Wachsamkeit. Staatssekretär Sandro Kirchner (CSU) vom bayerischen Innenministerium rief dazu auf, Antisemitismus in jeder Form zu bekämpfen. Er erinnerte daran, dass zwei israelische Sportler bereits im Olympischen Dorf getötet worden waren; die übrigen Geiseln sowie der Polizist kamen bei der „Befreiungsaktion" auf dem Fliegerhorst ums Leben, die „katastrophal scheiterte".
Kontinuität des Judenhasses
Die Holocaustüberlebende Knobloch erinnerte daran, dass München 1972 als einstige „Hauptstadt der Bewegung" der Nationalsozialisten mit heiteren Spielen ein neues Bild von sich zeichnen wollte. Das einzige „Vergehen" der Opfer sei gewesen, dass sie Juden waren. Judenhass sei heute erneut ein großes Problem und habe „nichts von seinem Gift verloren".
Sowohl Knobloch als auch Talya Lador-Fresher, Generalkonsulin des Staates Israel für Süddeutschland, zogen eine Linie von dem Attentat von 1972 bis zum Pogrom vom 7. Oktober 2023, bei dem die Hamas und ihre Verbündeten mehr als 1.200 Menschen im Süden Israels ermordeten und mehr als 240 weitere verschleppten. Lador-Fresher, die die Geiselnahme als Kind vor dem Fernseher verfolgt hatte, bezeichnete den Münchner Anschlag als Wendepunkt: Er sei der erste Terrorakt gewesen, der live im Fernsehen übertragen wurde. Die Hamas stehe für eine neue Stufe des Grauens — ihre Täter filmten mit Körperkameras, wie sie Opfer quälten, vergewaltigten und ermordeten, und stellten die Aufnahmen sofort online.
Namen der Ermordeten vorgetragen
Alle Rednerinnen lasen die Namen der zwölf Opfer vor: David Berger, Yossef Gutfreund, Amitzur Shapira, Andrei Spitzer, Eliezer Halfin, Kehat Shorr, Yakov Springer, Ze'ev Friedman, Yossef Romano, Mark Slavin und Moshe Weinberg sowie der Polizist Anton Fliegerbauer. Rabbiner Shmuel Aharon Brodman, Prodekan Pfarrer Otto Gäng und Pfarrer Matthias Biber beteten anschließend für die Opfer.
Gedenkspaziergang im Olympiapark
Bereits am Vormittag hatten sich in München Vertreterinnen und Vertreter jüdischer und israelischer Organisationen, Generalkonsulin Lador-Fresher, Polizeipräsident Thomas Hampel und Sapir von Abel vom Jüdischen Museum München zu einem Gedenkspaziergang durch den Olympiapark getroffen. Die jährliche Begehung des Tatorts führte vom Erinnerungsort bis zur Connollystraße 31, dem ehemaligen Quartier der israelischen Delegation.
An dem Spaziergang nahm auch Zeitzeuge Godel Rosenberg teil, der die Spiele 1972 als junger Reporter vor Ort erlebt hatte und später Pressesprecher von Franz Josef Strauß war. Im Anschluss an seine Schilderungen sagte Lador-Fresher: „Es war der erste Terroranschlag, der live übertragen wurde, und er hätte für uns alle ein Zeichen setzen müssen: dafür, wie sehr Terror unser Leben verändern kann, und dafür, was wir dem entgegensetzen müssen."
Source: Süddeutsche Zeitung