Messerdrohung und Schutzgeld: Neue Gewaltvorfälle an Ludwigshafener Brennpunktschule

An der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen wurden Ende August ein Schüler mit einem Messer bedroht und Schutzgeldforderungen bekannt. Politik und Eltern streiten um einen echten Neustart.

Messerdrohung und Schutzgeld: Neue Gewaltvorfälle an Ludwigshafener Brennpunktschule

Schüler bedroht, Schutzgeld gefordert: Eskalation an Ludwigshafener Problemschule

Ende August wurde auf dem Gelände der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen ein Schüler mit einem Messer bedroht. Der Junge blieb unverletzt, war dem Bericht zufolge jedoch stark verängstigt. Wie WELT berichtet, gehen die Informationen auf einen Lehrer zurück, der anonym bleiben wollte.

Derselbe Lehrer schilderte der Zeitung „Bild" weitere Zustände: Ältere Schüler verlangten von jüngeren eine Art Schutzgeld – wer zahle, werde in Ruhe gelassen. Das Polizeipräsidium Rheinpfalz bestätigte gegenüber „Bild" knapp: „Wir können bestätigen, dass ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung und Bedrohung in Bearbeitung ist."

Eine Schule unter Dauerdruck

Die Realschule in der zweitgrößten Stadt Rheinland-Pfalz steht seit Monaten im Fokus. Im Januar wurde an drei aufeinanderfolgenden Tagen Reizgas versprüht, im Oktober vergangenen Jahres rückte die Polizei zu einem Großeinsatz aus. Im Mai 2025 soll eine Schülerin eine Lehrerin mit einem Messer attackiert haben. Zuletzt lösten Fehlalarme Feuerwehreinsätze aus; 14-Jährige prügelten sich auf dem Schulgelände. Der Migrationsanteil der Schülerschaft lag im Schuljahr 2024/2025 bei 86,5 Prozent.

Zu Beginn des neuen Schuljahres meldeten sich rund ein Drittel der Lehrkräfte krank. Die Schulaufsicht reagierte und kündigte eine neue Schulleitung sowie ein Maßnahmenpaket an. Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig begründete den Schritt: Die Probleme seien innerhalb der bestehenden Strukturen nicht lösbar – das Land müsse übernehmen.

Politik und Eltern ringen um Neustart

Die CDU-Politikerin wird an diesem Donnerstag im Bildungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags zu den Plänen Stellung nehmen. Zeitgleich präsentieren ADD-Präsident Andreas Kruppert und Bildungsstaatssekretärin Jenny Groß in einer Gesamtkonferenz an der Schule das Maßnahmenpaket.

Der Elternbeirat Rheinhessen-Pfalz fordert einen ernsthaften Neustart – und keinen kurzfristigen Aktionismus. Regionalelternsprecherin Justyna Winkler sagte der Nachrichtenagentur dpa, es müsse wieder einen sicheren und geregelten Schulalltag mit klaren und verlässlichen Strukturen geben. „Der Name einer Schule darf nicht zu einem negativen Stempel werden, der jungen Menschen bei Bewerbungen oder beim Übergang in ein Berufsleben Nachteile bringen könnte", erklärte Winkler. Kinder und Jugendliche dürften niemals das Gefühl haben, sich für ihre eigene Schule rechtfertigen oder schämen zu müssen.

Mehr Sozialarbeit statt Polizeipräsenz

Die Situation dürfe nicht auf einzelne Personen oder allein einen Leitungswechsel reduziert werden, betonte Winkler. Regelmäßige Polizeipräsenz gelte nicht als nachhaltige Lösung. Stattdessen seien eine Stärkung der Schulsozialarbeit und der dauerhafte Einsatz multiprofessioneller Teams erforderlich.

Ergänzend brauche es enge Zusammenarbeit mit Schulpsychologie, Förderpädagogik und weiteren Fachkräften sowie aktive Unterstützung durch die Schulaufsicht. Für eine positive Entwicklung sei vor allem offene und rechtzeitige Kommunikation sowie Transparenz bei Entscheidungen notwendig, so Winkler.

Source: WELT

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