Mordprozess Fabian in Rostock: Kinderzeugen entlasten Angeklagte Gina H.

Drei Kinderzeugen sagten im Rostocker Mordprozess aus – ihre Beobachtungen widersprechen der Anklage der Staatsanwaltschaft.

Mordprozess Fabian in Rostock: Kinderzeugen entlasten Angeklagte Gina H.

Kinderzeugen im Mordprozess: Beobachtungen am Tattag in Güstrow

Wie Google News DE — Crime (de) berichtet, haben am Donnerstag drei Kinder im Mordprozess um den achtjährigen Fabian vor dem Landgericht Rostock ausgesagt. Ihre Angaben stehen in Teilen im Widerspruch zu dem Tatablauf, den die Staatsanwaltschaft rekonstruiert hat.

Zwei Schulkameraden des Jungen erklärten, sie hätten Fabian am 10. Oktober 2025 — dem Tag seines Verschwindens — am frühen Nachmittag in Güstrow vor einer Bäckerei nahe seiner Schule gesehen. Fabian sei mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Einer der beiden Jungen will ihn kurz darauf ein zweites Mal gesichtet haben, diesmal in der Nähe einer Kirche. Er räumte jedoch ein, nicht hundertprozentig sicher zu sein, ob er diese Beobachtungen an jenem Freitag oder bereits am Donnerstag gemacht habe.

Aussagen kollidieren mit Anklage

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten Gina H. vor, den Jungen am Freitagvormittag aus der Wohnung seiner Mutter gelockt zu haben. Zum Zeitpunkt der beschriebenen Nachmittagssichtungen war Fabian der Anklage zufolge wahrscheinlich bereits tot. Verteidiger Andreas Ohm bezeichnete die Aussagen der Schulkameraden als „sehr überzeugend", da sie seine Mandantin entlasten könnten. Der Staatsanwalt hingegen hält es für wahrscheinlich, dass die Jungen den Tag verwechselt haben und Fabian tatsächlich schon am Donnerstag gesehen hätten.

Auch ein Mädchen aus Fabians Nachbarschaft schilderte eine Beobachtung, die mit dem Zeitplan der Staatsanwaltschaft schwer vereinbar ist. Sie habe Fabian an jenem Freitag zwischen 14 und 15 Uhr in der Nähe seines Zuhauses gesehen. Zwei schwarz gekleidete Männer mit schwarzen Haaren seien hinter ihm hergegangen, Fabian sei immer schneller gelaufen, die Männer ebenfalls. Ob die Männer das Kind angesprochen oder berührt haben, habe sie nicht gesehen. Bei ihrer Vernehmung durch die Polizei im vergangenen Herbst hatte das Mädchen lediglich von einem Mann gesprochen, der Fabian auch angefasst habe, und die Vermutung geäußert, es könnte sich um einen Ausländer gehandelt haben. Weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung maßen dieser Aussage größeres Gewicht bei.

Vernehmung per Video aus Nebenraum

Die drei Kinder wurden nicht im Gerichtssaal befragt. Die 3. Strafkammer ließ sie aus einem separaten Raum per Video zuschalten. Alle Fragen — von Gericht, Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung — stellte ausschließlich der Vorsitzende Richter. Auf diese Weise hatte die Kammer bereits zwei weitere Freunde Fabians als Zeugen vernommen.

Verteidiger Ohm hatte im Vorfeld kritisiert, dass die Kammer die Kinder erst als Zeugen geladen hatte, nachdem er ausdrücklich darauf gedrängt hatte — obwohl allen Prozessbeteiligten bekannt gewesen sei, dass ihre Aussagen die Angeklagte entlasten könnten. Eine Erklärung für den späten Zeitpunkt der Vernehmung erhielt er nicht.

Angeklagte ergänzt ihre Aussage

Am selben Prozesstag ergänzte Gina H. ihre im August verlesene, vierstündige Aussage um einige Details. Sie versuchte zu belegen, kurz vor 11 Uhr am Tattag auf dem Weg zu einer Bank in Güstrow gewesen zu sein — genau jener Zeitraum, in dem die Staatsanwaltschaft ihr vorwirft, Fabian aus der Wohnung seiner Mutter gelockt zu haben.

Darüber hinaus erwähnte Gina H. einen Bruder ihres Ex-Freundes — des Vaters von Fabian —, der ein enges Verhältnis sowohl zu Fabian als auch zu ihrem eigenen Sohn gehabt habe. Er sei gelegentlich mit einem Traktor die rund 15 Kilometer nach Güstrow gefahren, obwohl er vermutlich keinen Führerschein besitze. Welche Schlussfolgerungen das Gericht oder die Staatsanwaltschaft daraus ziehen sollten, ließ sie offen. Beobachter werteten den Hinweis als Versuch, den Verdacht auf andere Personen zu lenken. In ihrer früheren Aussage hatte Gina H. bereits erklärt, die Ermittler hätten sich bei der Fahndung vorschnell auf sie konzentriert.

Am kommenden Donnerstag will Gina H. Fragen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft zu ihrer bisherigen Aussage beantworten.

Hintergrund des Falls

Der achtjährige Fabian war der Sohn des damaligen Ex-Freundes der Angeklagten. Sieben Wochen vor dem Verschwinden des Kindes hatte dieser die Beziehung mit Gina H. beendet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Jungen am 10. Oktober vergangenen Jahres aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und anschließend an einem Tümpel bei Klein Upahl — rund 15 Kilometer südlich von Güstrow — erstochen zu haben. Später soll sie an den Tatort zurückgekehrt sein, um die Leiche anzuzünden.

Als Motiv unterstellt die Anklage, Gina H. habe geglaubt, Fabian stehe ihrer Absicht im Weg, die Beziehung mit seinem Vater wiederaufzunehmen. Ein Urteil wird spätestens im Oktober erwartet.

Source: Google News DE — Crime (de)

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