Schuss auf 14-Jährigen in München: Polizeigewerkschaft weist Rassismusvorwürfe zurück

Nach dem Polizeischuss auf einen 14-jährigen Asylbewerber in München wehrt sich die Gewerkschaft der Polizei vehement gegen Rassismusvorwürfe.

Schuss auf 14-Jährigen in München: Polizeigewerkschaft weist Rassismusvorwürfe zurück

Schuss in Schwabing: GdP nennt Rassismusunterstellung „eine Frechheit"

Nach dem Schuss auf einen 14-Jährigen im Münchner Stadtteil Schwabing hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bayern Rassismusvorwürfe gegen die beteiligten Beamten zurückgewiesen. Wie WELT berichtet, warnte der Landesverband zugleich vor einer Vorverurteilung der Einsatzkräfte.

Der Jugendliche — ein Schüler mit türkischer Staatsangehörigkeit und kurdischer Abstammung — war auf öffentlicher Straße mit einer täuschend echt wirkenden Softair-Pistole unterwegs, als ein Zivilbeamter auf ihn schoss. Der 14-Jährige wurde schwer verletzt. Am darauffolgenden Wochenende demonstrierten rund hundert Menschen gegen den Einsatz und warfen der Polizei Rassismus vor.

GdP-Landesvorsitzender Florian Leitner widersprach diesen Vorwürfen scharf: „Diese Unterstellung lässt mich fassungslos zurück und ist eine Frechheit! Herkunft oder Nationalität eines Täters sind in einer lebensbedrohlichen Einsatzlage völlig unerheblich." Dass ein 14-Jähriger getroffen wurde, mache den Fall besonders tragisch — ändere aber nichts an der grundsätzlichen Lage der Einsatzkräfte.

„Eine täuschend echt aussehende Softair- oder Anscheinswaffe ist in einer dynamischen Einsatzlage nicht von einer scharfen Schusswaffe zu unterscheiden", erklärte Leitner. „Unsere Kollegen können nicht erst abwarten, ob tatsächlich geschossen wird. Dann ist es zu spät." Wer der Polizei dennoch Rassismus unterstelle, „verdreht die Realität — oder nutzt die Situation, um einen wie auch immer gearteten Vorteil aus diesem tragischen Ereignis zu ziehen".

Widersprüchliche Darstellungen des Tathergangs

Laut Polizei hantierte der Schüler aus dem Landkreis Miesbach, der in Begleitung eines etwa gleichaltrigen Mädchens war, auf offener Straße mit der Pistole. Als Zivilbeamte ihn aufforderten, die Waffe fallen zu lassen, habe er sich mit der Waffe in der Hand zu den Beamten umgedreht — woraufhin ein Beamter schoss.

Die Mutter des Jungen schilderte gegenüber München.TV eine abweichende Version: Ihr Sohn habe die Situation wohl nicht richtig erfasst, sofort die Arme hochgenommen und gerufen, die Waffe sei ein Spielzeug. Da sei bereits der Schuss gefallen. Die Frau äußerte sich in einem kurdischen Dialekt.

Am Donnerstag veröffentlichten die Münchner Linken und das Kurdische Zentrum München eine weitere abweichende Darstellung: Der Schüler habe die Waffe bereits niedergelegt gehabt, als der Schuss fiel. Die Polizei bestreitet dies ausdrücklich. Die Softair-Pistole war laut Polizeibericht einer Beretta 92 im Kaliber neun Millimeter täuschend ähnlich. Jeder polizeiliche Schusswaffengebrauch müsse umfassend und unabhängig untersucht werden, betonte die GdP.

Politische Forderungen nach strengeren Waffenregeln

Der Jugendliche war nach Polizeiangaben erst von Beamten und Zeugen deutlich älter geschätzt worden. Er war 2023 gemeinsam mit seinen Eltern nach Deutschland eingereist und hatte einen Asylantrag gestellt, der jedoch abgelehnt worden war; eine Abschiebung sei angedroht worden. Wegen eines anderen Vorfalls war er der Polizei bereits bekannt.

Die Stadtratsfraktionen Die Grünen/Rosa Liste und SPD forderten in der Folge des Vorfalls, die Stadt solle sich auf Bundes- und Landesebene sowie beim Deutschen Städtetag für eine Verschärfung der gesetzlichen Regelungen einsetzen. Spielzeug-, Softair- und vergleichbare Waffen sollten nicht mehr verkauft werden dürfen, wenn sie aufgrund von Größe, Form und Gestaltung nicht unmittelbar von echten Schusswaffen zu unterscheiden seien.

Source: WELT

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