Sprengvorrichtungen an Hochspannungsleitungen bei Jänschwalde – LKA ermittelt
Am Umspannwerk Turnow-Preilack in Brandenburg wurden selbstgebaute Sprengvorrichtungen gefunden. Ministerpräsident Woidke spricht von einem Anschlagsversuch auf die Stromversorgung.

Anschlagsversuch auf Stromnetz in Brandenburg: Selbstgebaute Flugkörper an Hochspannungsleitung
Am Umspannwerk Turnow-Preilack in Brandenburg sind in den frühen Morgenstunden selbstgebaute Sprengvorrichtungen gefunden worden. Tagesschau berichtet, dass Ministerpräsident Dietmar Woidke den Vorfall als „Anschlagsversuch" auf die Stromversorgung bezeichnet hat. Die Hintergründe sind noch unklar, das Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg hat die Ermittlungen übernommen.
Gegen 8.00 Uhr stellte die Polizei eine mögliche Sachbeschädigung an einer Leitung fest. Laut rbb-Reporter Jörg Poppendieck, der vor Ort für tagesschau24 berichtete, richtete sich der Angriff nicht gegen das Umspannwerk selbst, sondern gegen Hochspannungsleitungen. Auf die Frage nach einem mutmaßlichen Anschlag erklärte eine Polizeisprecherin: „Das müssen die Ermittlungen zeigen."
Das Umspannwerk verteilt den im Kohlekraftwerk Jänschwalde erzeugten Strom überregional und regional. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz teilte mit: „Nach bisherigen Erkenntnissen erfolgte die versuchte Sachbeschädigung durch selbstgebaute Flugkörper, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln." Vor Ort seien weitere, noch nicht gestartete Flugkörper gefunden worden.
Laut Poppendieck war offenbar nicht beabsichtigt, „etwas in die Luft zu sprengen". Ziel sei wohl gewesen, einen Kurzschluss auszulösen – möglicherweise durch das Abschießen eines Drahtes in die Hochspannungsleitungen. Eine Sprecherin des LKA widersprach indes Berichten, wonach es sich um mit Sprengstoff bestückte Raketen gehandelt habe: „Wir reden hier nicht von Raketen."
Auch der Kraftwerksbetreiber LEAG bestätigte einen Anschlagsversuch. Ein Sprecher teilte mit, am Morgen sei ein Angriff auf das Umspannwerk verübt worden, „über welches der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom in das Übertragungsnetz von 50Hertz eingespeist wird". In der Folge sei es zu einem technischen Ausfall von Block B im Kraftwerk gekommen. Ein Zusammenhang werde geprüft. Die allgemeine Stromversorgung war laut 50Hertz zu keiner Zeit beeinträchtigt, Auswirkungen auf die Bevölkerung gab es nicht.
Das Umspannwerk nahe der Landesgrenze zu Sachsen wurde großräumig abgesperrt, Entschärfer rückten an. Zunächst sprachen Ermittler von einer „unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtung", später war von kleinen, selbstgebastelten Sprengvorrichtungen die Rede.
Ministerpräsident Woidke, SPD, verwies auf die „besorgniserregend hohe Frequenz" derartiger Vorfälle und erklärte, „dass wir unsere Infrastrukturen entschlossen schützen müssen". Der aktuelle Vorfall reiht sich in eine Serie von Angriffen auf Energieinfrastruktur ein: Im Januar hatten mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins angezündet und kurzgeschlossen, was rund 45.000 Haushalte sowie mehr als 2.200 Geschäfte, Krankenhäuser und Pflegeheime tagelang ohne Strom ließ. Im März 2024 legte eine Gruppe Feuer an einen Strommast, der unter anderem die Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin versorgt. Ob zwischen diesen Vorfällen und dem aktuellen Geschehen ein Zusammenhang besteht, ist nach Angaben der Ermittler noch unklar.
Source: Tagesschau