Sabotage an Umspannwerk Turnow-Preilack: Selbstgebaute Sprengkörper mit Kupferdrähten
Unbekannte griffen am Dienstagmorgen ein Umspannwerk in Brandenburg mit selbstgebauten Flugkörpern an. Ein Stromausfall blieb aus, Tatverdächtige sind bislang unbekannt.

Anschlag auf Brandenburger Umspannwerk: Täter wollten Kurzschlüsse im Hochspannungsnetz auslösen
Am Dienstagmorgen, 1. September 2026, ist das Umspannwerk Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße angegriffen worden. Die Anlage liegt in unmittelbarer Nähe des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde. Kurz vor 8 Uhr ging der Notruf bei der Polizei ein, nachdem Mitarbeiter Beschädigungen an mehreren Oberleitungen festgestellt hatten. Rund 40 Minuten später bestätigten Einsatzkräfte vor Ort die Schäden und entdeckten verdächtige Gegenstände — Bombenentschärfer wurden hinzugezogen.
Nach BILD-Informationen handelte es sich um mehr als ein Dutzend selbstgebaute raketenähnliche Sprengvorrichtungen, an denen Kupferdrähte befestigt waren. Diese sollten beim Einschlag in Hochspannungsleitungen gezielt Kurzschlüsse auslösen. In zwei Fällen gelang das den Ermittlungsangaben zufolge. Das Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg übernahm die Ermittlungen.
Auf einer Pressekonferenz am Nachmittag bezeichnete Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) den Vorfall als gezielte Sabotageaktion gegen die Energieinfrastruktur. Die eingesetzten Flugkörper seien eigens für den Angriff konstruiert worden, um leitfähiges Material in die Hochspannungsleitungen zu transportieren — es habe sich ausdrücklich nicht um gewöhnliche Silvesterraketen gehandelt. Die Konstruktion habe erheblichen Aufwand erfordert; ob dafür Spezialwissen notwendig gewesen sei, werde noch untersucht.
Die Polizei des Brandenburger Polizeipräsidiums in Potsdam bestätigte den Fund mehrerer sogenannter unkonventioneller Brand- und Sprengvorrichtungen. Nicht alle seien explodiert, erklärte eine Sprecherin. Die Zahl der sichergestellten Geräte liegt laut Redmann inzwischen im zweistelligen Bereich. Die Sicherheitsbehörden gehen nach BILD-Informationen von einer professionell vorbereiteten Tat aus.
Wer hinter dem Angriff steckt, ist bislang unklar. Ein Bekennerschreiben liegt nicht vor. Weder ein linksextremer Hintergrund noch die Beteiligung ausländischer Saboteure werden derzeit ausgeschlossen. Redmann betonte, der Angriff hätte deutlich größere Schäden verursachen können. Menschen kamen nicht zu Schaden, ein größerer Stromausfall blieb aus.
Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz bestätigte Sachbeschädigungen an mehreren Leitungen seines Netzes. In einer offiziellen Mitteilung erklärte das Unternehmen, es habe eine kurzzeitige Leitungsunterbrechung gegeben. Das Energieunternehmen Leag, dessen Kraftwerk Jänschwalde den dort erzeugten Strom über das betroffene Umspannwerk in das 50Hertz-Netz einspeist, geht ebenfalls von einem Anschlag aus. Auswirkungen auf die Bevölkerung seien nach bisherigen Erkenntnissen ausgeblieben.
Die Entschärfungsarbeiten dauerten am Dienstagabend noch an. Spezialisten machten weitere aufgefundene Vorrichtungen unschädlich und sicherten Zündsätze; Bombenentschärfer der Bundespolizei unterstützten die Einsatzkräfte vor Ort. Für Mittwoch kündigte die Polizei eine groß angelegte Absuche des Geländes und der umliegenden Bereiche an, um weitere gefährliche Vorrichtungen auszuschließen. Gleichzeitig wurden die Schutzmaßnahmen an anderen Energieanlagen verstärkt.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) verurteilte den Angriff scharf. „Wer versucht, unsere kritische Infrastruktur zu sabotieren und das gesellschaftliche Leben zu lähmen, greift uns alle an", erklärte er. „Wir lassen uns von krimineller Energie weder erpressen noch verunsichern."
Redmann sieht den Vorfall als Beleg für die Verwundbarkeit der deutschen Infrastruktur. Energie-, Telekommunikations- und Verkehrsnetze müssten besser geschützt werden. Sein Ministerium arbeite bereits an gesetzlichen Änderungen, die Betreibern kritischer Infrastruktur zusätzliche technische Schutz- und Überwachungsmöglichkeiten eröffnen sollen.
Source: BILD