Sprengvorrichtungen an Umspannwerk in Südbrandenburg entdeckt
An einem Umspannwerk nahe Jänschwalde wurden selbstgebaute Sprengvorrichtungen gefunden. Das Landeskriminalamt ermittelt, die Stromversorgung blieb laut Betreiber unbeeinträchtigt.

Anschlagsversuch auf Umspannwerk Turnow-Preilack
An einem Umspannwerk im Landkreis Spree-Neiße in Südbrandenburg sind selbstgebaute Sprengvorrichtungen gefunden worden. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, bestätigten Sicherheitsbehörden des Bundes den Vorfall. Kraftwerksbetreiberin Leag spricht von einem Anschlag auf das Umspannwerk Turnow-Preilack, über das der im Braunkohlekraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom in das Netz des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz eingespeist wird.
Der Netzbetreiber 50Hertz erklärte, die Vorrichtungen ähnelten handelsüblichen Silvesterraketen. „Nach bisherigen Erkenntnissen erfolgte die versuchte Sachbeschädigung durch selbst gebaute Flugkörper, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln", teilte 50Hertz mit. „Vor Ort wurden weitere noch nicht gestartete Flugkörper gefunden."
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann sagte der dpa, Einsatzkräfte hätten eine zweistellige Zahl an Vorrichtungen für raketenartige Geschosse sichergestellt. Nur in zwei Fällen sei es dem oder den Tätern gelungen, Leitungen zu beschädigen. Entschärfer der Polizei waren laut Behörden vor Ort tätig.
Kraftwerksblock ausgefallen, Ermittlungen laufen
In der Folge des Vorfalls kam es laut einem Leag-Sprecher zu einem technischen Ausfall von Block B des Kraftwerks Jänschwalde. Ob zwischen dem mutmaßlichen Anschlag und diesem Ausfall ein Zusammenhang besteht, werde derzeit geprüft. Die allgemeine Stromversorgung sei nach Angaben von 50Hertz zu keiner Zeit beeinträchtigt gewesen; Menschen kamen nicht zu Schaden.
Eine Sprecherin des brandenburgischen Wirtschaftsministeriums bestätigte Sachbeschädigungen an mehreren Leitungen im Übertragungsnetz. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen. Die Polizei Brandenburg wollte sich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht zu weiteren Einzelheiten äußern und sucht derzeit nach Zeugen.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke verurteilte die Tat und sprach von einem „Anschlagsversuch". „Die besorgniserregend hohe Frequenz derartiger Vorfälle zeigt, dass wir unsere Infrastrukturen entschlossen schützen müssen", erklärte der SPD-Politiker. Die Einsatzkräfte sowie Beschäftigte vor Ort hätten durch rasches Handeln Schlimmeres verhindert.
Serie von Sabotageakten in der Region
Das Umspannwerk Preilack nördlich von Cottbus verteilt den im Kraftwerk Jänschwalde erzeugten Strom überregional und regional. Das Kraftwerk wurde nach Angaben von Leag zwischen 1976 und 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet.
Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Anschlägen auf die Strominfrastruktur in der Region ein. Im Januar hatten mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins angezündet und kurzgeschlossen. Rund 45.000 Haushalte, darunter Krankenhäuser, Pflegeheime und Unternehmen, waren tagelang ohne Strom. Zu diesem Brandanschlag bekannten sich die sogenannten „Vulkangruppen", die als Motiv den Kampf gegen den Kapitalismus angaben.
Im März 2024 legte eine Gruppe Feuer an einen Strommast, der auch die Tesla-Fabrik im brandenburgischen Grünheide mit Strom versorgt. Die Produktion des Werks stand infolge der Sabotage mehrere Tage still. Ob der aktuelle Vorfall in Turnow-Preilack mit ähnlichen Akteuren in Verbindung steht, war zunächst unklar.
Source: Süddeutsche Zeitung