Stromnetz-Saboteur Daniel V. plante über 150 Anschläge – Bundesanwaltschaft übernimmt
Der festgenommene 48-jährige Daniel V. aus Gevelsberg plante laut Ermittlern mehr als 150 Sabotageakte gegen Stromnetze in Deutschland und im Ausland.

Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen gegen mutmaßlichen Strom-Saboteur
Wie www1.wdr.de berichtet, hat der mutmaßliche Stromnetz-Saboteur Daniel V. offenbar mehr als 150 Anschläge auf Strominfrastruktur geplant – im In- und Ausland. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernommen.
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) berichtete am 10. September 2026 im Innenausschuss des NRW-Landtags über neue Erkenntnisse. Demnach haben Ermittler allein in Nordrhein-Westfalen mehr als 40 Einrichtungen entdeckt, die zum Abschuss von leitfähigem Material auf Leitungen von Umspannwerken ausgelegt waren. Ziel sei es gewesen, einen Kurzschluss und anschließenden Stromausfall herbeizuführen.
Im sichergestellten Lkw des Tatverdächtigen fand die Polizei ein Notizbuch mit handschriftlichen Vermerken zu über 150 Sabotagezielen. Sämtliche genannten Orte seien daraufhin abgesucht worden. Zudem benannte Daniel V. nach seiner Festnahme sieben Standorte, an denen er Lager eingerichtet hatte.
„Wir haben nicht nur den mutmaßlichen Täter der Anschläge gefasst, sondern damit womöglich immer weitere Anschläge verhindert", sagte Reul.
Bundesanwaltschaft wegen Verdachts verfassungsfeindlicher Sabotage zuständig
Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft erklärte, die Behörde übernehme die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls. Es gehe unter anderem um den Verdacht verfassungsfeindlicher Sabotage. Die Bundesanwaltschaft ist bei Straftaten gegen die innere Sicherheit dann zuständig, wenn – bei Einzeltätern – die Tat geeignet ist, Bestand oder Sicherheit des Staates zu beeinträchtigen und dem Fall eine besondere Bedeutung zukommt.
Da die Zuständigkeit zur Bundesanwaltschaft gewechselt ist, muss Daniel V. erneut einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden – diesmal am Bundesgerichtshof (BGH). Ein Termin war zunächst nicht bekannt. Das Amtsgericht Aachen hatte zuvor bereits einen Haftbefehl erlassen; der Mann befindet sich in Untersuchungshaft.
Festnahme des 48-Jährigen aus Gevelsberg
Der 48-jährige Daniel V. aus Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet war am Dienstag festgenommen worden. Er soll an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen versucht haben, Stromleitungen in der Nähe von Kohlekraftwerken zu sabotieren. Als Tatmotiv gab er in einem Bekennerschreiben den Klimaschutz und den Kampf gegen fossile Energien an.
An den Ermittlungen waren in NRW über 1.700 Polizistinnen und Polizisten beteiligt. Unmittelbar nach den ersten Sabotageakten hatte die Polizei eine besondere Aufbauorganisation eingerichtet und mit anderen Bundesländern zusammengearbeitet. Auch das Landeskriminalamt NRW sowie das „Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen" waren eingebunden.
Reul: „Riskiert Menschenleben"
Innenminister Reul stellte angesichts der Vielzahl der entdeckten Abschussvorrichtungen die Frage nach möglichen Komplizen – oder danach, ob Daniel V. von fremden Mächten angeheuert worden sein könnte. Für Letzteres gebe es aktuell keine Belege, diesen Fragen werde aber weiter nachgegangen, so Reul.
Der Minister betonte die Schwere der potenziellen Folgen: „Wer so vorgeht, will nicht nur Leitungen treffen – derjenige will unser Land treffen." Dabei sei in Kauf genommen worden, dass die Stromversorgung für Menschen zuhause ausfalle, ebenso in Krankenhäusern, Altenheimen, Pflegestationen, Bahnanlagen und an Flughäfen. „Jemand, der das macht, riskiert Menschenleben!", sagte Reul.
Forderung nach besserem Schutz Kritischer Infrastruktur
Reul plädierte für einen besseren Schutz Kritischer Infrastruktur. Betreiber bräuchten mehr Rechte, aber auch mehr Pflichten – bundeseinheitlich geregelt. Das im März in Kraft getretene KRITIS-Dachgesetz müsse nun konkretisiert werden. Auch Transparenz und Datenschutz seien in diesem Zusammenhang zu überdenken, regte der Minister an.
Source: Google News LU DE