Mordprozess Fabian: Angeklagte Gina H. gerät bei Richterbefragung ins Wanken

Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow wurde die Angeklagte Gina H. stundenlang vom Vorsitzenden Richter befragt. Widersprüche in ihren Antworten hinterließen den Richter sichtlich zweifelnd.

Mordprozess Fabian: Angeklagte Gina H. gerät bei Richterbefragung ins Wanken

Richter löchert Angeklagte sechs Stunden lang mit Fragen

Knapp sechs Stunden hat Holger Schütt, der Vorsitzende Richter am Landgericht Rostock, die Angeklagte Gina H. im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow befragt – und war am Ende dieses Donnerstags noch immer nicht alle seine Fragen losgeworden. Wie ndr.de berichtet, hinterließen manche ihrer Antworten den Richter sichtlich zweifelnd.

Die Nebenkläger-Anwältin Christine Habetha, Vertreterin von Fabians Mutter, zog nach dem langen Verhandlungstag ein klares Fazit: Die Angeklagte habe sich „um Kopf und Kragen geredet" und sei den hohen Anforderungen, die ans erfolgreiche Lügen gestellt werden, „offenbar nicht gerecht geworden". Verteidiger Andreas Ohm widersprach: Zwar räumte er vermeintliche Widersprüche in den Aussagen seiner Mandantin ein, doch seien diese keinesfalls geeignet, ihr die Tat nachzuweisen.

Flüssiger Start, dann zunehmende Widersprüche

Zu Beginn der Befragung versicherte Schütt der Angeklagten, es gehe ihm darum, Widersprüche in ihrer 95 Seiten langen Aussage vom August zu klären – er wolle sie nicht vorführen. Zunächst antwortete Gina H. flüssig. Doch wiederholt geriet sie ins Schwimmen und korrigierte sich, sobald Schütt darauf hinwies, dass eine Antwort nicht mit ihren früheren Angaben übereinstimme.

Immer wieder stand der 10. Oktober vergangenen Jahres im Mittelpunkt – der Tag, an dem Fabian als vermisst gemeldet wurde. Dabei zeigten sich auffällige Unstimmigkeiten: Mal hatte die 30-Jährige ihr Portemonnaie bei einer Fahrt zur Güstrower Bank dabei, dann wieder nicht. Mal schilderte sie, von einem Treffen am Bolzsee direkt zur Kita ihres Kindes und zum Einkaufen gefahren zu sein. Als Schütt sie darauf hinwies, dass eine Überwachungskamera im Supermarkt sie beim Bezahlen gezeigt habe, behauptete sie plötzlich, zwischenzeitlich doch zu Hause gewesen zu sein.

Spaziergang in der Nähe des späteren Tatorts

Schwer nachvollziehbar war für den Vorsitzenden Richter auch, warum Gina H. am Vormittag des 10. Oktober ausgerechnet in der Nähe des späteren Tatorts bei Klein Upahl in einen Wald spazieren ging. Zudem fuhr sie anschließend quer durch den Wald – quasi vorbei an jenem Tümpel, in dem Fabians Leiche vier Tage später entdeckt wurde. Den deutlich kürzeren Weg zurück zur Landstraße hätte sie nehmen können, um rechtzeitig zu ihrer nächsten Verabredung zu kommen.

Gina H. betonte mehrfach, mit Fabians Tod nichts zu tun zu haben. Verteidiger Ohm erklärte, seine Mandantin mache manche Dinge eben anders, „als wir es machen würden". Der Prozess soll am kommenden Dienstag mit weiteren Fragen an die Angeklagte fortgesetzt werden. Nach ihrer schriftlichen Aussage im August hatten die Verteidiger Nachfragen zunächst abgeblockt – Gina H. sei damals psychisch dazu nicht in der Lage gewesen.

LKA wertet Handydaten vom mutmaßlichen Tattag aus

Zu Beginn des Verhandlungstags wurde erneut ein Experte des Landeskriminalamtes (LKA) als Zeuge gehört. Er hatte das sichergestellte Mobiltelefon der Angeklagten ausgewertet und anhand zahlreicher Gerätesensoren dessen Bewegungen am mutmaßlichen Tattag nachvollzogen. Dabei ging es unter anderem darum, wann das Gerät am 10. Oktober vermutlich mit einem Auto durch die Gegend gefahren wurde.

Das Gericht hatte die Ermittler beauftragt, die Bewegungsdaten durch eine Nachfahrt zu überprüfen. Anfang des Monats fuhr der Beamte mit einem Polizeifahrzeug zwei mögliche Routen ab: einmal vom Bolzsee bei Lohmen zurück zum Tatort – wie es die Staatsanwaltschaft behauptet – und einmal direkt nach Reimershagen, wo Gina H. wohnte. Nach Angaben des LKA-Experten hat das Handy beide Fahrten nachvollziehbar aufgezeichnet. Verteidiger Ohm zweifelte dennoch an der Verlässlichkeit der Daten und verwies auf Ungenauigkeiten, die der Zeuge nicht habe erklären können.

Hintergrund: Vorwurf des Mordes an Fabians Sohn

Fabian wurde am 10. Oktober vergangenen Jahres von seiner Mutter als vermisst gemeldet. Vier Tage später fanden Ermittler seine Leiche. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, den Jungen aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und an einem Tümpel bei Klein Upahl – rund 15 Kilometer südlich von Güstrow – erstochen zu haben. Anschließend soll sie zurückgekehrt sein und den Leichnam angezündet haben.

Das Kind war der Sohn des damaligen Ex-Freundes der Angeklagten. Sieben Wochen vor Fabians Verschwinden hatte der Vater die Beziehung mit Gina H. beendet. Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage davon aus, dass die Angeklagte glaubte, Fabian stehe ihrem Ziel im Weg, die Beziehung zu seinem Vater wieder aufzunehmen. Ein Urteil wird derzeit für Oktober erwartet.

Source: Google News DE — Crime (de)