RAI-Journalist Ranucci verliert „Report"-Moderation nach fingiertem Bombenanschlag auf sein Auto

Der italienische Investigativjournalist Sigfrido Ranucci wird ab November nicht mehr sein Magazin „Report" beim Sender RAI leiten. Grund ist ein vorgetäuschter Bombenanschlag, den ein Freund in seinem Namen organisiert haben soll.

RAI-Journalist Ranucci verliert „Report"-Moderation nach fingiertem Bombenanschlag auf sein Auto

RAI setzt Investigativjournalist Ranucci nach inszeniertem Anschlag ab

Der italienische Journalist Sigfrido Ranucci verliert ab November die Leitung und Moderation seines Investigativmagazins „Report" beim öffentlich-rechtlichen Sender RAI. Das teilte der Sender mit, ohne offizielle Gründe zu nennen. Zwei neue Moderatoren sollen den 65-Jährigen ersetzen, wie n-tv berichtet.

Vor rund zehn Monaten wurde vor Ranuccis Wohnhaus ein Bombenanschlag verübt, bei dem zwei Fahrzeuge zerstört wurden. Zunächst geriet die Mafia in Verdacht: Ranucci moderiert Italiens bekannteste Investigativsendung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, recherchiert regelmäßig zu Mafia-Strukturen und stand bereits vor dem Anschlag unter Polizeischutz wegen wiederholter Morddrohungen. In Italien befinden sich mehr als zwanzig Journalisten dauerhaft unter staatlichem Schutz, weil sie zu organisierter Kriminalität und Korruption arbeiten.

Die Ermittlungen führten jedoch in eine andere Richtung. Ranuccis enger Freund Valter Lavitola, 60, soll den Anschlag in Auftrag gegeben haben. Aus öffentlich gewordenem Schriftverkehr von Lavitola geht hervor, dass er mit der inszenierten Attacke Ranuccis Bekanntheit steigern wollte, um ihn anschließend in die Politik zu drängen und selbst als Berater aufzutreten. Lavitola war in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach in Politikskandale verwickelt. Seit etwa zwei Wochen sitzt er in Untersuchungshaft; in einem ersten Verhör gestand er, den Anschlag beauftragt zu haben.

Ranucci selbst wird kein Fehlverhalten vorgeworfen. Die Ermittler gehen davon aus, dass er von Lavitolas Plänen keine Kenntnis hatte.

Trotzdem verliert er seine Sendung. Italienische Medien werten die Entscheidung von RAI als Versuch, Schaden vom Sender abzuwenden. RAI habe Ranucci drei Versetzungsoptionen angeboten, heißt es.

Ranuccis Anwalt Roberto De Vita protestierte gegen den Schritt. RAI bestrafe damit das Opfer eines Anschlags sowie die redaktionelle Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, so seine Argumentation. Auch die Redaktion von „Report" reagierte mit einer Stellungnahme: Das Vorgehen des Senders sei inakzeptabel, da die Beschäftigten nicht in die Entscheidung einbezogen worden seien. Die beiden neuen Moderatoren stünden „in keiner Weise für die Geschichte und die Werte von ‚Report'", zitierte die Nachrichtenagentur ANSA aus der Mitteilung.

Source: n-tv

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