Mordkomplott gegen Yair Netanjahu: Iran soll Anschlag in Florida geplant haben
Israelische Geheimdienste informierten US-Behörden im Dezember über einen iranischen Mordplan gegen Yair Netanjahu in Miami. Sein Vater bestätigte den Fall öffentlich, um teure Bodyguard-Kosten zu rechtfertigen.

Iranischer Mordplan gegen Yair Netanjahu in Miami aufgedeckt
Iranische Attentäter sollen im vergangenen Dezember einen Anschlag auf Yair Netanjahu geplant haben, als er in Florida lebte. Laut der Frankfurter Allgemeine Zeitung informierte ein israelischer Geheimdienst die amerikanischen Behörden über das Komplott — die mutmaßlichen Täter hätten sich bereits in Miami aufgehalten und das Anwesen von Yair Netanjahu ausgespäht. Ihm sei daraufhin die sofortige Abreise empfohlen worden.
Bekannt wurde der Fall, als Ministerpräsident Benjamin Netanjahu selbst die von der Militärzensur verhängte Informationssperre brach. In einem Interview mit dem regierungsnahen Sender Kanal 14 sagte er, er habe etwas „ziemlich Unglaubliches" mitzuteilen: „Iran hat einen meiner Söhne ins Visier genommen. Iran hat versucht, einen meiner Söhne zu töten, ihn zu ermorden." Den Namen seines Sohnes nannte er dabei nicht.
Yair Netanjahu: Namensänderung und veränderte Erscheinung
Der amerikanische Sender Newsmax berichtete am Dienstag unter Berufung auf eine Quelle im Strafverfolgungsapparat über die Einzelheiten des Komplotts. Demnach handelt es sich bei dem bedrohten Sohn um Yair, den 35-jährigen älteren Sohn des Ministerpräsidenten. Auf kürzlich veröffentlichten Fotos soll Yair verändert aussehen — offenbar hat er sich Schönheitsoperationen unterzogen.
Wie die israelische Zeitung Haaretz Anfang Juli berichtete, änderte er im Laufe der vergangenen anderthalb Jahre zudem seinen Namen: Er heißt jetzt Yonatan Hun. Hun war der ursprüngliche Nachname seines Großvaters mütterlicherseits, Yonatan der Name von Benjamin Netanjahus Bruder, der 1976 bei der Geiselbefreiung in Entebbe fiel. Yair Netanjahu reagierte auf die Berichterstattung über die Namensänderung mit einer Klage und einem Antrag auf einstweilige Verfügung. Bei dem Gerichtstermin Mitte Juli soll er gerufen haben: „Dank Misgav wird es den Iranern jetzt leichter fallen, mich zu töten."
Millionenkosten für Personenschutz der Familie
Autor des Haaretz-Berichts war der Journalist Uri Misgav, der bereits mehrfach über die hohen staatlichen Ausgaben für die Familie Netanjahu berichtet hatte — darunter sieben vom Steuerzahler finanzierte Residenzen, eine davon geheim. Ein weiteres Dauerthema ist der Personenschutz: Neben dem Ministerpräsidenten selbst, der vom Inlandsgeheimdienst Schin Bet geschützt wird, haben auch seine Frau Sara sowie die Söhne Yair und Avner rund um die Uhr Bodyguards. Allein die Kosten für Yairs Sicherheit in Miami beliefen sich laut dem Sender Kanal 12 auf umgerechnet 50.000 Euro pro Monat.
Im Juli soll Sara Netanjahu bei Schin-Bet-Chef David Zini persönlich darauf gedrungen haben, den Personenschutz für sie und die Söhne auf Lebenszeit zu verlängern — auch für den Fall, dass Benjamin Netanjahu Ende Oktober abgewählt wird. Zini, der den Netanjahus nahestehen soll, gab daraufhin eine entsprechende Empfehlung ab. Dies geschah Medienberichten zufolge trotz einer abweichenden professionellen Einschätzung des Geheimdienstes, demzufolge die Bedrohungslage für die Familie nicht außerordentlich hoch sei. Das zuständige Ministerkomitee entschied schließlich: Benjamin und Sara Netanjahu erhalten Personenschutz auf Lebenszeit, Yair und Avner für fünf Jahre.
Ungleiche Behandlung im Wahlkampf sorgt für Kritik
Die Entscheidung stieß auf breite Kritik — die sich noch verschärfte, als bekannt wurde, dass Schin-Bet-Chef Zini dem derzeit aussichtsreichsten Herausforderer Netanjahus, Gadi Eisenkot, keinen Personenschutz gewähren wollte. Eisenkot soll lediglich auf eine Notfall-Hotline verwiesen worden sein. Angesichts der aufgeheizten Atmosphäre im israelischen Wahlkampf — mit Drohungen gegen Oppositionspolitiker — empfanden das nicht nur Eisenkots Anhänger als unangemessen. Erinnerungen an die Ermordung von Ministerpräsident Izchak Rabin 1995 spielten dabei eine Rolle. Vor wenigen Tagen erlaubte Zini schließlich, dass Eisenkot bewaffnete private Bodyguards haben dürfe.
Netanjahu stand in dieser Debatte unter doppeltem Druck: Er musste sich sowohl für den verweigerten Schutz Eisenkots als auch für die Forderungen seiner eigenen Familie rechtfertigen. In diesem Zusammenhang brachte er das Mordkomplott gegen seinen Sohn öffentlich zur Sprache. „Und deshalb ist dieser Sicherheitsschutz kein Luxus", sagte er in dem Interview mit Kanal 14.
Glaubwürdigkeit des Berichts umstritten
Ein ehemaliges Mitglied der Schin-Bet-Personenschutzeinheit, Zachi Zucker, bezeichnete den Bericht über das Mordkomplott als dubios. Auch das „Timing" der Veröffentlichung werfe Fragen auf, sagte er dem Sender Kan. Israelische Fachleute halten es grundsätzlich jedoch für plausibel, dass das iranische Regime Familienmitglieder seiner Feinde ins Visier nehmen könnte — als Rache für die Tötung eigener Führungsfiguren.
In einem kürzlich im iranischen Staatsfernsehen ausgestrahlten Bericht soll zudem über einen möglichen Anschlag auf Barron Trump, den 20-jährigen Sohn des amerikanischen Präsidenten, gesprochen worden sein. Kurz zuvor hatte ein mutmaßlicher Anschlagsplan auf Donald Trump selbst für Aufsehen gesorgt: Nach dem NATO-Gipfel in Ankara im Juli soll Trump heimlich das Flugzeug gewechselt haben, weil Iran angeblich die Air Force One attackieren wollte. Auch diese Information stammte laut Berichten von israelischen Geheimdiensten — amerikanische und türkische Geheimdienstmitarbeiter erklärten jedoch verschiedenen Medien, sie hätten die Angaben nicht bestätigen können.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung