Tupac Shakur: Jury spricht Ex-Gangchef Duane Davis des Mordes schuldig
Nach fast drei Jahrzehnten Ungewissheit: Eine Geschworenenjury in Las Vegas hat Duane Davis für den Mord am US-Rapper Tupac Shakur verurteilt.

Schuldspruch nach fast 30 Jahren: Jury verurteilt Davis im Mordfall Tupac Shakur
Eine Geschworenenjury in Las Vegas hat den früheren Gangchef Duane Davis am Montag im Mordfall des US-Rappers Tupac Shakur für schuldig befunden. Wie ORF berichtet, sah die Jury es als erwiesen an, dass Davis als ehemaliger Anführer der Gang South Side Compton Crips für die Tat verantwortlich war. Die Beratungen dauerten nur wenige Stunden.
Das Strafmaß wird, wie in den USA üblich, zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt.
Staatsanwalt: Davis ordnete den Mord an
In seinem Schlussplädoyer argumentierte Staatsanwalt Binu Palal, Davis habe den Mord an Shakur gezielt angeordnet — als Vergeltung dafür, dass sein Neffe zuvor in einem Kasino in Las Vegas von Mitgliedern aus Shakurs Umfeld zusammengeschlagen worden war.
„Duane Davis konnte das in der Gangkultur nicht einfach so hinnehmen", sagte Palal. „Was tat er also? Er besorgte sich eine Schusswaffe, trommelte seine Gruppe zusammen und machte sich auf die Jagd nach Herrn Shakur."
Die Verteidigung hielt dagegen: Außer Davis' eigenen früheren Aussagen gebe es keinerlei Beweise, die den heute 63-Jährigen mit der Tat in Verbindung brächten. Verteidiger Michael Sanft bezeichnete die belastenden Geständnisse seines Mandanten als Fiktion und Lügen, die teilweise dazu gedient hätten, dessen Buch zu bewerben. „Sie lesen ein Buch, das Fiktion ist und keine Tatsachen wiedergibt", erklärte Sanft vor der Jury.
Die Tatnacht im September 1996
Tupac Shakur war am 7. September 1996 in Las Vegas erschossen worden. Den Ermittlungen zufolge hatten Shakur und Death-Row-Records-Chef Marion „Suge" Knight an jenem Abend Davis' Neffen in einem Kasino verprügelt. Noch in derselben Nacht überholte ein weißer Cadillac — besetzt mit Davis, seinem Neffen und weiteren Insassen — Shakurs Fahrzeug. Aus dem Wagen wurden mehrere Schüsse abgefeuert; Shakur erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Er war 25 Jahre alt.
Weltstar im Zentrum eines Bandenkrieges
Der auch als 2Pac und Makaveli bekannte Musiker zählte zur Spitze der Hip-Hop-Welt. Er verkaufte weltweit über 75 Millionen Tonträger, darunter Hits wie „California Love", „Changes" und „Dear Mama". Aufgewachsen in Harlem und Baltimore, unterzeichnete er einen Vertrag mit Death Row Records aus Los Angeles und wurde rasch zum Inbegriff des kalifornischen West-Coast-Rap.
Zum Zeitpunkt seines Todes stand Shakur im Zentrum einer erbitterten Fehde zwischen den Plattenfirmen Death Row Records und Bad Boy Records sowie den Gangs Mob Piru und South Side Compton Crips. Davis' Gang kooperierte mit Bad Boy Records, dem Label von Sean Combs, zu dessen Künstlern unter anderem The Notorious B.I.G. gehörte. Mob Piru war mit Death Row Records verbunden, unter dessen Dach auch Snoop Dogg und Dr. Dre tätig waren.
Memoiren als entscheidendes Beweismittel
Jahrzehntelang kamen die Ermittlungen im Mordfall Shakur kaum voran — aus Mangel an Beweisen. Die entscheidende Wende brachte das Jahr 2019, als Davis seine Memoiren veröffentlichte. Darin schilderte er, dass er in jener Tatnacht vorne im Cadillac saß und den Männern auf der Rückbank eine Pistole übergab. Wer genau schoss, ließ er offen. Alle anderen Insassen des Fahrzeugs sind inzwischen verstorben.
Im September 2023 wurde Davis festgenommen. Seither distanzierte er sich von den Angaben in seinem Buch und beteuerte seine Unschuld. In einem Gefängnisinterview mit dem Sender ABC erklärte er, die Ermittler könnten ihm nicht einmal beweisen, dass er in der Tatnacht überhaupt in Las Vegas gewesen sei — er sei an jenem Abend in Los Angeles gewesen. Seine eigenen Memoiren, so Davis, habe er nie gelesen.
Die Anklage hingegen bestand darauf, dass das Buch „gewissermaßen ein Geständnis" darstelle. Davis' Anwälte hatten im Vorfeld des Prozesses vergeblich versucht, sowohl das Buch als auch Äußerungen, die Davis 2008 gegenüber der Polizei gemacht hatte, als Beweismittel zu verhindern.
Der mit Spannung erwartete Prozess hatte im August begonnen. Mit dem Schuldspruch endet eine der bekanntesten ungelösten Kriminalgeschichten der US-Musikgeschichte — fast drei Jahrzehnte nach der Tatnacht in Las Vegas.
Source: ORF