Eltern des Amokschützen von Aarau entschuldigen sich: «Es ist furchtbar»
Die Eltern von Julien G. (43), der nach einer Technoparty 40-mal in eine Menschenmenge schoss, haben sich gegenüber dem «Quotidien Jurassien» geäussert.
Eltern des Amokschützen brechen ihr Schweigen
Laut Blick haben sich die Eltern von Julien G. (43), dem mutmasslichen Amokläufer von Aarau, erstmals öffentlich geäussert. Gegenüber der Lokalzeitung «Le Quotidien Jurassien» entschuldigten sie sich für ihren Sohn: «Unsere Gedanken sind in erster Linie bei den Opfern. Bei der jungen Frau, die gestorben ist, ihrer Familie, den Verletzten, all den Menschen… Es ist furchtbar… Wir entschuldigen uns für unseren Sohn.»
Julien G. war knapp einen Tag nach dem Amoklauf im Kanton Jura verhaftet worden. In der Nacht auf Sonntag soll er nach einer Technoparty 40-mal in eine feiernde Menschenmenge geschossen haben. Die 22-jährige Maria S. starb bei dem Angriff, sechs weitere Personen wurden verletzt.
Der Vater schildert seinen Sohn als jemanden, der innerhalb der Familie nie körperlich gewalttätig geworden sei. «Manchmal verlor er die Beherrschung, war in seinen Worten oder seinem Auftreten heftiger als ein gewöhnlicher Mensch, aber der Druck legte sich sofort wieder. Manchmal sagte er abscheuliche Dinge und entschuldigte sich 15 Minuten später. Aber ausserhalb dieser Krisen konnte er auch extrem freundlich zu uns sein.»
Am Tag vor der Tat hatten die Eltern ihren Sohn zuletzt gesehen. Julien G. hatte laut dem Vater angekündigt, zu einer mehrtägigen Ferienreise aufzubrechen. «Wir wollten uns Anfang der folgenden Woche in Italien zu gemeinsamen Familienferien treffen», so der Vater. Die letzte Nachricht, die die Familie erhielt, schrieb Julien G. seiner Mutter noch am selben Tag — er teilte ihr mit, gut angekommen zu sein. Wo er sich genau befand, wussten die Eltern nach eigenen Angaben nicht.
In der Nacht auf Montag weckte die Polizei die Eltern. Wenige Stunden später, als Beamte das frühere Zimmer von Julien G. im Elternhaus durchsuchten, teilten sie ihnen mit, der Einsatz stehe im Zusammenhang mit der Schiesserei.
Die Eltern bestätigen damit ein Bild, das bereits Nachbarn aus dem jurassischen Dorf Montsevelier gegenüber Blick gezeichnet hatten: Julien G. habe äusserst zurückgezogen gelebt. «Wir waren praktisch die Einzigen, die er noch sah. Wir wussten nichts über sein Leben. Er wollte nicht über sich selbst sprechen. Sobald wir ihn etwas fragten, antwortete er, das ginge uns nichts an.»
Ihr Sohn habe vor langer Zeit die Diagnose Schizophrenie erhalten. Vor rund 20 Jahren sei er deswegen drei Wochen lang in einer psychiatrischen Klinik in Delsberg JU behandelt worden. «Wenn ich mich recht erinnere, wurde er 2007 eingeliefert, weil er es nicht mehr ertragen konnte, unter Menschen zu sein, und nicht mehr normal arbeiten konnte», erklärte der Vater gegenüber dem «Quotidien Jurassien». Militärdienst habe Julien G. entgegen behördlichen Angaben nie geleistet.
Source: Blick