Junge-Tat-Anführer vor Gericht in Zürich: bis zu 15 Monate Haft gefordert

Ab 4. September stehen sechs Mitglieder der rechtsextremen Jungen Tat vor dem Bezirksgericht Zürich. Den Anführern drohen Freiheitsstrafen von bis zu 15 Monaten.

Prozess gegen Junge Tat: Anführer wehren sich mit Video gegen drohende Haftstrafe

Am 4. September beginnt vor dem Bezirksgericht Zürich der Prozess gegen Manuel Corchia (25), Tobias Lingg (24) und vier weitere Mitglieder der rechtsextremen Gruppierung Junge Tat. Den beiden Anführern drohen laut Blick Freiheitsstrafen von bis zu 15 Monaten — sechs Monate davon will die Zürcher Staatsanwaltschaft als unbedingte Haft vollzogen sehen.

Die Anklageschrift ist umfangreich: Beteiligung an gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Linksextremen, vermummte Stürmung eines Gottesdienstes des Pride-Festivals verbunden mit Sachbeschädigung, Störung einer Vorlesestunde von Dragqueens für Kinder sowie diverse illegale Propagandaaktionen. Hinzu kommen Nötigung, Hausfriedensbruch, Diskriminierung und Aufruf zu Hass.

Video als Reaktion auf nahenden Prozess

Kurz vor Prozessbeginn veröffentlichte die Gruppe ein knapp zehnminütiges Video auf X, in dem drei der Angeklagten ihre Position darlegen. Darin werten sie die ihnen vorgeworfenen Taten als Bagatelldelikte und berufen sich auf die Meinungsfreiheit. Andere würden für vergleichbare Handlungen lediglich Geldbussen erhalten, behaupten sie. Meinungsfreiheit gelte ohnehin nur für Linke, Liberale und das Staatsfernsehen, so der Tenor des Videos. Gleichzeitig startete die Gruppe eine Petition zur Unterstützung der juristischen Verteidigung der Angeklagten.

Die Gruppe wirft darin Regierung, Staatsanwaltschaft und Polizei vor, Linksextreme systematisch zu decken und zu schützen.

Gegenüber Blick hatte sich Corchia Anfang August noch siegessicher gezeigt: «Wenn in der Schweiz die Meinungsfreiheit noch besteht, werden die Anschuldigungen nicht zu einer Verurteilung führen.»

Vermummung als Schutzargument

Auf die Frage, weshalb Mitglieder bei mehreren Aktionen vermummt aufgetreten seien, antwortete Corchia, als erkennbar rechter Aktivist riskiere man rasch den Verlust von Job, Wohnung oder Studienplatz. «Heutzutage haben wir andere Strukturen und können uns erlauben, das Gesicht zu zeigen», sagte er. Die Ironie, nun genau dafür bestraft zu werden, bezeichnete der 25-Jährige als «hochgradig bösartig und dreist».

Wer ist die Junge Tat?

Die Junge Tat ist seit 2020 in der Schweiz aktiv. Die Gruppe inszeniert sich als junge, moderne Bewegung und setzt auf professionell produzierte Social-Media-Inhalte, gemeinsame Wanderungen, Kampfsport und öffentlichkeitswirksame Aktionen. Inhaltlich propagiert sie eine ethnisch-kulturell definierte Schweizer Identität, fordert die Remigration von Migrantinnen und Migranten und wendet sich gegen LGBTQ-Themen.

Fachleute ordnen die Junge Tat der rechtsextremen Identitären Bewegung zu. Der Nachrichtendienst des Bundes stufte sie als Gruppe mit «erhöhtem Gewaltpotenzial» ein. Genaue Mitgliederzahlen sind nicht bekannt; Schätzungen gehen von einigen Dutzend Aktivistinnen und Aktivisten aus. Über soziale Medien versucht die Gruppe gezielt, junge Menschen anzusprechen.

Weiterer Verfahrensverlauf offen

Zwei weitere Beschuldigte haben ihre Einsprache gegen die Strafbefehle zurückgezogen; gegen sie wird kein Prozess geführt, die Urteile sind bereits rechtskräftig. Den sechs verbleibenden Angeklagten steht nach dem Urteil des Bezirksgerichts der Weg über das Obergericht und allenfalls das Bundesgericht offen. Ein schnelles rechtskräftiges Urteil ist damit nicht zu erwarten.

Source: Blick

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