Messerangriff auf Kindergartenkinder in Zürich-Oerlikon: Prozess gegen 24-Jährigen beginnt

Ein chinesischer Student soll am 1. Oktober 2024 drei fünfjährige Kinder in Zürich-Oerlikon schwer verletzt haben – geplant über Wochen, teils mit ChatGPT.

Anklage: Student plante Messerangriff auf Kinder mit Hilfe von ChatGPT

Am Dienstagnachmittag des 1. Oktober 2024 gingen Kindergartenkinder in Zürich-Oerlikon wie gewohnt zu ihrem Hort – begleitet von einer Betreuerin. Am Berninaplatz griff ein 24-jähriger Mann die Gruppe an. Drei fünfjährige Buben wurden mit einem Messer schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft wirft Han L.* mehrfachen versuchten Mord vor. Nächste Woche steht er vor dem Bezirksgericht Zürich. Die Anklageschrift liegt Blick vor.

Wochen der Vorbereitung

Han L. stammt aus Chengdu im Südwesten Chinas. 2023 kam er in die Schweiz, um an der Universität Zürich seinen Master zu absolvieren. Nachbarn beschrieben ihn als ruhig und zurückgezogen. Laut Anklage war er in der Schweiz zunehmend unglücklich und fühlte sich nicht respektiert. Spätestens Anfang August 2024 fasste er demnach den Entschluss, einen Menschen zu töten.

Am 8. August 2024 fragte er laut Staatsanwaltschaft die KI-Anwendung ChatGPT nach den «juristischen Konsequenzen verschiedener Tatvarianten der Tötung von Zufallsopfern durch Erstechen». Danach soll er beschlossen haben, Kinder als Opfer zu wählen. In den folgenden Wochen bestellte er Kleidung für die Tat sowie ein Set mit vier unterschiedlich grossen Küchenmessern.

Am 18. September richtete er erneut eine Anfrage an ChatGPT – diesmal wollte er wissen, wo und wann er in Zürich Kinder antreffen könne. Zehn Tage später studierte er laut Anklage über Google und ChatGPT anatomische Darstellungen des menschlichen Kopfes, Halses und Oberkörpers sowie der Blutgefässe. Am 30. September kaufte er Rindfleisch, um daran Messerstiche und Schnitte zu üben.

Tatort und Tatdatum bewusst gewählt

Auch das Datum sei kein Zufall, hält die Staatsanwaltschaft fest. Han L. wählte bewusst den 1. Oktober – den chinesischen Nationalfeiertag. Am Mittag veröffentlichte er auf Instagram patriotische Inhalte, darunter Stellung gegen die Unabhängigkeit Taiwans. Zudem soll er sich abwertend über eine frühere Freundin aus China geäussert haben.

Danach verliess er laut Anklage mit zwei Messern seine Wohnung.

Schwer verletzte Kinder, einer überlebte knapp

Am Berninaplatz holte Han L. die Gruppe Kindergartenkinder ein. Mit einer 8,5 Zentimeter langen Klinge stach er mehrfach auf jene Kinder ein, die sich in seiner Reichweite befanden. Die Hort-Betreuerin griff ein, hielt ihn fest – daraufhin gab er auf. Die Polizei nahm ihn noch am Tatort fest.

Drei fünfjährige Buben wurden verletzt. Einer erlitt Stiche am Schlüsselbein, am Hals und an der Schulter und musste notoperiert werden. Einen zweiten Buben soll Han L. zweimal in die Brust gestochen haben, wobei ein Stich das Herz traf – das Kind überlebte nur knapp. Der dritte Bub wurde am Ohr und an der Lunge verletzt.

Geständnis und Forderungen der Staatsanwaltschaft

Nach seiner Festnahme zeigte sich Han L. geständig. Seit April 2025 befindet er sich im vorzeitigen Strafvollzug in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies.

Die Staatsanwaltschaft beschreibt in der Anklageschrift einen Mann, der aus «blosser Rachsucht, Geltungsdrang und ideologischer Verblendung» gehandelt habe. Sie fordert eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren, eine ambulante Behandlung sowie einen Landesverweis für 15 Jahre.

Han L.s Verteidiger äussert sich auf Anfrage von Blick derzeit nicht. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Verhandlung findet am Donnerstag, 17. September, vor dem Bezirksgericht Zürich statt.

*Name der Redaktion bekannt.

Source: Blick

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