Zürcher Arzt missbraucht Patientinnen unter Narkose – über sechs Jahre unbehelligt

Ein österreichischer Gastroenterologe in Zürich soll Dutzende Frauen unter Sedierung gefilmt und missbraucht haben. Trotz Hinweisen seit 2020 wurde er erst im Juli 2026 verhaftet.

Zürcher Arzt jahrelang im Verdacht – Verhaftung erst 2026

Ein österreichischer Gastroenterologe soll in Zürich über sechs Jahre lang Dutzende Patientinnen unter Sedierung sexuell missbraucht und heimlich gefilmt haben. Wie Blick unter Berufung auf die «NZZ am Sonntag» berichtet, war der Arzt bereits seit 2020 im Visier der Polizei – verhaftet wurde er jedoch erst im Juli 2026. Seither befindet er sich in Untersuchungshaft. Parallel laufen Ermittlungen in der Schweiz und in Österreich.

Eine Betroffene schilderte der «NZZ am Sonntag» ihre Erfahrung: Im Juli 2023 suchte sie den Arzt für eine Darmspiegelung auf. Die Hebamme beschrieb ihn als «charmant» und «sympathisch» – und vertraute ihm. Nach dem Eingriff erwachte sie mit starken Unterleibsschmerzen, «wie nach der Geburt meiner Kinder». Drei Jahre später erkannte sie seinen Namen in einem Bericht über die laufenden Ermittlungen. «Als ich mir vorstellte, wie er mir die Unterhose auszog, musste ich erbrechen», sagt sie.

Die Zürcher Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf Schändung sowie Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch heimliche Aufnahmen. Die Polizei hat «grosse Datenmengen» sichergestellt. Betroffene Frauen wurden aufgefordert, Fotos einzureichen, um auf dem beschlagnahmten Material identifiziert werden zu können. In Österreich soll der Arzt laut Behörden bereits ab 2005 Patientinnen missbraucht haben.

Recherchen der «NZZ am Sonntag» zeigen, dass die Behörden früh über den Verdächtigen informiert waren: 2020 wurde er in Zürich angezeigt, und die Polizei fand eine versteckte Kamera in seiner Praxis. Dennoch durfte er seine Tätigkeit fortsetzen. Das Zürcher Amt für Gesundheit leitete erst 2022 ein Aufsichtsverfahren ein und schränkte seine Arbeit ein – ohne ihn jedoch vollständig zu stoppen. In der Zwischenzeit soll er sich an weiteren Frauen vergangen haben.

Franziska Sprecher, Expertin für Gesundheitsrecht an der Universität Bern, kritisiert gegenüber der «NZZ am Sonntag» die mangelnde Koordination zwischen den zuständigen Behörden. «Es kommt immer wieder vor, dass selbst verurteilte Ärzte in einem anderen Land weiterpraktizieren», sagt sie. Zudem erschwere das unübersichtliche Meldesystem in der Schweiz Patientinnen die Meldung von Missbrauchsfällen.

Der Fall reiht sich in eine Reihe von Fällen sexueller Gewalt unter Sedierung ein. Zuletzt sorgte der Aargauer Ex-Grossrat Patrick F. für Aufsehen: Er soll 2023 seine Partnerin, deren damals minderjährige Tochter sowie seine Ex-Ehefrau mit K.o.-Tropfen wehrlos gemacht und anschliessend sexuell missbraucht haben. Dabei soll er laut Staatsanwaltschaft Bild- und Videomaterial erstellt haben.

Source: Blick

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