Schüsse bei Rave in Aarau: 22-jährige Italienerin getötet, fünf Verletzte
Bei einem Techno-Rave auf der Pferderennbahn Aarau wurde eine 22-Jährige erschossen, fünf weitere Personen wurden verletzt. Die Polizei fahndet landesweit.

Tote und Verletzte nach Schussattacke auf Techno-Party in Aarau
Bei einem Schusswaffenangriff auf einer Techno-Party im Schweizer Kanton Aargau ist in der Nacht zum Sonntag eine 22-jährige Frau getötet worden. Fünf weitere Personen wurden verletzt. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, fahndet die Polizei seitdem landesweit nach dem oder den Tätern.
Die Getötete war italienische Staatsbürgerin und starb noch am Veranstaltungsort. Vier Schweizer Männer und eine deutsche Frau im Alter zwischen 24 und 31 Jahren wurden leicht bis schwer verletzt. Alle Opfer wohnten in der Schweiz. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni drückte ihr „tiefstes Mitleid zum Tod der jungen Italienerin" aus.
„Die Fahndung läuft landesweit auf Hochtouren", sagte ein Sprecher der Kantonspolizei Aargau am frühen Sonntagnachmittag auf einer Pressekonferenz. Das gesamte Polizeikorps des Kantons sei im Einsatz, ergänzt durch Spezial- und Sonderkräfte. Auch die deutsche Polizei beteiligt sich an der Fahndung, da die Ermittler davon ausgehen, dass die Täterschaft die Region Aarau bereits verlassen hat.
Drei Hypothesen — darunter Terroranschlag
Ob ein oder mehrere Täter an dem Angriff beteiligt waren, blieb zunächst unklar. Aargaus Polizeikommandant Michael Leupold nannte am frühen Abend drei mögliche Szenarien: einen Terroranschlag, einen Amoklauf oder ein kriminelles Geschehen wie eine „Abrechnung in irgendeinem Milieu". Am Tatort wurden Patronen zweier verschiedener Kaliber sichergestellt — solche, die für Pistolen typisch sind, sowie Hülsen, die etwa bei Sturmgewehren verwendet werden. Es seien viele Schüsse in hoher Kadenz gefallen, sagte Leupold.
Der späte Zeitpunkt des Angriffs — gegen halb drei Uhr morgens, als viele Besucher bereits abgereist waren — spreche nach Einschätzung der Polizei gegen die Anschlagshypothese. Denkbar sei vielmehr, dass eine persönliche Auseinandersetzung auch zufällig Unbeteiligte getroffen habe. Die Polizei sperrte das Gebiet rund um die Pferderennbahn weiträumig ab, um Spuren zu sichern, und rief Augenzeugen auf, Videos und Fotos zur Verfügung zu stellen.
„Die Frau starb vor unseren Augen"
Rund 3.000 Besucher waren zum „Aarauer Rave Vol. 7" auf die Pferderennbahn gekommen, die rund 40 Kilometer westlich von Zürich liegt. Ein Augenzeuge schilderte im Regionalfernsehsender Tele M1, dass am Ende der Veranstaltung mehrfach ein lautes Knallen zu hören gewesen sei. „Die meisten dachten, es seien Böller oder Feuerwerk." Erst als jemand rief, es werde geschossen, hätten sich die Anwesenden in Deckung begeben.
Eine Frau in seiner Nähe sei getroffen worden und habe schwer geblutet. „Sie hatte einen Schuss in die Brust und wohl einen Streifschuss an den Hals bekommen." Mehrere Besucher hätten versucht, sie zu reanimieren — ohne Erfolg. „Die Frau starb vor unseren Augen. Wir wollten helfen, konnten aber nichts machen. Das geht einem schon nahe", sagte er. Die Polizei sei nach rund 30 Minuten eingetroffen.
Veranstalter und DJ reagieren erschüttert
Veranstalter war die Zürcher Eventagentur Agency Events AG. Deren Geschäftsführer Olivier Grein schrieb auf Instagram: „Wir sind schockiert. Und erschüttert. Und traurig. Der hinterhältige Anschlag auf die Gäste des Aarauer Raves hat unsere Herzen gebrochen." Ein Rave solle ein Ort der Freude und der Liebe sein. Grein versprach, die Ermittlungen der Polizei vollständig zu unterstützen.
Der Schweizer DJ Tekibo, der kurz vor dem Angriff noch Musik aufgelegt hatte, meldete sich am Sonntagvormittag ebenfalls auf Instagram. Was geschehen sei, sei herzzerbrechend. Techno und Raves stünden für Freiheit und Sicherheit. Er habe eine wichtige Freundin verloren, schrieb er — sein Beitrag endete mit den Buchstaben „RIP M".
Der Aargauische Rennverein, der die Pferderennbahn als Veranstaltungsort betreibt, vermietet die Anlage nach eigenen Angaben seit Jahren für den Rave. Ein Vereinsvertreter sagte, die bisherigen Veranstaltungen seien problemlos verlaufen und das Sicherheitskonzept habe funktioniert.
Schusswaffenangriffe in der Schweiz selten
Schusswaffenangriffe dieser Art sind in der Schweiz ungewöhnlich. Zugleich sind Schusswaffen im Land weit verbreitet: Laut dem Schweizer Studienprogramm Small Arms Survey kamen 2017 fast drei Waffen auf zehn Einwohner, womit die Schweiz weltweit auf Platz 16 beim Waffenbesitz pro Kopf lag. Ein landesweites Waffenregister existiert nicht.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung