Ukrainer wegen Hackerangriff auf Stadler Rail zu 12 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt

Das Zürcher Bezirksgericht verurteilte einen 52-jährigen Ukrainer zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren und neun Monaten. Der Schaden der Angriffe wird auf 100 Millionen Franken geschätzt.

Ukrainer wegen Hackerangriff auf Stadler Rail zu 12 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt

Zürcher Gericht verurteilt Hacker nach Ransomware-Angriffen auf Schweizer Unternehmen

Das Zürcher Bezirksgericht hat einen 52-jährigen Ukrainer wegen Entwicklung und Weitergabe von Ransomware zu zwölf Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, wie SRF berichtet. Zusätzlich zur Haft verhängte das Gericht einen Landesverweis von zehn Jahren.

«Er war kein Mastermind», erklärte der Richter bei der Urteilseröffnung. Dennoch sah das Gericht es als erwiesen an, dass der Beschuldigte Schadsoftware entwickelte und an bis heute unbekannte Hintermänner weiterleitete. Diese wählten anschliessend Zielunternehmen im In- und Ausland aus und koordinierten die Erpressungen.

Der Angeklagte hatte stets bestritten, von der kriminellen Verwendung seiner Software gewusst zu haben. Er bezeichnete sich als IT-Berater und erklärte die bei ihm gefundenen Quellcodes damit. Das Gericht liess dieses Argument nicht gelten — in seinen Daten waren auch Erpresserschreiben gefunden worden.

Das Urteil geht sogar über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die lediglich zwölf Jahre beantragt hatte. Der Mann, der im Oktober 2021 verhaftet wurde, bleibt bis auf Weiteres in Sicherheitshaft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; er kann es vor das Obergericht und das Bundesgericht weiterziehen.

Stadler Rail und ein Schaden von 100 Millionen Franken

Der Ukrainer entwickelte Schlüsselkomponenten der Schadsoftware-Familien Lockergoga, Megacortex und Nefilim. Beim Angriff auf den Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail wurden rund 500 Gigabyte vertraulicher Daten gestohlen. Der Beschuldigte drohte, die Daten zu veröffentlichen, sollte kein Lösegeld bezahlt werden. Stadler Rail weigerte sich — andere Unternehmen hingegen zahlten. Der Gesamtschaden wird auf 100 Millionen Franken geschätzt.

Verbindungen zum Kreml und russische Strategie

Der Prozess, der im August stattfand, erhielt zusätzliche Aufmerksamkeit wegen eines mutmasslichen Drahtziehers innerhalb der Hackergruppe, der Verbindungen zum Kreml gehabt haben soll. Dieser Mann, ebenfalls Ukrainer, soll laut Anklage über eine Tarnidentität des russischen Geheimdienstes FSB verfügt haben. Die USA setzten ein Kopfgeld von einer Million Dollar auf ihn aus. Im November 2022 soll er in Moskau unter mysteriösen Umständen aus einem Fenster gestürzt sein.

Der Staatsanwalt betonte, Angriffe auf westliche Unternehmen seien Teil einer russischen Strategie zur wirtschaftlichen Destabilisierung. Die Interessen krimineller Hacker und staatlicher Akteure würden sich überschneiden; der russische Staat toleriere oder fördere dieses Treiben. Auf den 52-Jährigen selbst treffen solche Verbindungen zu russischen Geheimdiensten laut Gericht nicht zu.

Der Verteidiger hatte einen vollumfänglichen Freispruch sowie eine Haftentschädigung beantragt. Er argumentierte, bei den Hausdurchsuchungen sei sein Mandant nicht ausreichend über sein Recht auf Siegelung der Daten informiert worden, weshalb sämtliche beschlagnahmten Datenträger für unverwertbar zu erklären seien. Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht.

Source: SRF

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