Whistleblowerin tot im Luganersee: Polizei schliesst Fremdeinwirkung vorerst aus

Die 52-Jährige, die Tonaufnahmen des Tessiner Regierungsrats Zali veröffentlicht hatte, ist laut vorläufigem Obduktionsbericht ertrunken. Drittbeteiligung wurde nicht festgestellt.

Whistleblowerin tot im Luganersee: Polizei schliesst Fremdeinwirkung vorerst aus

Tod der Zali-Whistleblowerin: Obduktion ergibt Ertrinken, kein Hinweis auf Fremdverschulden

Wenige Wochen nach der Veröffentlichung brisanter Tonaufnahmen mit einem Tessiner Regierungsrat wurde eine 52-jährige Schweizerin leblos im Luganersee gefunden. Wie Google News CH — Crime (de) berichtet, haben die Tessiner Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei am Freitag neue Ermittlungsdetails bekanntgegeben.

Der vorläufige Obduktionsbericht kommt zum Schluss, dass die Frau mit grosser Wahrscheinlichkeit ertrunken ist. Hinweise auf eine Beteiligung Dritter haben die bisherigen Untersuchungen nicht ergeben. Auch eine andere offensichtliche Todesursache infolge einer Verletzung oder Erkrankung liess sich nicht feststellen.

Die Resultate der toxikologischen und Gewebe-Untersuchungen stehen noch aus. Erst nach deren Vorliegen dürften präzisere Aussagen zur Todesursache möglich sein. Die Ermittlungen laufen weiter; gesicherte Spuren werden untersucht und Zeugen befragt.

Die Frau war am 18. August leblos im Luganersee entdeckt worden. Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Der Fall sorgte über den Kanton Tessin hinaus für Aufsehen, weil die Frau kurz zuvor auf Instagram heimlich aufgezeichnete Telefongespräche mit dem Tessiner Regierungsrat Claudio Zali (Lega) veröffentlicht hatte.

Brisante Tonaufnahmen belasteten Zali

In einem der Gespräche suchte die Frau bei Zali Rat, weil sie sich von einer anderen Frau verfolgt fühlte. Seine Antwort war unmissverständlich: «Verprügle sie!» In einem weiteren Gespräch erklärte Zali, er könne einen Freund in Mailand kontaktieren, der das Problem diskret über Dritte lösen könne. Er räumte dabei auch ein, selbst schon gegenüber einer Frau handgreiflich geworden zu sein — relativierte dies jedoch später: Bei der betreffenden Person habe es sich um eine Stalkerin gehandelt, er habe sie lediglich am Arm gepackt und vom Grundstück verwiesen.

Die Aufnahmen verschärften den Druck auf Zali zusätzlich. Bereits zuvor war bekannt, dass gegen ihn ein Strafverfahren wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs und der versuchten Nötigung läuft. Zali soll sich für einen inhaftierten 14-Jährigen eingesetzt haben, dessen Mutter er persönlich kannte. Der Jugendliche soll an der Freiheitsberaubung eines anderen Minderjährigen beteiligt gewesen sein. Im Juni berief Zali eine Sitzung mit Verantwortlichen aus Justiz, Strafvollzug und medizinischer Betreuung ein; er bestreitet, sich unzulässig in das Verfahren eingemischt zu haben.

Aufgrund des laufenden Strafverfahrens gab Zali am 23. Juli die Zuständigkeiten für Justiz und Kantonspolizei innerhalb seines Departements ab. Zudem wurde bekannt, dass er sich beim Tessiner Spitalverbund EOC für die Anstellung einer Bekannten eingesetzt haben soll. Ende Juli kündigte der 64-Jährige seinen Rücktritt aus der Kantonsregierung per Ende September an.

Weiteres Verfahren wegen Angriff auf die Frau offen

Eine weitere Frage bleibt ungeklärt: Die Verstorbene hatte angegeben, nach der Veröffentlichung der Aufnahmen angegriffen worden zu sein. Der Vorfall soll sich am 8. August ereignet haben. Sie erstattete Anzeige und wurde laut ihrer Anwältin in einer Notaufnahme behandelt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Zusammenhang wegen versuchter schwerer sowie einfacher Körperverletzung gegen Unbekannt — diese Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen.

Source: Google News CH — Crime (de)

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