263 Kilo Kokain auf Segeljacht: Rentnerpaar in Rostock vor Gericht

Ein 59-jähriger Mann und seine 67-jährige Frau stehen in Rostock vor Gericht – beschuldigt, 263 kg Kokain per Segelboot aus Südamerika geschmuggelt zu haben.

263 Kilo Kokain auf Segeljacht: Rentnerpaar in Rostock vor Gericht

Kokain-Schmuggel auf der Segeljacht «Target»: Rostock-Prozess beginnt

Vor dem Landgericht Rostock läuft ein ungewöhnliches Strafverfahren: Ein 59-jähriger Mann und seine 67-jährige Ehefrau sollen gemeinsam mit ihrer Segeljacht «Target» 263,73 Kilogramm Kokain von Südamerika nach Europa gebracht haben. Der geschätzte Strassenverkaufswert liegt bei rund 15 Millionen Franken. Wie 20 Minuten berichtet, hat der Ehemann den Schmuggel bereits eingestanden – und beteuert gleichzeitig, seine Frau habe von den Drogen nichts gewusst.

Die portugiesische Polizei stoppte die Jacht im August 2025 nahe den Azoren. Ermittler fanden laut Anklage die grosse Kokainfracht an Bord. Seither befinden sich beide Angeklagten in Untersuchungshaft.

Albaner, Schulden, eine Affäre

Vor Gericht schilderte der 59-Jährige, wie er in das Drogen-Netzwerk geraten sei. Am Sterbebett seines Vaters habe er einen Albaner kennengelernt und sich von ihm 20'000 Euro geliehen. Später habe dieser 60'000 Euro zurückgefordert. Weil er die Summe nicht habe aufbringen können, sei ihm eine Fahrt mit der Segeljacht nach Südamerika als Ausweg angeboten worden.

Während einer früheren Reise hatte er nach eigenen Angaben eine Kolumbianerin kennengelernt und eine Affäre mit ihr begonnen. Auf der Rückfahrt sei das Boot in Seenot geraten; die damals mitgeführten rund 75 Kilogramm Kokain habe er aus Angst ins Meer geworfen. Nach seiner Rückkehr nach Rostock habe seine Ehefrau Fragen gestellt und schliesslich von der Affäre erfahren.

Frau soll nichts gewusst haben – Staatsanwaltschaft zweifelt

Der Angeklagte beschreibt, seine Frau habe ihm verziehen und ihn auf der nächsten Reise nach Kolumbien begleiten wollen – unter anderem, um die Ehe zu retten. Dass sich diesmal mehr als 260 Kilogramm Kokain an Bord befanden, habe sie nicht gewusst. «Meine Frau ist unschuldig», soll er während seiner Aussage mehrfach betont haben.

Die Staatsanwaltschaft sieht den Sachverhalt anders. Laut NDR soll das Kokain praktisch im gesamten Boot verteilt versteckt gewesen sein. Zudem steht der Vorwurf im Raum, die 67-Jährige habe nach der Festnahme versucht, E-Mails zu löschen.

Strenge Sicherheitsmassnahmen im Gerichtssaal

Der Prozess findet unter ungewöhnlichen Sicherheitsvorkehrungen statt: Der Angeklagte trägt eine schusssichere Weste, vermummte und bewaffnete Polizisten sind im Einsatz, Fotoaufnahmen der Angeklagten sind verboten.

Dem 59-Jährigen droht wegen eines «besonders schweren Falls des internationalen Drogenhandels» eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Das Gericht muss nun klären, ob die Ehefrau tatsächlich nichts von den Machenschaften ihres Mannes wusste. Für beide Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Source: 20 Minuten

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