Anklage gegen Tochter von Rudi Assauer gescheitert – Landgericht Essen verweigert Eröffnung

Das Landgericht Essen hat die Anklage wegen Betrugs rund um das Vermögen des Ex-Schalke-Managers Rudi Assauer abgewiesen. Alle drei Beschuldigten bleiben vorerst straffrei.

Anklage gegen Tochter von Rudi Assauer gescheitert – Landgericht Essen verweigert Eröffnung

Landgericht Essen lässt Betrugsanklage im Vermögensstreit um Rudi Assauer scheitern

Das Landgericht Essen hat die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen Bettina Michel, die Tochter des verstorbenen Schalker Managers Rudi Assauer, sowie gegen dessen langjährige Privatsekretärin und einen Bekannten des Fußballfunktionärs nicht zugelassen. Wie Google News DE — Crime (de) berichtet, lehnte die VI. große Strafkammer die Eröffnung des Hauptverfahrens ab. Der entsprechende Beschluss liegt der Deutschen Presse-Agentur vor und wurde an den Anwalt der Sekretärin, Hans Reinhardt, zugestellt.

Die Staatsanwaltschaft hatte den drei Beschuldigten im Mai banden- und gewerbsmäßigen Betrug vorgeworfen. Sie sollen sich am Vermögen des schwer an Alzheimer erkrankten Assauer bereichert haben, der im Februar 2019 im Alter von 74 Jahren starb. Das Gericht sieht nach gegenwärtigem Ermittlungsstand keinen hinreichenden Tatverdacht: Eine Verurteilung sei nicht zu erwarten.

Immobilienverkäufe im Kern des Vorwurfs

Konkret warf die Staatsanwaltschaft den Beschuldigten vor, noch zu Lebzeiten Assauers zwei seiner Immobilien verkauft zu haben, ohne dazu berechtigt gewesen zu sein. Als Grundlage sollen sie eine Generalvollmacht aus dem Jahr 2012 vorgelegt haben, die nach Ansicht der Anklagebehörde nicht gültig war – Assauer sei wegen seiner Erkrankung zu jenem Zeitpunkt bereits nicht mehr geschäftsfähig gewesen. Insgesamt stand ein Betrag von 767.080 Euro im Raum.

Der Tochter legte die Staatsanwaltschaft zusätzlich falsche eidesstattliche Erklärungen zur Last. Über diesen Vorwurf entschied das Landgericht Essen jedoch nicht – es sah sich dafür örtlich nicht zuständig.

Ausgangspunkt: Recherchen der „Zeit"

Ausgelöst hatten die Ermittlungen Recherchen der Wochenzeitung „Die Zeit". Rund fünf Jahre lang gingen Polizei und Staatsanwaltschaft Essen der Frage nach, warum Assauer am Ende seines Lebens nahezu mittellos war. „Laut seinen Steuerunterlagen hatte Assauer im Jahr 2010 noch ein Vermögen von rund 2,3 Millionen Euro, bei seinem Tod im Jahr 2019 war davon fast nichts mehr übrig", sagte „Zeit"-Redakteur Stefan Willeke der WAZ. Er berichtete von „dubiosen Verträgen über den Verkauf von Assauers Immobilien", in denen teils kein Konto angegeben worden sei.

Die Generalvollmacht hatte Assauer 2012 seiner Sekretärin und einem befreundeten Schönheitschirurgen erteilt. Beide regelten bis zu seinem Tod seine finanziellen Angelegenheiten. Der Mediziner war ursprünglich einer von vier Beschuldigten, er ist inzwischen verstorben. Im Sommer 2018 sollen rund 264.000 Euro auf ein Konto der Bevollmächtigten geflossen sein. Als Assauer im Februar 2019 starb, verzeichnete eine Vermögensaufstellung seiner Tochter noch 15.000 Euro Bargeld, Firmenanteile im Wert von 25.000 Euro, einen Anzug, einen Mantel, eine Pfeife, ein defektes Brillengestell, eine Rolex, einige Möbel und einen zehn Jahre alten Opel Meriva.

Zunächst ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen Untreue, am Ende erhob sie Anklage wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs. Oberstaatsanwalt Leif Seeger, Sprecher der Behörde, hatte im April den Abschluss des Verfahrens angekündigt und auf den erheblichen Arbeitsaufwand bei der Auswertung mehrjähriger Ermittlungsergebnisse hingewiesen. Ob der Beschluss das endgültige Ende des Verfahrens bedeutet, ist offen: Die Staatsanwaltschaft kann gegen die Nichteröffnung sofortige Beschwerde beim Oberlandesgericht Hamm einlegen.

Assauers Vermächtnis über den Sport hinaus

Rudi Assauer war Manager des FC Schalke 04 von 1981 bis 1986 und erneut von 1993 bis 2006. Mit Zigarre und Durchsetzungsvermögen prägte er die Bundesliga über Jahrzehnte und führte den einstigen Skandalverein in die Champions League. Sein Name ist auch mit den Tränen nach der verpassten Meisterschaft 2001 verbunden – als Schalke zum „Meister der Herzen" wurde – sowie mit dem DFB-Pokal, der ihm 2002 aus der Hand fiel.

Assauer starb am 6. Februar 2019 in seiner Heimatstadt Herten und wurde anonym im Schlosswald zwischen Herten und Gelsenkirchen beigesetzt. Seit April dieses Jahres erinnern Granitplatten mit seinem Foto auf dem Friedhof Schalke Fan-Feld an den Manager – auf dem Ehrenplatz mit der Nummer 04. Um sein Erbe hatten die Hinterbliebenen jahrelang gestritten.

(mit dpa)

Source: Google News DE — Crime (de)

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