Anschläge auf Umspannwerke: Polizei verstärkt Schutz bundesweit
Nach zwei koordinierten Sabotageakten auf Umspannwerke in Brandenburg und NRW rücken Hundertschaften aus. Betreiber setzen auf Drohnen und private Sicherheitsdienste.

Bundesweite Sicherheitskontrollen nach Sabotage am Stromnetz
Nach zwei Anschlägen auf Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen haben Polizeibehörden und Netzbetreiber bundesweit ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Wie BILD berichtet, rückten am Mittwochnachmittag Hundertschaften aus, um Anlagen zu kontrollieren und mögliche Schwachstellen zu identifizieren.
Am Stadtrand von Dortmund war die Polizei mit zahlreichen Beamten an einem Umspannwerk des Übertragungsnetzbetreibers Amprion präsent. Im Hamburger Umland, etwa in Wedel (Schleswig-Holstein), durchsuchten Einsatzkräfte Wälder und Felder, während Hubschrauber und Drohnen die Umgebung aus der Luft absicherten.
Hamburgs Polizeisprecher Christian Schreiber bestätigte gegenüber BILD: „Im Rahmen unserer kontinuierlichen Vorsorge und im Lichte aktueller Ereignisse führen wir eine Überprüfung relevanter Einrichtungen durch." Konkrete Hinweise auf eine bevorstehende Gefährdung lägen nicht vor. Nach BILD-Informationen wurden parallel dazu private Sicherheitsunternehmen bei mehreren Umspannwerken eingesetzt; regelmäßige Drohnenüberflüge sollen Sabotage frühzeitig erkennen.
Raketen lösten Kurzschluss aus
Am Dienstag hatten Unbekannte an gleich zwei Standorten zugeschlagen. Zunächst versuchten Täter nahe dem Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg, mit einem Angriff auf ein Umspannwerk einen großflächigen Stromausfall auszulösen. Wenige Stunden später ereignete sich ein ähnlicher Vorfall in Bergheim bei Köln: Die Täter schossen nach Angaben der Ermittler vermutlich mit Pyrotechnik-Raketen einen Draht über eine Hochspannungsleitung und verursachten so einen Kurzschluss. In der Folge wurden fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke von RWE abgeschaltet. Zu einem größeren Stromausfall kam es dennoch nicht.
Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt wegen verfassungsfeindlicher Sabotage. Die lebenswichtige Versorgung der Bevölkerung sei dabei bedroht gewesen.
Generalbundesanwalt könnte Ermittlungen übernehmen
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann erklärte, die Anzeichen verdichteten sich, dass beide Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf die deutsche Energieversorgung seien. „Es ist folgerichtig, dass der Generalbundesanwalt prüft, die Ermittlungen an sich zu ziehen", sagte Redmann und forderte verbesserten Schutz kritischer Infrastruktur.
Im RBB-Inforadio sprach er sich dafür aus, Betreibern künftig erweiterte Befugnisse einzuräumen — darunter Drohnenabwehr und intelligente Videoüberwachung. Derzeit stützt sich der Schutz der Anlagen vor allem auf technische Vorkehrungen, Risikoanalysen, Notfall- und Wiederanlaufpläne sowie die Meldepflicht bei Sicherheitsvorfällen.
Source: BILD