Falsche Missbrauchsvorwürfe: Paar saß 684 Tage unschuldig in Haft

Eine 32-Jährige aus Salzgitter widerrief vor dem Amtsgericht Braunschweig ihre Aussagen, die ein Paar für fast zwei Jahre zu Unrecht ins Gefängnis brachten.

Falsche Missbrauchsvorwürfe: Paar saß 684 Tage unschuldig in Haft

Geständnis vor Gericht: Frau erfand Missbrauchsvorwürfe gegen Mutter und Stiefvater

Eine 32-jährige Frau aus Salzgitter hat vor dem Amtsgericht Braunschweig eingeräumt, ein Paar durch erfundene Missbrauchsvorwürfe 684 Tage lang unschuldig ins Gefängnis gebracht zu haben. Wie WELT berichtet, ließ die Angeklagte durch ihren Anwalt erklären, dass die von ihr geschilderten massiven sexuellen Übergriffe nie stattgefunden hätten. „Was ich über sie gesagt habe, war falsch", sagte sie direkt zu den beiden zu Unrecht Verurteilten, die als Nebenkläger im Saal saßen.

Der Fall ist bundesweit als Missbrauchskomplex um Josephine R. bekannt geworden. Zunächst war die Angeklagte selbst wegen eines falschen Geständnisses zu angeblichem Missbrauch und Gewalttaten an ihrer Ex-Freundin Josephine R. zu sechs Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt worden. Zur Begründung gab sie an, damals emotional abhängig gewesen zu sein. „Sie war mein Mittelpunkt. Ich hatte Angst, verlassen zu werden, und wollte alles tun, um ihr zu helfen", sagte sie dem Schöffengericht. Nach vier Jahren Haft wurde sie freigelassen.

Nach Abschluss dieses ersten Verfahrens rückten schwere Missbrauchsvorwürfe von Josephine R. gegen ihre eigene Mutter und deren Partner in den Fokus. Im folgenden Prozess wurde die Mutter zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 13,5 Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt; der Stiefvater erhielt neun Jahre und sechs Monate.

Fast ein Jahr nach diesem zweiten Urteil hob der Bundesgerichtshof den Schuldspruch auf. Starke Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeuginnen wurden damit auch öffentlich sichtbar. Beide Elternteile sind mittlerweile rechtskräftig freigesprochen. Die 32-Jährige räumte am Montag vor Gericht ein, gewusst zu haben, dass ihre Aussagen für andere Menschen existenzielle Folgen haben könnten.

Source: WELT

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