Gefängnisausbruch in Duisburg: Häftling sägt Gitterstab durch und klettert übers Dach

Ein 35-jähriger Serbe entkam am Sonntagmorgen aus der JVA Duisburg-Hamborn – per Säge, Hebel und Fassadenkletterei. Die Polizei fahndete noch bis zum Nachmittag.

Gefängnisausbruch in Duisburg: Häftling sägt Gitterstab durch und klettert übers Dach

Häftling flieht aus JVA Duisburg-Hamborn mit durchgesägtem Gitterstab

Gitterstab durchgesägt, Fenstervergitterung aufgehebelt, Fassade erklommen: In den frühen Morgenstunden des Sonntags ist einem 35-jährigen Untersuchungsgefangenen aus der JVA Duisburg-Hamborn ein spektakulärer Ausbruch gelungen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, befand sich die Zelle des Mannes im dritten Stock – das Dach, über das er floh, liegt eine Etage höher.

Bis zum späten Nachmittag fehlte von dem Flüchtigen jede Spur, wie ein Sprecher der Duisburger Polizei bestätigte. Am Nachmittag veröffentlichten die Behörden einen Fahndungsaufruf. Der Mann ist demnach 1,75 Meter groß und schlank. Am rechten Oberarm trägt er eine auffällige Tätowierung – den Kopf einer Frau. Er soll sich in der Vergangenheit mehrfach mit teils falschen Personalien ausgewiesen haben.

Einbrüche, Haft und mehr als 200.000 Euro gestohlenes Bargeld

Der serbische Staatsbürger saß seit dem 10. Februar wegen Diebstahlsvorwürfen in Untersuchungshaft. Ende Mai wurde er wegen zwei Wohnungseinbrüchen mit hohem Schaden zu sechs Jahren Haft verurteilt – ein Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist. Bei seinen Einbrüchen soll er neben wertvollem Schmuck auch mehr als 200.000 Euro Bargeld gestohlen haben.

Versteck im Boden, Tisch als Hebel

Nach dem Ausbruch stellte sich heraus, dass der Häftling in seiner Zelle ein Versteck im Boden angelegt hatte – möglicherweise zur Aufbewahrung von Werkzeug. „Ein raffiniertes Versteck", sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Der Hohlraum unter dem Linoleumboden nahe einer Zellenwand sei bei Zellenkontrollen offenbar nicht aufgefallen; Werkzeug wurde darin jedoch nicht gefunden.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann den Gitterstab vor dem Fenster zur Innenseite des Hofs über einen längeren Zeitraum durchgesägt hatte. Anschließend setzte er den Zellentisch als Hebel ein, um die Feinvergitterung aufzudrücken. Dann zwängte er sich durch den schmalen Spalt, kletterte an der Fassade auf der Innenseite bis zum Dach – und auf der Außenseite auf unbekannte Weise wieder herunter. Die Anstalt liegt mitten in der Stadt und verfügt außen über keine zusätzliche Mauer.

Justizminister Limbach unter Druck

Der Ausbruch setzt NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Bündnis 90/Die Grünen) politisch unter Druck. Limbach steht ohnehin in der Kritik, unter anderem wegen Korruptionsvorwürfen gegen JVA-Bedienstete, über die er zu spät informiert haben soll.

„Ein Gitterstab verschwindet nicht von allein. Justizminister Limbach muss erklären, wie der Mann an das nötige Werkzeug gelangen konnte", erklärte die SPD-Landtagsfraktion. Die SPD-Abgeordnete Sonja Bongers bezweifelte, dass Limbach noch in der Lage sei, Sicherheitsmängel im NRW-Strafvollzug rechtzeitig zu beheben.

Der Minister reagierte rasch: Er informierte bereits am Sonntagmorgen aus eigener Initiative über den Vorfall und entsandte umgehend einen Sicherheitsexperten seines Ministeriums in die Anstalt. „Wir werden lückenlos aufklären, wie diese Sicherheitslücke entstehen konnte, um aus den Ergebnissen umgehend die notwendigen Konsequenzen zu ziehen", sagte Limbach.

Klassische Ausbrüche in NRW seit Jahren selten

Tatsächlich gelten Ausbrüche aus geschlossenen Gefängnissen in Nordrhein-Westfalen als äußerst selten. Laut Justizministerium kam es zuletzt Mitte Juni des Vorjahres in der JVA Bielefeld-Senne zu einem vergleichbaren Vorfall – damals überwand ein Häftling ein knapp drei Meter hohes Rolltor und anschließend eine Mauer. Behördlich wurde dieser Fall jedoch nicht als Ausbruch, sondern als „Entweichung" aus dem offenen Vollzug eingestuft.

Solche Entweichungen oder verspätete Rückkehren aus Ausgang oder Freigang kommen laut Justizsprecher regelmäßig vor – 2024 wurden 174 derartige Fälle registriert. Einen klassischen Ausbruch habe es dabei nicht gegeben. „Wir haben grundsätzlich einen sehr ausbruchsicheren Strafvollzug, wie man an den Zahlen sieht", sagte der Sprecher.

Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung

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