Mord an Amy Lopez 1994 in Koblenz: 81-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt

Ein 81-jähriger Mann wurde vom Landgericht Koblenz wegen des Mordes an der 24-jährigen US-Studentin Amy Lopez verurteilt. Die Tat geschah 1994 – eine Hautschuppe brachte den Durchbruch.

Mord an Amy Lopez 1994 in Koblenz: 81-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt

Landgericht Koblenz spricht Urteil nach 30 Jahren: Lebenslange Haft für Mörder von Amy Lopez

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Tod der amerikanischen Medizinstudentin Amy Lopez hat das Landgericht Koblenz ein Urteil gesprochen. Wie Google News AT — Crime (de) berichtet, wurde ein heute 81-jähriger Mann wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Vorsitzende Richter Rupert Stehlin stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest.

Die Kammer folgte damit der einstimmigen Einschätzung von Staatsanwaltschaft und Nebenklagevertretern. Die Verteidigung hatte zwar ebenfalls eine lebenslange Strafe beantragt, die besondere Schwere der Schuld jedoch verneint. Der Angeklagte hatte die Tat bereits zum Prozessauftakt – der am 18. August begonnen hatte – über seinen Verteidiger pauschal eingestanden.

Europareise als Geschenk, Tod in Koblenz

Amy Lopez, 24 Jahre alt und frisch gebackene Medizinstudentin aus den USA, erhielt von ihrem Vater Robert Rimbau eine Europareise als Abschlussgeschenk. Am Morgen des 26. September 1994 war sie auf dem Weg zur Festung Ehrenbreitstein und der dortigen Jugendherberge. Sie wanderte den Felsenweg entlang. Um 08:50 Uhr wurde sie zuletzt lebend gesehen. Rund eine Stunde später, gegen 10:15 Uhr, fanden spielende Kinder ihre Leiche im abgelegenen General-von-Aster-Zimmer. Laut Polizei wurde Lopez vergewaltigt und brutal ermordet.

Nach Deutschland hatte sie ihren Bruder in Barcelona besuchen wollen. Wenige Stunden vor ihrem Tod hatte sie noch mit ihrem Vater telefoniert — die Reise hatte sie, so Rimbau, sehr genossen.

Drei Jahrzehnte ohne Ergebnis, dann der entscheidende Hinweis

Die Ermittlungen verliefen jahrelang ohne Ergebnis. Mögliche Tatverdächtige wurden zwar geprüft, der Verdacht erhärtete sich jedoch in keinem Fall. Laut Ex-Chefermittler Harald Süßenbach, der gegenüber der Rhein-Zeitung berichtete, schaltete sich sogar das FBI ein — ohne Erfolg.

2024 startete die Polizei Koblenz einen neuen Anlauf: Zeugenaufruf, Belohnungsauslobung und ein Beitrag in der Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst. Die Ermittler veröffentlichten ein Täterprofil, wonach der Mann zur Tatzeit zwischen 18 und 35 Jahre alt war, kein persönliches Verhältnis zum Opfer hatte und wahrscheinlich bereits Gewalt- und Sexualdelikte begangen hatte.

Der entscheidende Durchbruch kam über DNA: An Asservaten waren männliche DNA-Spuren gesichert worden. Das Hessische Landeskriminalamt teilte mit, dass diese DNA bereits 1999 in eine polizeiliche Datenbank gelangt war — damals war der Mann wegen einer versuchten Vergewaltigung einer 16-Jährigen in Koblenz verurteilt worden. Modernere Analysemethoden hätten zwar mehr aus den Spuren herausholen können, die ursprüngliche DNA-Probe war jedoch wegen gesetzlicher Fristen bereits vernichtet worden.

Erst eine freiwillige DNA-Abgabe des 81-Jährigen im Jahr 2026 führte zum Ermittlungserfolg. Konkret war es eine Hautschuppe, die die Zuordnung ermöglichte. Im Februar 2026 wurde der Mann festgenommen — er lebte zu diesem Zeitpunkt in einem Seniorenheim, wie die Rhein-Zeitung berichtete.

Staatsanwaltschaft sah drei Mordmerkmale

Im Mai 2026 erhob die Staatsanwaltschaft Koblenz Anklage und legte den mutmaßlichen Tatablauf dar. Die Anklagebehörde sah drei Mordmerkmale erfüllt: Befriedigung des Geschlechtstriebs, Heimtücke und niedrige Beweggründe.

Demnach hegte der Täter bereits in den Tagen vor der Tat Vergewaltigungsfantasien und war mit dem Fahrrad in Koblenz unterwegs, um nach Opfern Ausschau zu halten. Er führte ein Messer sowie Handschellen mit sich.

Am Tattag soll er gegen 09:00 Uhr an einer Bushaltestelle auf Lopez aufmerksam geworden sein. Die Ermittler gehen davon aus, dass der damals 49-Jährige sie auf dem Felsenweg ansprach und unter falschen Angaben in das abseits gelegene General-von-Aster-Zimmer lockte, wo er über das arg- und wehrlose Opfer herfiel. Er soll sie gefesselt, entkleidet und sexuell missbraucht haben, bevor er sie mit mehreren Messerstichen tötete. Im Tatverlauf soll er zudem mit einem Stein auf sie eingeschlagen und sie gewürgt haben. Anschließend floh er laut Anklage mit dem Fahrrad und entsorgte die Tatwaffe, die Handschellen sowie weitere Gegenstände des Opfers im Rhein.

Oberstaatsanwalt Mario Mannweiler teilte mit, der Beschuldigte habe die Tat zwar eingestanden, könne sich an den genauen Ablauf jedoch nicht erinnern. Die DNA-Spuren an einem Stein, am Hosenbund sowie an einem Oberschenkel des Opfers stimmen in vielen Merkmalen mit der DNA des Verurteilten überein. Das Gericht sieht es in seinem Urteil als erwiesen an, dass der Mann Lopez gefesselt, sexuell missbraucht und mit neun Messerstichen getötet hat.

Vater identifizierte seine Tochter am Tatort

Für die Familie von Amy Lopez war der Tod eine jahrzehntelange offene Wunde. Ihr Vater Robert Rimbau beschrieb im Oktober 2025 gegenüber der Rhein-Zeitung, wie ihn der Verlust seiner Tochter tief getroffen habe. Amy habe Ärztin werden wollen und sei eine fröhliche, weltoffene Frau gewesen. Die gesamte Familie war nach Koblenz gereist und hatte den Tatort besucht. Rimbau identifizierte seine Tochter persönlich.

„Als ich meine tote Tochter gesehen habe, war ich unglaublich zornig", sagte der Mann aus Texas. „Ich wünschte, ich könnte ihrem Mörder vergeben. Aber ich kann es nicht."

Mit dem nun gefällten Urteil erhalten die Angehörigen zumindest die Möglichkeit, einen Abschluss zu finden.

Source: Google News AT — Crime (de)

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