Mordprozess um Fabian (8): Angeklagte Gina H. äussert sich erstmals zu Tatvorwürfen
Im Mordprozess am Landgericht Rostock hat die 30-jährige Gina H. am Montag erstmals zum Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow Stellung genommen.

Gina H. äussert sich zu Blutspuren, Alibi-Absprache und Leichenentdeckung
Am Landgericht Rostock hat die 30-jährige Gina H. am Montag erstmals öffentlich zu den gegen sie erhobenen Mordvorwürfen Stellung genommen. Wie 20 Minuten berichtet, soll sie im Oktober 2025 den achtjährigen Fabian getötet haben – den Sohn ihres damaligen Ex-Partners Matthias R.
Am Ende ihrer Aussage sagte die Angeklagte: «Hätte ich ihn ermordet, hätte ich mit Sicherheit das Gefühl gehabt, mein eigenes Kind zu töten.»
Blut auf der Küchenrolle und das gereinigte Auto
In Gina H.s Auto wurde Blut des Achtjährigen auf einer Küchenrolle sichergestellt. Die Beschuldigte erklärte diesen Fund mit einem Vorfall vom 12. August 2025: Fabian habe sich beim Baden an einem See «leicht am Fuss geschnitten», woraufhin sie «die winzige Wunde» mit dem Stück Küchenpapier abgetupft habe.
Das Auto habe sie am Tattag gereinigt, weil ein Bekannter sie schon länger damit aufgezogen habe, «dass es hierfür wieder einmal höchste Zeit wäre». Reinigungsflüssigkeiten seien dabei nicht zum Einsatz gekommen.
Eine Google-Suche mit der Frage «Fressen Wildschweine tote Menschen?» erklärte Gina H. mit einem Gespräch mit demselben Bekannten, in dem sie Besorgnis um Fabian geäussert habe.
Gegenseitiges Alibi und die Nacht am Tümpel
Gina H. räumte ein, sie und ihr Nachbar Olaf K. hätten sich gegenseitig ein Alibi gegeben. Warum, liess sie offen. Vor dieser Absprache soll sie Olaf K. zur Leiche Fabians geführt haben.
Den Tag des Verschwindens beschreibt die Angeklagte so: Sie sei mit ihrem Hund in einen Wald bei Klein Upahl gefahren, um nach einem Streit mit Matthias R. «bei einem längeren Spaziergang» nachdenken zu können. Ihr Handy habe sie ausgeschaltet, um nicht abgelenkt zu werden. Dass sie auf dem Rückweg an dem Tümpel vorbeigekommen sein könnte, an dem Fabians Leiche später gefunden wurde, habe sie «bestimmt nicht registriert».
Drei Tage nach Fabians Verschwinden fuhr Gina H. nach eigenen Angaben mit ihrem Bekannten Christian D. nach Klein Upahl, angeblich zum «Tierebeobachten». Da es im Internet Spekulationen über den Aufenthaltsort Fabians gegeben habe, hätten die beiden gleichzeitig dort nach dem Kind suchen wollen. Christian D. habe «einfach von sich aus» am Tümpel angehalten – nicht sie habe diese Idee gehabt. Ausgerüstet mit Nachtsichtgerät und Wärmebildkamera habe Christian D. plötzlich erklärt, er sehe etwas, das wie eine verbrannte Puppe aussehe.
«Ich war mir bereits in diesem Moment sicher, dass wir Fabian gefunden haben. Ich weiss ganz sicher, dass ich gesagt habe, dass wir jetzt die Polizei anrufen müssen. Er bat mich inständig, das nicht zu tun. Und ich hatte das Gefühl, dass dieser grosse und starke Mann gleich weinen würde», sagte Gina H. vor Gericht.
Beziehung zu Fabian und zur Familie
Zum Tatzeitpunkt lebten Gina H. und Matthias R. getrennt. Nach dem Tod Fabians näherten sich die beiden wieder an und sind inzwischen wieder ein Paar. Gina H. erklärte, sie kennen sich seit der Schulzeit; Fabian sei wöchentlich bei ihnen gewesen.
In der Beziehung habe es wiederholt Streit und Handgreiflichkeiten gegeben. «Das war der Anlass, dass Fabian den Respekt vor seinem Vater verlor», sagte die Angeklagte. Die Trennung im August 2025 sei «überraschend» gewesen.
Zu Fabian beschrieb sie das Verhältnis als eng. Jeder könne bestätigen, dass sie «ein sehr gutes Verhältnis zueinander hatten». Sie habe ihn stets wie ihren eigenen Sohn behandelt. «Ich hatte das Gefühl, dass er sich oft einsam fühlte und sein Handy sein bester Freund war. Er wog halt mehr als viele seiner anderen Mitschüler und war auch nicht so umgänglich.»
Eine Nachbarin hatte als Zeugin ausgesagt, Gina H. habe ihre Pferde stets höher gewichtet als die Kinder. Die Angeklagte wies das zurück: «Das stimmt nicht und das verletzt mich auch. Man kann beides nicht direkt miteinander vergleichen.» Für ihren leiblichen Sohn empfinde sie «eine viel intensivere Liebe als für meine Pferde».
Schwierige Kindheit und familiäres Umfeld
Vor Gericht schilderte Gina H. auch ihre Herkunft. Ihre Grossmutter habe erzählt, die Mutter habe sie nicht geliebt und sich lieber um ihre «zahlreichen Männer» gekümmert. Die Mutter soll zudem drogenabhängig gewesen sein; im Dorf habe sich stattdessen das Gerücht verbreitet, sie sei an Krebs erkrankt.
Das Verhältnis zu ihrer Schwester bezeichnete die Angeklagte als schwierig. Die Schwester habe ihr «die wenigen Freunde, die ich hatte», ausgespannt. Möglicherweise sei sie auf die Schwester neidisch gewesen, weil diese «gut in der Schule war, Freunde hatte und viel hübscher» gewesen sei.
Ihre Pferde beschrieb Gina H. als besonderen Rückhalt: «Pferde geben mir einen Trost, den ich bei keinem Menschen finde.» Ihre Stute Tiffy, ein Geschenk ihrer Grosseltern, sei «wie meine beste Freundin» gewesen – geduldig und ein Ort, an dem sie zur Ruhe kommen konnte.
Source: 20 Minuten