IS-Terrorprozess in Frankfurt: Zwei Kasseler am Flughafen verhaftet
Zwei in Kassel geborene Deutsche stehen vor dem Landgericht Frankfurt wegen geplanter IS-Anschläge. Sie wurden kurz vor dem Abflug festgenommen.

Angeklagter bereut Radikalisierung – Urteil im Oktober erwartet
Seit Dienstag müssen sich zwei in Kassel geborene deutsche Staatsbürger vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Wie BILD berichtet, wirft die Staatsanwaltschaft Frankfurt den Männern – Edis Z. (27) und Jiyan K. (19) – vor, die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat geplant zu haben. Sie sollen beabsichtigt haben, sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen und sich im Ausland an Waffen ausbilden zu lassen.
Laut Anklage hegten beide Männer seit Jahren eine ausgeprägte Sympathie für den IS. Edis Z. soll spätestens seit Januar 2023 geplant haben, als „Märtyrer der islamistischen Ideologie" zu sterben – entweder durch einen Sprengstoffgürtel oder mithilfe eines Fahrzeugs bei einem Selbstmordanschlag in Deutschland. Z. ist geschieden, hat eine vierjährige Tochter und war zuletzt unter anderem bei VW, bei der Müllabfuhr und bei Siemens beschäftigt. Jiyan K. ist nach islamischem Recht verheiratet.
Festnahmen direkt an den Abfluggates
Im Jahr 2025 soll Z. konkrete Ausreisepläne in die Tat umgesetzt haben. Er buchte einen Flug von Hannover nach Beirut, von wo aus er mit dem Taxi nach Damaskus weiterreisen wollte. Jiyan K. erwarb Flugtickets von Stuttgart nach Hatay in der Türkei; von dort sollte es weiter nach Idlib in Syrien gehen. Auch K.s Freundin soll in die Pläne eingeweiht gewesen sein und wird gesondert verfolgt.
Die Festnahmen erfolgten, bevor die Männer abheben konnten: Edis Z. wurde am Flughafen Hannover, Jiyan K. am Flughafen Stuttgart direkt an den Abfluggates verhaftet. Laut Staatsanwaltschaft waren sie monatelang observiert worden und sollen in dieser Zeit konkrete Anschlagspläne für Deutschland diskutiert haben. Beide sitzen derzeit in Untersuchungshaft – Z. in der JVA Frankfurt, K. in der JVA Wiesbaden.
„Ich war radikalisiert und frustriert"
Vor dem Vorsitzenden Richter Dr. Steinmetz legte Edis Z. am ersten Verhandlungstag ein Geständnis ab, das seine Motivation in ein anderes Licht rückt. Er habe nicht vor gehabt, nach Deutschland zurückzukehren: „Ich wollte ein besseres Leben." Nach der Trennung von seiner Frau habe er sich zunehmend radikalisiert: „Ich war damals sehr enthusiastisch, in meiner Blase gefangen. Heute schäme ich mich dafür."
Einen konkreten Anschlagsplan in Deutschland will Z. nach eigener Aussage nicht gehabt haben: „Ich hatte keinen konkreten Plan für einen Anschlag in Deutschland." Im Zuschauerraum verfolgte seine Mutter die Aussage sichtlich bewegt – sie wischte sich mehrfach Tränen aus den Augen. Z. wandte sich direkt an sie: „Ich habe meiner Familie und mir damit nur geschadet."
Abschließend äußerte er den Wunsch, dauerhaft in Deutschland zu bleiben und ein normales Leben zu führen: „Ich kann hier in Deutschland am besten meine Religion ausleben." Das Urteil in dem Verfahren soll im Oktober fallen.
Source: BILD