Razzia gegen verbotene Neonazi-Sekte „Artgemeinschaft" – 14 Objekte in fünf Bundesländern durchsucht
Drei Jahre nach dem Verbot der rechtsextremen „Artgemeinschaft" durchsuchte die Polizei 14 Objekte in fünf Bundesländern. Es gab keine Festnahmen.

Polizei durchsucht Anwesen mutmaßlicher Anhänger der verbotenen Neonazi-Sekte
Drei Jahre nach dem Verbot der rechtsextremen Sekte „Artgemeinschaft" hat der Staat erneut zugeschlagen. Seit den frühen Morgenstunden durchsuchen Polizei und Staatsschützer 14 Objekte in Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Die Durchsuchungen richten sich gegen mutmaßliche Anhänger und Sympathisanten der verbotenen Organisation. Festnahmen gab es keine, Beamte sicherten jedoch Beweismittel.
Ausgelöst wurde die Razzia nach BILD-Informationen durch ein Ermittlungsverfahren des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, im Juni an einer Sommersonnenwendfeier in Sachsen-Anhalt teilgenommen zu haben. In NRW durchsuchte die Polizei ein Objekt in Lippstadt, in Niedersachsen eines in der Gemeinde Jameln. In Berlin waren Objekte in Zehlendorf und Schöneberg betroffen.
Der „Spiegel" berichtete zuvor über die Aktion und zudem darüber, dass eines der durchsuchten Objekte in Sachsen-Anhalt das Anwesen des AfD-Landtagskandidaten Simon Lansmann in Gardelegen-Ipse sein soll. Dort soll im Juni die Sonnenwendfeier stattgefunden haben, bei der mehrere Personen aus dem Umfeld der Sekte anwesend gewesen sein sollen.
Die „Artgemeinschaft" wurde 1951 vom Alt-Nazi Wilhelm Kusserow gegründet und war seit 1957 als eingetragener Verein mit Sitz in Berlin aktiv. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung handelt es sich um „eine sektenähnliche, religiös-völkische, anti-christliche und rechtsextreme Organisation". Die Gruppe sah sich als Bewahrer einer nordisch-germanischen Rasse, die anderen Menschen überlegen sei, und forderte etwa eine „gleichgeartete Gattenwahl" als „Gewähr für gleichgeartete Kinder".
Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen beschrieb kurz vor dem Verbot 2023, dass die Gruppe „unmittelbar an die Rassenlehre des Dritten Reiches" anknüpfe und ein „neuheidnisches Weltanschauungsgebilde" als Vehikel nutze, um „rechtsextremistisches Gedankengut gesellschaftspolitisch zu verbreiten". Trotz des Verbots scheint die Sekte weiter aktiv zu sein.
Source: BILD