Mordprozess Fabian in Rostock: Angeklagte Gina H. bestreitet Tat und attackiert Zeugen
Gina H. hat sich erstmals vor dem Landgericht Rostock zur Anklage geäußert und den Mord am sechsjährigen Fabian bestritten. Sie warf einem Nachbarn vor, sie „vernichten" zu wollen.

Angeklagte bestreitet Mord an Fabian und stellt Zeugen infrage
Erstmals hat sich die Angeklagte Gina H. vor dem Landgericht Rostock im Mordprozess um den Tod des kleinen Fabian aus Güstrow zu Wort gemeldet. Wie Google News CH — Crime (de) berichtet, bestritt die 30-Jährige am Montag in einer rund vierstündigen Einlassung jede Beteiligung an dem Verbrechen und versuchte gleichzeitig, zentrale Belastungszeugen unglaubwürdig erscheinen zu lassen.
Fabian verschwand am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, den Jungen gelockt und an einem Tümpel bei Klein Upahl erstochen zu haben. Später soll sie zurückgekehrt sein, um den Leichnam anzuzünden. Vier Tage nach dem Verschwinden wurde das tote Kind gefunden — von Gina H. selbst. Anfang November wurde sie verhaftet.
Fabian war der Sohn ihres damaligen Ex-Freundes, der sich im August 2025 von ihr getrennt hatte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Gina H. geglaubt habe, der Junge stehe ihrer Absicht im Weg, die Beziehung wieder aufnehmen zu können. Die Ermittler gehen davon aus, dass Fabian zwischen 11 und 15 Uhr entführt und ermordet wurde.
Alibi und Gegendarstellung
Gina H. schilderte den Ablauf des Tattages detailliert. Demnach sei morgens ein Hufschmied auf ihrem Grundstück in Reimershagen (Landkreis Rostock) gewesen. Danach habe sie eine Bank in Güstrow aufgesucht, sei anschließend in einem Wald südlich von Klein Upahl spazieren gegangen und gegen 13 Uhr zu einem Treffen mit einem Bekannten am Bolzsee gefahren. Diese Version hatte sie bereits im bisherigen Prozessverlauf vorgebracht.
Den Vorwurf, sie habe Fabian aus dem Weg schaffen wollen, wies sie zurück. Der Junge habe nie zwischen ihr und seinem Vater gestanden — sie habe gewusst, den Vater nur „im Doppelpack" mit seinem Sohn bekommen zu können. Am Ende ihrer Einlassung sagte sie: „Hätte ich ihn ermordet, hätte ich bestimmt das Gefühl gehabt, mein eigenes Kind zu ermorden." Gina H. hat selbst einen Sohn.
Schwere Vorwürfe gegen Nachbarn
Besonders scharf griff Gina H. einen Nachbarn aus Reimershagen an, mit dem sie nach eigenen Angaben seit mehreren Jahren vertrauensvollen Kontakt gepflegt hatte. Sie warf ihm vor, sie „vernichten" zu wollen. Der Hintergrund, den sie nannte: Der Mann habe eine Beziehung mit ihr gewollt und sich Hoffnungen gemacht, nachdem sich Fabians Vater von ihr getrennt habe. Als er gemerkt habe, dass sie trotzdem an der alten Beziehung festhalten wollte, habe er begonnen, ihr zu schaden.
Mit diesem Nachbarn war Gina H. in der Nacht vor der offiziellen Fundmeldung bereits am Tümpel gewesen. Am nächsten Morgen teilte sie der Polizei mit, sie habe Fabian zufällig beim Spaziergang entdeckt, weil ihr Hund zum Tümpel gelaufen sei.
Der Nachbar hatte ursprünglich das für den Tattag abgesprochene Alibi mitgetragen — dieses später jedoch weder bei der Polizei noch vor Gericht aufrechterhalten. Gina H. warf ihm nun vor, im Zeugenstand gelogen zu haben. Sie bestritt unter anderem, ihm Schuhe vom Tattag zur Aufbewahrung übergeben zu haben. Auch habe sie in seinem Schuppen nie ein Messer wahrgenommen, das er im Oktober der Polizei übergeben hatte, nachdem es ihm einige Zeit gefehlt hatte. Als Zeuge hatte er berichtet, es sei kurz nach seiner Bitte um Hilfe bei der Suche nach Fabian überraschend wieder aufgetaucht.
Denselben Vorwurf — nicht die Wahrheit gesagt zu haben — erhob Gina H. gegen einen zweiten Mann, mit dem sie ebenfalls vor der offiziellen Fundmeldung am Tümpel gewesen sei. Beide hätten sie außerdem bedrängt, nicht die Polizei zu holen.
Selbstdarstellung und Reaktionen im Saal
Gina H. bemühte sich in ihrer Einlassung auch, das öffentliche Bild von ihr zurechtzurücken. Sie beklagte den „Hass", der ihr in sozialen Medien entgegenschlage. Den Vorwurf, sie liebe ihre fünf Pferde mehr als ihren Sohn, wies sie als verletzend zurück: Ihre Liebe zu ihrem Kind sei bei Weitem intensiver. Die Pferde bezeichnete sie gleichwohl als ihre „Familie" mit „bedingungsloser Zuneigung" — einen Trost, den sie bei keinem Menschen gefunden habe.
Sie widersprach auch dem Eindruck, zahlreiche Beziehungen zu Männern geführt und diese manipuliert zu haben. Sie räumte allerdings ein, eifersüchtig zu sein und beim Partner absolute Treue zu verlangen; bei Kontakten zu anderen Frauen könne sie zum „Raubtier" werden. Gleichzeitig räumte sie ein, sich während ihrer Beziehung mit Fabians Vater von einem befreundeten Nachbarn anzügliche Nachrichten und Bilder schicken gelassen zu haben.
Die Verteidiger erklärten, die 95-seitige Aussage sei nach vielen Gesprächen mit ihrer Mandantin verfasst worden, ohne ihr etwas in den Mund zu legen. Rechtsanwalt Andreas Ohm urteilte, Gina H. sei „sehr ehrlich" gewesen.
Staatsanwaltschaft und Nebenklage widersprechen
Staatsanwalt Harald Nowack erklärte, vieles aus dem Vortrag der Angeklagten lasse sich nicht mit dem bisherigen Prozessverlauf in Einklang bringen. Christine Habetha, Anwältin von Fabians Mutter, die als Nebenklägerin am Prozess teilnimmt, sagte: „Gina H. suhlt sich in ihrer Opferrolle." Die lange Einlassung sei nicht geeignet, den Mordvorwurf zu entkräften. Es sei von vornherein absehbar gewesen, dass die Angeklagte die Belastungszeugen in Zweifel ziehen würde.
Für das Verfahren sind fünf weitere Verhandlungstage bis zum 10. September vorgesehen. Ob Gina H. darüber hinaus Fragen des Gerichts beantworten wird, ist nach Angaben ihrer Anwälte noch nicht entschieden.
Source: Google News CH — Crime (de)