Verdächtiges Ehepaar aus Rumänien nach Zwangs-Nierenspende in München freigelassen
Ein rumänisches Ehepaar, das einen Mann in München zur Nierenspende gezwungen haben soll, ist nach kurzer U-Haft wieder frei. Das mutmaßliche Opfer hat seine Aussage laut Staatsanwaltschaft abgeschwächt.

Verdächtige nach mutmaßlich erzwungener Nierenspende in München auf freiem Fuß
Ein rumänisches Ehepaar, das unter Verdacht steht, einen Landsmann in München zu einer Nierenspende gezwungen zu haben, ist nach seiner Auslieferung nach Deutschland wieder aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft München I.
„Aufgrund des sich mittlerweile darbietenden Ermittlungsstandes wurde der Beschuldigte aus der Untersuchungshaft entlassen. Dasselbe gilt für die beschuldigte Ehefrau", teilte Staatsanwaltschaftssprecherin Juliane Grotz mit. Ausschlaggebend war demnach ein Video, das die Bild-Zeitung vorgelegt hatte, in dem das mutmaßliche Opfer seine früheren Angaben erheblich abschwächte.
Die Ermittlungen laufen jedoch weiter. Bei der Abteilung für Organisierte Kriminalität ist laut Grotz ein Verfahren wegen des Verdachts des Menschenhandels zum Zweck der Organentnahme anhängig.
Drohung gegen Eltern in Rumänien
Die rumänische Antikorruptionsbehörde DIICOT in Bukarest hatte die Festnahmen auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls veranlasst. Nach DIICOT-Angaben sollen der beschuldigte Mann und seine Frau das Opfer erpresst haben: Ihm wurde gedroht, seine Eltern in Rumänien könnten getötet werden, falls er die Spende verweigere.
Das Opfer sei in einer Münchner Wohnung festgehalten worden. Die Nierenentnahme fand in einer deutschen Klinik statt, wobei das Opfer wahrheitswidrig angegeben haben soll, ein Neffe des Transplantationsempfängers zu sein. Der beschuldigte Mann selbst habe die Niere wegen eines schweren Nierenleidens benötigt.
Gruppe aus Timișoara
Beide Beschuldigte gelten DIICOT zufolge als „herausragende Mitglieder" einer „verbrecherischen Gruppe" im westrumänischen Timișoara. Bereits im März dieses Jahres hatten rumänische Ermittler dort Hausdurchsuchungen in mehreren Immobilien der Gruppe vorgenommen; zeitgleich fanden auch in München Durchsuchungen statt, wie die Staatsanwaltschaft München bestätigte.
In einem separaten Verfahren muss sich vor dem Landgericht München I der 40-jährige Vladimir F. wegen Drogenhandels im großen Stil verantworten. Hinter dem Angeklagten vermuten die Ermittler eine international tätige Organisation.
Source: Süddeutsche Zeitung