Windpark-Betrüger Hendrik Holt flüchtig – neue Betrugsanzeige über 3,1 Millionen Euro
Der verurteilte Windpark-Betrüger Hendrik Holt kehrte am 25. August nicht aus einem Gefängnisausgang zurück. Die Staatsanwaltschaft geht von Flucht aus – womöglich nach Russland.

Verurteilter Windpark-Betrüger Holt nach Gefängnisausgang untergetaucht
Der verurteilte Windpark-Hochstapler Hendrik Holt (36) ist flüchtig. Laut BILD kehrte er am 25. August 2026 nicht aus einem genehmigten Ausgang in die Berliner Justizvollzugsanstalt des offenen Vollzuges zurück. Staatsanwalt Martin Schanz bestätigte gegenüber BILD: „Mittlerweile liegen Tatsachen vor, aufgrund derer von einer Flucht auszugehen ist." Die erforderlichen Fahndungsmaßnahmen seien eingeleitet.
Nach BILD-Informationen ist Holt mutmaßlich gemeinsam mit seiner Ehefrau, einem Kind und einem Kleinkind auf der Flucht – offiziell bestätigt ist das bislang nicht. Kurz nachdem die Fahndung öffentlich wurde, meldete er sich auf seinem Instagram-Account mit Videos zu Wort, die angeblich aus Moskau stammen sollen. Dazu schrieb er: „Liebesgrüsse aus Moskau – sehr schön hier, der Kaviar ist fantastisch." Auf eine BILD-Anfrage antwortete er: „Erstmal bleibe ich in Moskau. Besuchen Sie mich gerne vor Ort für einen Dreh." Ob er tatsächlich in Russland ist oder die Behörden bewusst in die Irre führen will, blieb unklar.
Parallel liegt bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück eine neue Strafanzeige wegen Betrugs gegen Holt vor. Es geht um 3,1 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Kauf des Flughafens Rostock-Laage – einem Geschäft, das Holt laut Recherchen der WELT noch aus dem offenen Vollzug heraus begleitet haben soll. Im Juli 2025 soll er bei einem Treffen von Käufer- und Verkäuferseite in Berlin aufgetaucht sein und den Eindruck vermittelt haben, wirtschaftlich eine wichtige Rolle hinter den Kulissen zu spielen. Der Vorwurf: Vom vereinbarten Kaufpreis von 3,1 Millionen Euro soll nur ein Bruchteil geflossen sein. Holt bestreitet jede Beteiligung.
Noch im Mai hatte Holt gegenüber BILD einen Neustart angekündigt. Der Mann, der einst mit Bentley, Maßanzug und Chauffeur den erfolgreichen Unternehmer mimte, erklärte: „Ich bin jetzt frei, ich habe meine Schuld abgesessen und will neu anfangen." Über sein Netzwerk sagte er: „Das ist schon Power. Das ist jetzt nicht irgendwie so der kleine Holt da alleine." Und weiter: „Wir starten nicht neu. Im Grunde sind wir wieder da."
Das Landgericht Osnabrück hatte Holt 2022 wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Seine Methode: erfundene Windparkprojekte, gefälschte Pachtverträge und gefälschte Unterschriften. Am 17. April 2020 hatten Ermittler ihn im Berliner Nobelhotel Adlon festgenommen.
Das Insolvenzverfahren gegen ihn läuft weiterhin. Gläubiger fordern laut Insolvenzverwalter Dr. Malte Köster mehr als 40 Millionen Euro. Holt selbst sah das in einem früheren BILD-Interview anders: „Ich habe gar keinen Schaden gemacht."
Source: BILD