CEO-Betrug in Chur: Lehrling entgeht 1000-Franken-Abzocke knapp

Cyberkriminelle gaben sich per E-Mail als Chefin eines Churer Personalvermittlers aus und verlangten von einem 16-jährigen Lehrling den Kauf von Apple-Geschenkkarten im Wert von 1000 Franken.

CEO-Betrug in Chur: Lehrling entgeht 1000-Franken-Abzocke knapp

Gefälschte Chef-Mail zielt auf Churer Lehrling

Cyberkriminelle haben einen 16-jährigen Lehrling in Chur fast um 1000 Franken betrogen – indem sie sich per E-Mail als seine Vorgesetzte ausgaben. Blick berichtet über den Fall von Nathalie von Arx (39), Inhaberin des Personalvermittlers Prime International Jobs, und ihrem Lehrling Linus S.*, der die Masche in letzter Sekunde erkannte.

S. hatte seine kaufmännische Ausbildung erst wenige Wochen zuvor begonnen, als er eines Morgens eine E-Mail erhielt. Der Absender schien von Arx zu sein. Der Ton war beiläufig: «Hi Linus. Wie geht es dir? Ich habe eine vertrauliche Bitte und brauche deine Hilfe», stand darin – und der Hinweis, die Chefin sei gerade in einer Besprechung und könne nur per Mail antworten.

S. wusste, dass von Arx tatsächlich in einem Meeting war, und antwortete arglos. Daraufhin wurde die eigentliche Forderung deutlich: Er solle in verschiedenen Läden Apple-Geschenkkarten im Gesamtwert von 1000 Franken kaufen, die PIN-Codes freirubbeln und Fotos davon zusammen mit den Belegen zurückschicken. Als Begründung wurde eine Überraschung für besonders fleissige Mitarbeitende genannt.

Als S. Rückfragen stellte und ein Telefongespräch verlangte, wurde der Ton schroffer. Er solle die Karten «jetzt sofort» besorgen; falls 1000 Franken zu viel seien, solle er kaufen, was er sich leisten könne. S. rief von Arx trotzdem an – und deckte den Betrug damit auf. Als Absenderin stellte sich eine verschleierte russische E-Mail-Adresse heraus.

«Mein Name wurde missbraucht, um meinen Lehrling abzuzocken», sagte von Arx. S. schilderte gegenüber Blick seinen Eindruck: «Die Nachricht wirkte täuschend echt, überrumpelte mich und setzte mich unter Druck.» Den Schock, einem Betrug haarscharf entgangen zu sein, habe er erst einige Tage später richtig überwunden. «Ich möchte andere Lernende warnen, damit sie noch vorsichtiger sind.»

Behörde warnt vor gezielten Angriffen auf Berufseinsteiger

Das Bundesamt für Cybersicherheit (Bacs) bezeichnet diese Methode als «CEO-Betrug» und stellt fest, dass Lernende, Praktikanten und neue Mitarbeitende dabei besonders häufig ins Visier geraten. Laut einer Sprecherin der Behörde sind diese Personen für Betrüger besonders attraktiv: «Sie sind neu im Unternehmen, kennen interne Abläufe und Ansprechpersonen noch nicht gut, wollen einen guten Eindruck hinterlassen und hinterfragen ungewöhnliche Anweisungen deshalb seltener.»

An die nötigen Namen gelangen die Täter ohne technisches Hacking-Wissen. Plattformen wie LinkedIn, auf denen Unternehmen neue Mitarbeitende willkommen heissen oder Angestellte ihren Jobwechsel selbst melden, liefern die Informationen frei Haus. Auch Firmenwebsites mit Mitarbeiterporträts – wie jene von von Arx – dienen als Quelle.

Das Bacs rät nicht grundsätzlich davon ab, solche Angaben zu veröffentlichen, betont aber: «Wichtig ist, sich bewusst zu sein, dass jede öffentliche Information für Betrüger ein Baustein für spätere Angriffe sein kann.» Künstliche Intelligenz erleichtere es Angreifern zusätzlich, öffentliche Daten automatisiert auszuwerten und damit rasch personalisierte, glaubwürdig wirkende Nachrichten zu erstellen. «Angriffe werden zunehmend personalisierter», prognostiziert das Bacs.

Klare Prozesse als Schutz

Die Behörde empfiehlt Unternehmen, neue Mitarbeitende, Lernende und Praktikanten gezielt auf Betrugsversuche hinzuweisen. Zudem sollten verbindliche interne Regeln festlegen, unter welchen Bedingungen Zahlungen angewiesen oder Informationen weitergegeben werden dürfen – beispielsweise, dass Zahlungsanweisungen grundsätzlich nicht per E-Mail erfolgen.

Mitarbeitenden empfiehlt das Bacs, bei ungewöhnlichen oder dringlichen Anfragen stets über einen unabhängigen, bekannten Kanal nachzuhaken. Genau das tat Linus S.: Er griff zum Telefon – und verhinderte damit den Schaden.

*Name der Redaktion bekannt.

Source: Blick

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