Senioren im Visier: Wie Betrüger in der Schweiz Millionen stehlen

Kriminelle ergaunern täglich Millionen von Franken – vor allem von älteren Menschen. Experten warnen: Einmal überwiesen, ist das Geld so gut wie verloren.

Senioren im Visier: Wie Betrüger in der Schweiz Millionen stehlen

Gezielte Isolation und Millionenschäden: Betrug an Senioren in der Schweiz

Täglich fallen Menschen in der Schweiz auf Betrugsmaschen herein – ob gefälschte Investmentversprechen, Money-Mule-Konzepte oder Schockanrufe. Die Opfer sind häufig ältere Menschen, die über Jahrzehnte ein Vermögen aufgebaut haben. Wie Blick berichtet, stehlen kriminelle Banden dabei Millionen von Franken, die kaum je zurückgeholt werden können.

Das Muster ist laut Experten stets ähnlich: Zuerst erschleichen sich die Betrüger das Vertrauen ihrer Opfer, dann bauen sie gezielt Druck auf – bis fünf- oder sechsstellige Beträge auf Konten im Ausland überwiesen werden.

Banken auf schmalem Grat

Martin Frei, stellvertretender Bankenombudsmann, erklärt gegenüber Blick: «Es gibt wirklich tragische Fälle, in denen Existenzen vernichtet werden und Menschen anschliessend möglicherweise auf Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen angewiesen sind.» Aufklärungsarbeit durch Medien, Banken und Seniorenverbände gehöre zwingend zur Prävention, so Frei.

Banken setzen zwar auf interne und automatisierte Alarmsysteme. Doch dabei bewegen sie sich auf einem schmalen Grat zwischen Schutz und Bevormundung. «Wir erhalten auch Beschwerden von Kunden, bei denen eine Zahlung wegen einer solchen Abklärung nicht sofort ausgeführt wurde», sagt Frei. «Diese fühlen sich bevormundet, wenn die Bank nachfragt, wofür sie ihr Geld verwenden wollen.»

Er betont: «Grundsätzlich müssen Kundinnen und Kunden als mündige Menschen behandelt werden.» Ältere Menschen dürften nicht pauschal unter Generalverdacht gestellt werden.

Kontovollmacht als Schutzinstrument

Thomas Ammann, Sprecher der Postfinance, nennt gegenüber Blick eine weitere Massnahme: «Für ältere Menschen empfehlen wir teilweise, eine Kontovollmacht für ihre Kinder oder andere Angehörige einzurichten. Dies würde es Postfinance erlauben, bei einem Betrugsverdacht alle Bevollmächtigten zu kontaktieren.»

Doch nicht alle Senioren haben enge Verwandte in ihrer Nähe. Einsamkeit ist laut Frei ein entscheidender Risikofaktor: «Menschen, die in ihrem Umfeld niemanden haben, bei dem sie sich rückversichern können, sind besonders betroffen. Die Betrüger versuchen sogar gezielt, ihre Opfer von ihrem Umfeld zu isolieren.»

Minuten entscheiden – nicht Stunden

Ist das Geld einmal überwiesen, bleibt kaum Zeit zum Handeln. Frei: «Entscheidend sind eher Minuten als Stunden. Das Geld wird extrem schnell weiter transferiert – über Krypto oder andere Wege.» Ammann ergänzt: «Wichtig ist in jedem Fall, sich schnellstmöglich mit der eigenen Bank in Verbindung zu setzen.»

Methoden passen sich laufend an

Warum greift die Prävention trotz aller Bemühungen nicht dauerhaft? Frei vergleicht das Phänomen mit der Hydra aus der Mythologie: «Schlägt man ihr den Kopf ab, wachsen zwei neue nach. Die Methoden werden laufend angepasst. Sobald eine bestimmte Betrugsmasche bekannt ist und nicht mehr so gut funktioniert, entwickeln die Betrüger neue Varianten.»

Source: Blick

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