Crans-Montana: Barbetreiber Moretti wegen häuslicher Gewalt verhaftet
Jacques Moretti, Hauptbeschuldigter im Brandfall von Crans-Montana, sitzt erneut in Untersuchungshaft – diesmal wegen häuslicher Gewalt gegen seine Ehefrau.

Moretti erneut in Haft – häusliche Gewalt gegen Ehefrau
Jacques Moretti, Barbetreiber aus Crans-Montana und Hauptbeschuldigter im Strafverfahren zur Brandkatastrophe vom Jahreswechsel, sitzt wieder in Untersuchungshaft. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf den Schweizer Fernsehsender „Léman Bleu" berichtet, wurde der 50-jährige Franzose in der Nacht zum 12. August in seinem Haus im Wallis wegen häuslicher Gewalt festgenommen.
Moretti wird verdächtigt, seine Ehefrau Jessica Moretti geschlagen zu haben. Sie musste anschließend im Krankenhaus behandelt werden. Die neuerliche Verhaftung steht in keinem direkten Zusammenhang mit dem Brand in seiner Bar „Constellation" in der Silvesternacht, bei dem 41 überwiegend junge Menschen ums Leben kamen und mehr als 100 weitere verletzt wurden.
Jessica Moretti hatte die Bar gemeinsam mit ihrem Mann betrieben und in jener Nacht dort gearbeitet. Das Flammeninferno überstand sie unverletzt. Sie gehört zu den 16 Beschuldigten, gegen die unter anderem wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Brandstiftung und schwerer Körperverletzung ermittelt wird.
Die Anwälte des Ehepaars betonten in einer Stellungnahme, dass die jüngsten Vorfälle Gegenstand eines gesonderten Verfahrens seien, das ausschließlich das Privatleben ihrer Mandanten betreffe. Eine Verwechslung mit der Tragödie im „Constellation" dürfe nicht stattfinden. Gleichwohl räumten sie ein: „Sie stehen jedoch in einem Kontext, der nicht außer Acht gelassen werden kann: einer besonders schweren Prüfung, der sich die Morettis seit dem 1. Januar gemeinsam zu stellen versucht haben."
Der verhängnisvolle Brand selbst ist durch Videos, Fotos und Augenzeugenberichte gut dokumentiert. Funkensprühfontänen an Champagnerflaschen lösten das Feuer aus. Eine Kellnerin, die zwei Flaschen in den Händen hielt und dabei auf den Schultern eines Kollegen saß, bemerkte nicht, dass die Funken die Decke erreichten. Der dort angebrachte Akustikdämmstoff fing sofort Feuer.
Bei dem Material handelte es sich offenbar um billigen Schaumstoff. Das kantonale Brandschutzgesetz schreibt vor, dass Baustoffe an Decken und Wänden öffentlich zugänglicher Räume wie Bars, Restaurants oder Konzertsäle nicht brennbar oder höchstens schwer entflammbar sein dürfen.
Im Ermittlungsverfahren spielt der Schaumstoff eine zentrale Rolle. Moretti verstrickte sich dabei in Widersprüche: Zunächst behauptete er, das Material in einer örtlichen Hornbach-Filiale erworben zu haben, wo ein Mitarbeiter ihm die Eignung für eine kommerzielle Kellerbar bestätigt haben soll. Allerdings führte Hornbach diesen Dämmstoff zur fraglichen Zeit nicht im Sortiment. Später legte Moretti eine Rechnung eines deutschen Anbieters vor – die sich als Fälschung herausstellte. Anfang Juni gestand Jessica Moretti in einem Verhör, die Quittung gefälscht zu haben. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen das Ehepaar zusätzlich wegen Urkundenfälschung.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung