Eisenerzhändler Radiant fordert 800 Mio. Dollar von Glencore zurück

Der wegen Betrugs verdächtigte Händler Radiant World macht Glencore für Verluste von 1,4 Mrd. Dollar verantwortlich. Glencore weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Eisenerzhändler Radiant fordert 800 Mio. Dollar von Glencore zurück

Klage gegen Glencore: Radiant World macht Zuger Rohstoffriesen für Milliardenverluste verantwortlich

Der in Singapur ansässige Eisenerzhändler Radiant World, der selbst des Betrugs verdächtigt wird, hat den Rohstoffkonzern Glencore ins Visier genommen. Wie die NZZ berichtet, fordert das von dem 45-jährigen Inder Pinkesh Nahar geführte Unternehmen mehr als 800 Millionen Dollar vom Zuger Konzern zurück. Radiant macht Glencore für Gesamtverluste von 1,4 Milliarden Dollar verantwortlich.

In einem Schreiben an Glencore wirft Radiant dem Zuger Händler vor, substanzielle finanzielle und nichtfinanzielle Verpflichtungen eingegangen zu sein und sich anschliessend davon distanziert zu haben. Genau diese Distanzierung habe dem Eisenerzhändler die massiven Verluste eingetragen, behauptet Radiant. Die Londoner «Financial Times» hatte als erstes über das Schreiben berichtet.

Vorwürfe gegen Radiant: gefälschte Dokumente und Zahlen

Der Fall begann vor einigen Wochen mit schwerwiegenden Anschuldigungen gegen Radiant World selbst. Das Handelshaus, das Büros in Singapur, Dubai und an der Rue du Rhône in Genf unterhält, soll Geschäftspartnern weltweit gefälschte Unterlagen und Zahlen präsentiert haben, um zusätzliche Finanzierungen zu erlangen. Mehr als ein Dutzend Banken, darunter mehrere Schweizer Institute, arbeiteten mit dem umstrittenen Unternehmen zusammen, wie die NZZ berichtete.

Radiant bezeichnet die Vorwürfe, es habe Sicherheiten gefälscht, als unbegründet. Das Unternehmen erfülle die höchsten rechtlichen Anforderungen und verfüge über ausreichendes Kapital und Liquidität, erklärte es Ende Juli in einer Medienmitteilung. Eine E-Mail-Anfrage der NZZ liess das Unternehmen am Samstag unbeantwortet.

Glencore stellt Geschäfte ein und nimmt Rückstellung vor

Nachdem Zweifel an den Angaben des Eisenerzhändlers aufkamen, stellten mehrere Finanzinstitute und Handelspartner ihre Geschäftsbeziehungen mit Radiant ein — darunter auch Glencore. Das Schreiben von Radiant, das Glencore für seine Probleme verantwortlich macht, beschreibt laut der «Financial Times» ausführlich die angeblichen Geschäftspraktiken beider Unternehmen. Unter anderem soll Glencore Radiant bei Personalgeschäften und bei der Kapitalbeschaffung beraten haben.

Glencore weist die Anschuldigungen entschieden zurück. «Die Behauptungen sind haltlos, und Glencore wird sich entschieden dagegen wehren», teilte der Konzern mit. Es sei Glencore selbst, das durch Radiant Verluste erlitten habe. Entsprechende Schritte würden eingeleitet, erklärte der Zuger Konzern.

Dem Vernehmen nach machten Glencores Rohwarengeschäfte mit Radiant stets weniger als ein Zehntel des Glencore-Geschäftsvolumens im Bereich Eisenerz aus. Das Nettoengagement des Schweizer Unternehmens soll eine Milliarde Dollar nie überstiegen haben. Dennoch bildete Glencore in den vergangenen Wochen eine Rückstellung. Das Engagement fiel unter die Schwelle von 500 Millionen Dollar, ab der eine börsennotierte Firma zur Offenlegung verpflichtet wäre.

Behörden in den USA und Singapur schalten sich ein

Eisenerz gehört neben Erdöl zu den meistgehandelten Rohstoffen weltweit. Radiant World stieg binnen zweier Jahrzehnte zu einem der grössten internationalen Händler in diesem Segment auf. Glencore ist ebenfalls im Eisenerzhandel tätig und soll mit Radiant umfangreiche Geschäfte abgewickelt haben.

Laut Medienberichten haben sich inzwischen sowohl in den USA als auch in Singapur Straf- und Ermittlungsbehörden in den Fall eingeschaltet. Ob das amerikanische Justizministerium bereits Kontakt mit Glencore aufgenommen hat, wollte der Schweizer Rohstoffhändler gegenüber der NZZ nicht kommentieren.

Source: NZZ

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