Fünf Traktordiebstähle und Geisterfahrt: 37-Jähriger vor Gericht in Mels
Ein 37-jähriger Mann steht in Mels wegen fünf Traktordiebstählen, einer Geisterfahrt auf der A3 und weiterer Delikte vor dem Kreisgericht. Die Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Freiheitsstrafe.

Traktordieb vor Gericht: Geisterfahrt, Polizeikollision und «viel Scheissdreck»
Vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland in Mels ist am Mittwoch ein 37-jähriger Mann wegen einer Serie von Traktordiebstählen und weiterer schwerer Delikte angeklagt worden. Wie Google News CH — Crime (de) berichtet, umfasst die 24-seitige Anklageschrift fünf Traktor-Entwendungen, zwei Diebstahlversuche, eine Geisterfahrt auf der Autobahn A3 sowie versuchte schwere Körperverletzung.
Der Angeklagte befindet sich seit gut einem Jahr im vorzeitigen Strafvollzug in der Strafanstalt Saxerriet. Vor Gericht zeigte er sich wortkarg, aber reuig: «Ich habe viel Scheissdreck gemacht», sagte er.
Immer dasselbe Muster
Die Taten ereigneten sich hauptsächlich im Sarganserland, in Wartau und im Linthgebiet. Der Mann suchte landwirtschaftliche Betriebe auf und entwendete Traktoren — ohne grossen Aufwand, weil die Schlüssel stets griffbereit lagen: im Zündschloss, auf der Sonnenblende, im Aschenbecher, auf dem Armaturenbrett oder im Getränkehalter. Zum Zeitpunkt der Fahrten hatte er nach eigenen Angaben stets erhebliche Mengen Alkohol konsumiert, in der Regel vier bis neun Dosen Bier, gelegentlich auch Wein. Einen Führerausweis für landwirtschaftliche Fahrzeuge besitzt er schon lange nicht mehr.
Mit den gestohlenen Fahrzeugen fuhr er meistens zu seinem Wohnort. Dabei richtete er wiederholt Schäden an: Er fuhr Zäune um, rammte Hausmauern und lenkte Ende Mai 2025 bei Berschis einen entwendeten Traktor in ein Bachbett.
Geisterfahrt auf der A3
Besonders gefährlich wurde es in einer Julinacht 2025. Der Angeklagte fuhr mit einem in Grabs gestohlenen Traktor auf die Autobahn A3 auf Glarner Kantonsgebiet, wendete dort und fuhr als Geisterfahrer bis zur Raststätte Glarnerland. Eine Polizeipatrouille bemerkte die unsichere Fahrweise und versuchte, den Lenker anzuhalten. Statt zu stoppen, überholte der Traktor das Polizeifahrzeug. Die Beamten überholten ihrerseits den Traktor und setzten gemäss Handbuch zunehmend Warnsignale ein.
Es nützte nichts: Der Traktor — ausgerüstet mit Frontlader und Anhänger — rammte das Polizeifahrzeug mit rund 40 Kilometern pro Stunde von hinten und schob es ins Wiesland. Beide Polizisten erlitten je ein Schleudertrauma sowie weitere Verletzungen. Der Fahrer setzte seine Fahrt fort, kollidierte noch mit weiteren Hindernissen und übernachtete schliesslich im Freien — offenbar im Bewusstsein, etwas Gravierendes angerichtet zu haben.
Zuvor, Anfang Mai 2025, war er bei Niederurnen auf der A3 bereits einmal als Geisterfahrer unterwegs gewesen. Der Richter zeigte in der Verhandlung Videos dieses Vorfalls. «Ja, ich habe Schwein gehabt, dass nicht mehr passiert ist», räumte der Angeklagte ein.
«Das Hirn abgeschaltet»
In der Befragung durch den Vorsitzenden blieb der Angeklagte einsilbig. Seine Vorgehensweise beschrieb er so: Er sei herumgelaufen, habe getrunken, «einen Siech gehabt», das Hirn abgeschaltet — «mir war dann alles scheissegleich» —, und habe dann die Traktoren entwendet. Es sei wie eine Sucht gewesen.
Ein psychiatrisches Gutachten attestiert dem Mann eine Alkoholabhängigkeitserkrankung sowie eine unreife Persönlichkeitsstörung. Der Gutachter verglich das Leben des 37-Jährigen mit einer «eher kümmerlich ausgestatteten Theaterbühne» und bezeichnete Alkohol als «das Kerosin für die strafrechtliche Problematik» des Mannes. Beim Angeklagten scheine wenig zu wirken ausser Druck; ob eine stationäre Massnahme langfristig Erfolg verspreche, liess der Psychiater offen. Nötig sei für den Mann «ein sehr enges Korsett».
Die Delikte beschränkten sich nicht auf Traktoren. Die Anklageschrift listet ausserdem Bargelddiebstähle sowie die Entwendung von Glocken und Schellen mitsamt Riemen auf — Taten, die im Sarganserland, in Werdenberg und im Linthgebiet begangen wurden.
Verteidigung plädiert für ambulante Therapie
Die Pflichtverteidigerin forderte in mehreren Punkten Freisprüche. Im Fall der Kollision mit dem Polizeifahrzeug sah sie keine Absicht, die Beamten zu verletzen: Ihr Mandant sei vom «gefährlichen Manöver» der Polizisten erschrocken, die ihm den Weg abgeschnitten hätten. Sie sprach sich für eine ambulante Therapie im Rahmen des Strafvollzugs in der Strafanstalt Saxerriet aus — dort fühle sich der Mann wohl. Es ist nicht sein erster Aufenthalt dort. Sein Leben sei über viele Jahre hinweg von deliktischen Tätigkeiten geprägt gewesen.
«Es tut mir wirklich leid, was ich euch angetan habe», sagte der Angeklagte in seinem Schlusswort.
Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Freiheitsstrafe
Die Staatsanwaltschaft verlangt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren — unter Abzug einer auf Bewährung ausgesetzten Vorstrafe von 144 Tagen, zwölf Tagen Untersuchungshaft und dem bisherigen vorzeitigen Strafvollzug von über einem Jahr. Das Gericht muss nun sowohl das angemessene Strafmass als auch geeignete Therapiemassnahmen festlegen. Die Taten sind bis auf einen Diebstahl unbestritten. Ein Urteil wurde am Verhandlungstag noch nicht gesprochen.
Source: Google News CH — Crime (de)