Prozess in Lausanne: Fünf Angeklagte nach Sturz von Eiskunstläuferin Sevastianova

Sechs Jahre nach dem Sturz von Olga Sevastianova bei einer Probe in Lausanne stehen fünf Männer vor Gericht – darunter ihr eigener Ehemann.

Prozess in Lausanne: Fünf Angeklagte nach Sturz von Eiskunstläuferin Sevastianova

Sturz bei Olympia-Probe: Ehemann und Techniker vor Lausanner Gericht

Sechs Jahre nach dem schweren Unfall der russischen Eiskunstläuferin Olga Sevastianova steht in Lausanne ein Prozess wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung an. Wie 20 Minuten berichtet, gehören fünf Männer zu den Angeklagten – darunter Sevastianovas eigener Ehemann Sergii Sevastianov.

Am 7. Januar 2020 sollte die Artistin bei einer Probe in der heutigen Vaudoise Aréna mithilfe einer Seilwinde in die Höhe gezogen werden – im Rahmen der Vorbereitungen für die Olympischen Jugendspiele. Das Gerät war jedoch ohne zwei notwendige Führungsrollen an der Decke montiert worden. Im Seil bildeten sich Schlaufen, die sich abrupt lösten. Die heftigen Bewegungen brachten Sevastianova aus dem Gleichgewicht; sie stürzte rund vier Meter in die Tiefe und wurde lebensgefährlich verletzt.

Im Mittelpunkt des Verfahrens steht die Frage nach der Verantwortung für die fehlerhafte Installation. Sergii Sevastianov betonte am Montag vor Gericht mehrfach, lediglich als Assistent tätig gewesen zu sein. Dabei hatte er die Seilwinde nach eigenen Angaben bei rund 200 Shows bedient und kannte das Gerät seit Jahren. Auf die Frage, ob er die Bedienungsanleitung gelesen habe, antwortete er: «Nein, ich war nur der Assistent.» Auch die beiden Rollen, die in der Transportkiste liegen geblieben waren, hätten ihn nicht zum Eingreifen bewogen – er habe dem technischen Team vertraut.

Vollständig unbesorgt war Sevastianov nach eigener Aussage allerdings nicht. Er half mit, den Motor mit Gurten zu befestigen. «Das kam mir seltsam vor», räumte er ein. Dennoch habe er den Anweisungen der Techniker Folge geleistet; bei der Vorbereitung der grossen Show habe alles schnell gehen müssen.

Neben Sevastianov müssen sich vier Verantwortliche oder Mitarbeiter des zuständigen Veranstaltungstechnik-Unternehmens vor Gericht verantworten. Der Firmenchef erklärte, bei mitgebrachtem Material gelte eine klare Aufgabenteilung: Seine Firma sei für das Aufhängen des Geräts zuständig gewesen, die Inbetriebnahme liege bei den Künstlern selbst – das sei in der Branche üblich. Auf die Frage des Gerichts, weshalb Techniker eine ihnen unbekannte Maschine montiert hätten, ohne die Bedienungsanleitung anzufordern, blieb er eine konkrete Antwort schuldig.

«Wir hatten es mit 600 Künstlern zu tun. Ich kann mich nicht um alle kümmern», sagte er. Sechs Jahre danach lasse sich nicht mehr genau feststellen, an welcher Stelle etwas schiefgelaufen sei.

Der Prozess dauert voraussichtlich bis Donnerstag.

Source: 20 Minuten

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