Kindesmissbrauch in Kita bei Lausanne: Mitarbeiter verhaftet, Hinweise ignoriert

Ein Kita-Mitarbeiter in Saint-Sulpice wurde nach Anzeige der Eltern wegen mutmasslichem sexuellem Missbrauch eines Zweijährigen verhaftet. Die Kita-Leitung soll Warnungen zuvor ignoriert haben.

Kita-Mitarbeiter in Saint-Sulpice nach Missbrauchsvorwürfen verhaftet

Ein mutmasslicher Missbrauchsfall erschüttert die Gemeinde Saint-Sulpice, rund zehn Autominuten westlich von Lausanne. Wie «24 Heures» und 20 Minuten berichten, soll ein Cafeteria-Mitarbeiter einer Kindertagesstätte sich an einem kleinen Buben vergangen haben – während die Kita-Leitung wiederholte Hinweise der Eltern ignoriert haben soll.

Im Oktober 2025 erzählte der damals zweijährige Bub seinen Eltern, ein Erwachsener habe ihn auf den Mund geküsst und ihm über den Kopf gestrichen. Der betreffende Mitarbeiter arbeitete in der Cafeteria der Einrichtung und verfügte offenbar über keine spezielle Ausbildung in frühkindlicher Pädagogik – eine solche ist kantonal nicht zwingend vorgeschrieben. Die Eltern suchten daraufhin das Gespräch mit der Kita-Leitung, doch diese «schien den Worten unseres kleinen Jungen nicht zu glauben», sagte die Mutter gegenüber «24 Heures».

Im Juni 2026 äusserte sich der Bub erneut gegenüber seiner Mutter. Er schilderte, der Mann habe sein Geschlechtsteil berührt und er habe dessen Penis gesehen. Die Eltern erstatteten am 7. Juli Anzeige bei der Kantonspolizei Waadt. Bereits am folgenden Morgen nahmen Ermittler den Mann fest.

Bei der Einvernahme räumte der Mitarbeiter ein, durch ein Video mit kinderpornografischem Inhalt sexuell erregt worden zu sein. Die Justiz stufte die mutmasslichen Taten als «sehr schwerwiegend und verstörend» ein. Der Beschuldigte befindet sich seither in Untersuchungshaft. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Dem Fall war ein Hinweis aus den USA vorausgegangen. Das National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) hatte bereits 2024 verdächtige Online-Aktivitäten des Mannes entdeckt und die Schweizer Bundespolizei alarmiert. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Waadt stellte das Verfahren jedoch im März 2025 ein – unter anderem mit der Begründung, es handle sich um eine erste Anzeige und der Mitarbeiter sei sich «vermutlich nicht bewusst, dass er rechtswidrig handelt».

Der Fall reiht sich in ein breiteres Muster ein: In der Westschweiz wurden zwischen 2020 und 2025 insgesamt 22 Fälle von sexuellem Missbrauch in Kitas registriert. Eine Recherche von 20 Minuten zeigte, dass Missbrauchsfälle viele Eltern in der Schweiz verunsichern. Manche verschieben den Kita-Eintritt ihrer Kinder, andere meiden Betreuungsangebote mit männlichen Gruppenleitern.

Der Kita-Verband kibesuisse fordert sorgfältigere Anstellungs- und Kontrollverfahren. «Die Kitas sind bereits heute stark für das Thema Missbrauch sensibilisiert», sagte kibesuisse-Co-Präsidentin Franziska Roth gegenüber 20 Minuten. Dennoch sei man «noch nicht am Ziel». Trotz des Fachkräftemangels müssten «alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um mit sorgfältigen Anstellungs- und Kontrollverfahren solche Fälle einzudämmen», so Roth. Der Verband stehe dazu im Austausch mit Politik und Behörden.

Source: 20 Minuten

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