Schüsse an Rave in Aarau: 22-Jährige getötet, sechs weitere verletzt
Bei der «Aarau Rave VOL. 7» auf der Pferderennbahn im Schachen wurden in der Nacht auf Sonntag mehrere Schüsse abgefeuert. Eine Italienerin starb, fünf weitere Personen wurden verletzt.

Todesschüsse an Aarauer Rave – Fahndung läuft landesweit
Eine 22-jährige Frau ist in der Nacht auf Sonntag bei einem Schusswaffenangriff auf eine Rave-Veranstaltung in Aarau getötet worden. Weitere sechs Personen wurden verletzt, teils schwer. SRF berichtete, dass die Täterschaft nach wie vor flüchtig ist und landesweit gesucht wird.
Die Opfer
Die Getötete war eine in der Schweiz wohnhafte Italienerin. Sie erlag noch vor Ort ihren Verletzungen. Unter den Verletzten befinden sich eine deutsche Staatsangehörige sowie vier männliche Schweizer im Alter von 24 bis 31 Jahren, die mit leichten bis schweren Verletzungen in Spitäler transportiert wurden. Laut aktuellem Stand der Kantonspolizei Aargau schwebt niemand in Lebensgefahr. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um Zufallsopfer handelt.
Für Angehörige und Augenzeugen hat die Kantonspolizei eine Informations-Linie eingerichtet: 062 835 62 62.
Diplomatische Reaktionen aus Italien
Aussenminister Ignazio Cassis sprach seinem italienischen Amtskollegen Antonio Tajani telefonisch sein Beileid aus und sicherte Italien Unterstützung bei den Ermittlungen zu. Tajani dankte für die Solidaritätsbekundung. Der italienische Krisenstab betreue bereits die Familie des Opfers, teilte das italienische Aussenministerium mit. Zudem sollen Vertreter der italienischen Botschaft in Bern sowie ein Verbindungsbeamter der Staatspolizei direkt an den Tatort reisen, um die Ermittlungen zu begleiten.
Am späteren Nachmittag des Sonntags sprach auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni den Angehörigen der Getöteten ihr Mitgefühl aus. Ihre Gedanken seien bei den Verletzten und allen in das Geschehen verwickelten Menschen, sagte Meloni laut Angaben ihres Büros. Die Entwicklungen verfolge sie über eine Task Force des italienischen Aussenministeriums.
Die Täterschaft – noch unbekannt
Die Kantonspolizei Aargau fahndet mit einer landesweiten Grossfahndung nach den Verantwortlichen. An den Ermittlungen sind neben Schweizer Behörden auch Ermittler aus dem nahen Ausland beteiligt. Derzeit gibt es keine Hinweise, ob eine oder mehrere Personen geschossen haben. Die Polizei geht jedoch davon aus, dass sich die Täterschaft nicht mehr in Aarau aufhält.
Drei Hypothesen zum Motiv
Das Motiv und die genauen Umstände der Tat sind unklar. Kantonspolizei-Kommandant Michael Leupold nannte am Sonntagabend drei Hypothesen: einen Terroranschlag, einen Amoklauf oder eine kriminelle Abrechnung im Milieu.
Geschossen worden sei an zwei verschiedenen Orten auf dem Schachen-Gelände, sagte Leupold. Die Polizei geht von einer grösseren Anzahl abgefeuerter Schüsse aus. Gefunden wurden Patronenhülsen zweier verschiedener Kaliber – darunter Pistolenmunition sowie Hülsen einer Langwaffe, etwa eines Sturmgewehrs.
Der Ablauf der Tatnacht
Zum Zeitpunkt des Vorfalls fand auf dem Aarauer Schachen die «Aarau Rave VOL. 7» statt. Die Veranstaltenden hatten rund 2500 Personen erwartet. Die Party, ursprünglich von Samstagnachmittag bis 2 Uhr angesetzt, war zum Tatzeitpunkt bereits beendet. Nach Einschätzung der Behörden hielten sich zu diesem Zeitpunkt noch rund hundert Personen auf dem Gelände auf.
Ein Augenzeuge berichtete dem Aargauer Regionalfernsehsender M1, die Musik habe um 2:30 Uhr geendet. Die meisten Gäste hätten sich danach Richtung Ausgang bewegt. Innerhalb weniger Minuten seien dann Schüsse gefallen. «Zuerst hörte es sich nach Feuerwerk oder Böller an. Erst nachdem ein paar Leute sagten: ‹Duckt euch, es wird geschossen!›, realisierten ein paar Leute, was passierte, und versteckten sich hinter dem Kühlschrank der Bar.» Eine Frau habe am Boden gelegen, von einem Schuss getroffen, und sei noch vor Ort verstorben.
Nach den Schüssen wurden mehr als hundert Raverinnen und Raver von der Polizei in einer Turnhalle befragt.
Grossaufgebot von Einsatzkräften
Die Kantonspolizei alarmierte sofort alle verfügbaren Einheiten. Seit Sonntagnacht seien praktisch alle Aargauer Polizistinnen und Polizisten im Einsatz, so ein Sprecher. Weitere Kantone stellten ebenfalls Kräfte zur Verfügung. Aufgeboten wurden zudem das Kantonale Katastrophen-Einsatzelement (KKE) des Kantons Aargau sowie die Sondereinheit Argus. Ein Super-Puma-Helikopter der Armee war ebenfalls im Einsatz. Die deutsche Polizei beteiligt sich im Rahmen der regulären grenzüberschreitenden polizeilichen Zusammenarbeit an der Fahndung, bestätigte ein Sprecher der Polizei Freiburg (D) gegenüber der Nachrichtenagentur DPA.
Source: SRF