Telefonbetrug in der Schweiz: Falsche Polizisten-Anrufe um 75 Prozent gesunken

Bundesmaßnahmen gegen Spoofing zeigen Wirkung: Meldungen zu betrügerischen Anrufen sanken im Juli unter 100. KI macht Cyberangriffe laut Halbjahresbericht 2026 gefährlicher.

Telefonbetrug in der Schweiz: Falsche Polizisten-Anrufe um 75 Prozent gesunken

Bundesmaßnahmen gegen Spoofing greifen – Cyberkriminalität bleibt auf hohem Niveau

Betrügerische Anrufe von angeblichen Polizisten, Zollbeamten oder Bankmitarbeitern sind in der Schweiz im Juli um 75 Prozent eingebrochen. Das berichtet SRF auf Basis des Halbjahresberichts 2026 des Bundesamts für Cybersicherheit (Bacs). Vor der jüngsten Ausweitung der Gegenmassnahmen gingen beim Bacs monatlich über 400 Meldungen zu Telefonbetrug ein – im Juli waren es unter 100.

Seit Juli gilt die Kennzeichnungspflicht für Auslandsanrufe auch für mobile Telefonnummern. Telekomanbieter müssen gefälschte Schweizer Nummern als «unbekannt» oder «anonym» ausweisen, was Angerufene zu erhöhter Vorsicht veranlassen soll. Offenbar hat diese Massnahme gewirkt.

Dennoch stagniere die Zahl bösartiger Aktivitäten im digitalen Raum insgesamt auf hohem Niveau, teilt das Bacs mit. Betrug bleibe ein lukratives Massengeschäft, sagte Florian Schütz vom Bundesamt für Cybersicherheit.

Hackingangriffe dominieren Meldungen kritischer Infrastrukturen

Betreiber kritischer Infrastrukturen sind seit diesem Jahr verpflichtet, Cyberangriffe innerhalb von 24 Stunden dem Bacs zu melden. Im ersten Halbjahr 2026 gingen 200 solcher Meldungen ein. Bei rund einem Viertel davon handelte es sich um Hackingangriffe: Kriminelle verschaffen sich Zugang zu digitalen Systemen und nutzen geknackte E-Mail-Konten für Phishing und weitere Betrugsversuche. Gemeldet wurden ausserdem gestohlene Zugangsdaten, lahmgelegte Webseiten durch Überlastungsangriffe sowie Datenabflüsse und Erpressungsversuche mit Schadsoftware.

KI macht Betrugsmaschen persönlicher und schwerer erkennbar

Cyberbetrug beginne häufig auf Anzeigenplattformen oder nach Datenlecks, so das Bacs. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz gestalten Cyberkriminelle ihre Kontakte zu Opfern zunehmend persönlicher, emotionaler und technisch ausgefeilter.

Besonders im Visier: Stellensuchende. Im ersten Halbjahr 2026 nutzten Angreifer fingierte Bewerbungsprozesse, um Privatpersonen und Unternehmen zu täuschen. Personen in IT- und Managementpositionen wurden vermeintliche Traumjobs oder lukrative Investitionsmöglichkeiten versprochen. Mit manipulativen Methoden stahlen die angeblichen Headhunter Kryptogelder in Millionenhöhe.

Die Plattform antiphishing.ch des Bacs registrierte weit über 9000 Phishing-Meldungen. Dominant dabei ist Voice-Phishing: Kriminelle rufen an oder hinterlassen Sprachnachrichten, um sensible Daten oder Geld zu stehlen.

Polnische Energieunternehmen als Warnsignal für kritische Infrastrukturen

Ende 2025 wurden mehrere polnische Energie- und Industrieunternehmen durch koordinierte Cyberoperationen angegriffen. Die Angreifer nutzten dabei einfache Sicherheitslücken: fehlende Mehrfach-Authentifizierung, Standard-Passwörter oder wiederholt verwendete Kennwörter. Einige Angriffe konnten durch bestehende Sicherheitslösungen abgewehrt werden.

Das Bacs zieht daraus eine klare Schlussfolgerung: Es brauche keine hochentwickelten Angriffstechniken, um kritische Infrastrukturen zu gefährden. Starke Passwörter und mehrstufige Anmeldeverfahren (MFA) seien auch für Betreiber kritischer Anlagen zwingend notwendig.

Twint-Phishing und schädliche E-Mail-Anhänge auf dem Vormarsch

Ebenfalls deutlich zugenommen hat laut Bacs Twint-Phishing, etwa über Inserate auf Plattformen wie Ricardo oder Tutti. Für Unternehmen wächst zudem die Bedrohung durch schädliche E-Mail-Anhänge: Mitarbeitende erhalten Nachrichten mit gefährlichen Dokumenten oder Links, durch die Sicherheitsvorkehrungen ausgehebelt werden.

Source: SRF

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