Brandanschlag auf Rüstungsfirmen in München: Zwei Bulgaren festgenommen
In München wurden in der Nacht auf Donnerstag Brandsätze auf Rüstungsunternehmen geworfen. Zwei bulgarische Verdächtige wurden festgenommen, ein politisches Motiv wird geprüft.

Brandsätze auf Rüstungskonzerne in Berg am Laim – politisches Motiv nicht ausgeschlossen
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurden im Münchner Stadtteil Berg am Laim Brandsätze aus einem fahrenden Auto auf Gebäude geworfen, in denen mehrere Rüstungsunternehmen ansässig sind. Die Polizei nahm noch in der Tatnacht zwei bulgarische Staatsangehörige fest. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat die bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) gemeinsam mit dem Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) die Ermittlungen übernommen – mit der Begründung, dass „ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen werden kann".
Passanten alarmierten gegen Mitternacht die Polizei, nachdem sie beobachtet hatten, wie aus einem Auto in der Mühldorfstraße, hinter dem Ostbahnhof gelegen, mehrere Brandsätze geworfen wurden. Dort befinden sich unter anderem die Rüstungsfirmen Rohde & Schwarz sowie Helsing. Ob der Anschlag einem dieser Unternehmen oder beiden galt, lasse sich derzeit nicht mit Sicherheit sagen, heißt es aus informierten Kreisen.
Einer der Brandsätze zündete, ein weiterer wurde entschärft
Einem Brandsatz gelang es, ein Feuer zu entfachen, das eintreffende Beamte jedoch rasch löschen konnten. Ein weiterer Brandsatz zündete nicht und wurde später von Spezialisten des BLKA entschärft, wie ein Behördensprecher der Süddeutschen Zeitung bestätigte. Verletzt wurde niemand. Ob weitere Brandsätze gefunden wurden und um welche Art von Brandvorrichtungen es sich handelte, ist weiterhin unklar. SZ-Informationen zufolge soll es sich nicht um einfache Molotow-Cocktails gehandelt haben.
Im Rahmen einer sofort eingeleiteten Fahndung wurden die zwei Tatverdächtigen an einer nahegelegenen Esso-Tankstelle am Innsbrucker Ring festgenommen: eine 28-jährige Bulgarin und ihr zehn Jahre älterer Landsmann. Inwieweit die beiden mit dem Anschlag in Verbindung stehen, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Sie sollen einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, der über einen möglichen Haftbefehl entscheidet.
Herrmann spricht von politischem Hintergrund
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) äußerte sich noch vor der offiziellen Erklärung der Ermittlungsbehörden und sagte bei einem Termin in Nürnberg, es sei von einem „politischen Hintergrund dieser Straftaten" auszugehen. Mit Blick auf Anschläge auf Strom-Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, die sich erst am Dienstag ereignet hatten, verwies Herrmann auf ein „verstärktes Risiko von Anschlägen" auf kritische Infrastruktur und Rüstungsunternehmen in Deutschland. Einen konkreten Verdacht zu möglichen Drahtziehern nannten weder der Minister noch die Generalstaatsanwaltschaft München.
Laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks sollen die Brandsätze auf eine Baustelle vor der Firmenzentrale von Rohde & Schwarz geworfen worden sein. Die Behörden bestätigten dies jedoch nicht ausdrücklich. In ihrer gemeinsamen Pressemitteilung hieß es lediglich: „In dem besagten Gebäudekomplex befinden sich mehrere Rüstungsunternehmen." Der Hauptsitz von Helsing liegt schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite, weshalb auch dieses Unternehmen als mögliches Ziel nicht ausgeschlossen werden könne.
Unternehmen äußern sich zurückhaltend
Von Helsing war keine offizielle Stellungnahme zu erhalten. Eine Sprecherin von Rohde & Schwarz bestätigte lediglich, es sei „in der vergangenen Nacht zu einem Polizei- und Feuerwehreinsatz im Umfeld unseres Betriebsgeländes München" gekommen. Das Betriebsgelände selbst sei nicht betroffen gewesen. Darüber hinaus wolle sich der Konzern „zum aktuellen Zeitpunkt nicht öffentlich äußern".
Rohde & Schwarz entwickelt und produziert unter anderem Funk- und Fernmeldesysteme für Regierungs- und Sicherheitsbehörden sowie die Bundeswehr. Das 2021 gegründete Start-up Helsing ist vor allem in der Drohnenproduktion tätig.
Rüstungsbranche verstärkt im Visier
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine stehen deutsche Rüstungsunternehmen verstärkt im Fokus ausländischer Nachrichtendienste und militanter Akteure. Ende Juli hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) einen Sicherheitshinweis an betroffene Unternehmen versandt und vor Spionage- sowie Sabotagemaßnahmen in russischem Auftrag gewarnt. Kurz zuvor hatte es eine Drohnensichtung über dem Gelände des Waffenproduzenten KNDS in München-Allach gegeben; ein Mann aus Moldau wurde festgenommen unter dem Verdacht, sicherheitsrelevante Aufnahmen gemacht zu haben.
Rohde & Schwarz war bereits früher Ziel militanter Angreifer. Nach einem Anschlag auf das Stromnetz im Münchner Osten im Mai 2021 wurde der Konzern in einem Bekennerschreiben auf einer von Linksradikalen genutzten Plattform ausdrücklich als Ziel genannt. Die Echtheit des Schreibens wurde von den Sicherheitsbehörden bislang nicht bestätigt. Dieser Brandstiftungsfall zählt zu einer Serie von rund 50 Anschlägen auf kritische Infrastruktur in und um München in den vergangenen Jahren – Taten, die zunächst der linksradikalen Szene zugeordnet wurden, bei denen inzwischen aber auch eine mögliche Beteiligung russischer Geheimdienste nicht mehr ausgeschlossen wird.
Source: Süddeutsche Zeitung