Kindesentführung: Christina Block korrigiert ihre Aussage erneut vor Gericht
Am 72. und 73. Verhandlungstag räumt die Angeklagte Christina Block Lücken in früheren Aussagen ein – bestreitet aber weiterhin jede Beteiligung an der Entführung ihrer Kinder.

Christina Block korrigiert ihre Aussage – kurz vor Prozessende
Kurz vor dem Ende des Prozesses hat die Hamburger Unternehmerin Christina Block am 72. und 73. Verhandlungstag erneut das Wort ergriffen und frühere Aussagen teilweise korrigiert. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, schilderte Block nun detailliert, warum sie mit der Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in der Silvesternacht 2023 nichts zu tun gehabt haben will – und räumte dabei Fehler in ihren bisherigen Angaben ein.
Entführung in Dänemark, Tatausführung mit Gewalt
Die Kinder lebten nach einem Besuchswochenende im August 2021 gegen Blocks Willen beim Vater in Dänemark. In der Silvesternacht 2023 wurden sie dort in ein Auto gezerrt, gefesselt und geknebelt und nach Süddeutschland verschleppt. Block streitet mit dem Vater, Stephan Hensel, um das Sorgerecht.
Mehrere israelische Staatsangehörige – darunter der Chef der Sicherheitsfirma Cyber Cupula, David B. – haben vor Gericht als Angeklagte und Zeugen ausgesagt, sie hätten Block am 28. Dezember 2023 im Grand Elysée in Hamburg getroffen. Dort soll sie ihnen als Auftraggeberin viel Glück für die bevorstehende Aktion gewünscht haben. Block bestreitet das Treffen: „Es gibt keinen einzigen Sachbeweis." Die Outlook-Einladungen zu diesem und anderen Terminen hätten die Israelis vermutlich nachträglich erstellt, um sie zu belasten. Womöglich sei sie an jenem Tag im Hotel gewesen, um nach den Feiertagen Geschirr zurückzugeben.
Wechselnde Versionen, neue Korrekturen
Während des gesamten Verfahrens hat Block ihre Einlassung mehrfach verändert. Vor Prozessbeginn soll sie – offenbar auf Anraten ihres damaligen Anwalts – ihre bereits verstorbene Mutter Christa Block belastet haben, was sie in ihrer ersten förmlichen Einlassung zurücknahm. Anschließend behauptete sie, David B. und seine Mitarbeiter hätten die Kinder auf eigene Faust und ohne ihr Wissen geholt.
Nun korrigierte sie weitere Punkte. Das erste Treffen mit David B. habe nicht in einem Hotel stattgefunden, sondern in einem Restaurant, sagte sie. Und es sei von Beginn an nicht nur um die IT-Sicherheit des Familienunternehmens gegangen, sondern auch um die Kinder. Eine über mehrere Wochen aktive Chat-Gruppe namens BKH – für „Bring Kids Home" – mit den Israelis aus dem Frühjahr 2023 habe sie „komplett vergessen". „Ich habe lange überlegt, wie mir das passieren konnte", sagte Block zu diesen Lücken. Sie habe das nicht mehr „präsent gehabt".
Motiv der Israelis: Erhoffte Geschäfte in Deutschland
Zu der Frage, warum die Israelis ohne ihre Einwilligung gehandelt haben sollen, lieferte Block nun eine konkretere Erklärung. Cyber Cupula habe sich Geschäfte in Deutschland erhofft. David B. hatte vor Gericht bestätigt, bereits Geschäftsräume angemietet zu haben, und angegeben, er sei davon ausgegangen, die sogenannte „Silvesteraktion" sei legal – andernfalls wäre sie für seine Pläne schädlich gewesen.
Der Druck der Block-Familie, die Kinder zurückzuholen, sei hoch gewesen, hatte B. erklärt. Block selbst sagte, die Verantwortlichen ihrer Unternehmensgruppe hätten einen größeren Auftrag von Cyber Cupula abgelehnt. „Wenn B. die Sorge um die Kinder löste, könnte er sich doch empfehlen", so Block – möglicherweise hätte ihr Vater Eugen Block ihn dann aus Verbundenheit engagiert. B.s Mitarbeiterin Keren T. soll zudem mehrfach im Auftrag Blocks nach Dänemark gereist sein, um Informationen über die Kinder zu sammeln.
„Ich wusste von nichts" – aber hypothetische Details
Ihre Kernbotschaft hält Block aufrecht: „Ich wusste von nichts." Zwar habe sie David B. damit beauftragt, Informationen über die Kinder für den Sorgerechtsstreit zu sammeln, darum sei es auch im BKH-Chat gegangen. Doch sei stets nur darüber gesprochen worden, wie man die Kinder sicher und „auf sanfte Weise" zurückholen könnte. „Keine Gewalt, das war sowieso klar. Wie könnte ich als Mutter irgendetwas anderes wollen?" Block brach beim Sprechen über ihre Kinder die Stimme weg.
Auch die israelischen Mitangeklagten hatten bekräftigt, Block habe nicht gewusst, wann genau sie handeln würden, und dass auch sie die Kinder eigentlich ohne Gewalt zurückbringen wollten.
Dennoch schilderte Block dem Gericht ausführlich, wie sie die Aktion gestaltet hätte – hätte sie davon gewusst. Sie hätte darauf bestanden, selbst vor Ort zu sein. Sie hätte nicht untätig eine Silvesterfeier im Elysée vorbereitet. Sie hätte die dänische Polizei informiert. Sie hätte vorab mit den Beteiligten gesprochen. Sie hätte nicht erlaubt, dass jemand eine Maske trägt. „Nie im Leben hätte mir einfach so ein Treffen von wenigen Minuten gereicht." Eine ihr unbekannte Farm bei Pforzheim wäre für das Wiedersehen nicht infrage gekommen. Sie hätte einen „offiziellen Auftrag" für die Helfer geschrieben und die Rechnung „offiziell" bezahlt.
Diese Schilderungen stützten sich durchgängig auf den Konjunktiv II der Vergangenheit – eine Zeitform, die im Rückblick Distanz schafft, ohne dass sich einzelne Aussagen klar widerlegen lassen. Warum Block diese Detailfülle erst kurz vor Prozessende vortrug, blieb offen.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung