Lebenslange Haft für Mörder von Amy Lopez – Cold Case nach 30 Jahren gelöst

Das Koblenzer Landgericht verurteilte den 81-jährigen Hans S. wegen Mordes an der Studentin Amy Lopez – mehr als drei Jahrzehnte nach der Tat.

Lebenslange Haft für Mörder von Amy Lopez – Cold Case nach 30 Jahren gelöst

Urteil in Koblenz: 81-Jähriger für Mord an Amy Lopez zu lebenslanger Haft verurteilt

Mehr als 30 Jahre nach der Ermordung der 24-jährigen Studentin Amy Lopez hat das Koblenzer Landgericht am Freitag ein Urteil gesprochen: Die 14. große Strafkammer verurteilte den 81-jährigen Hans S. wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Die drei Berufsrichter und zwei Schöffen stellten darüber hinaus die besondere Schwere der Schuld fest. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, nahm der Verurteilte das Urteil ohne Widerspruch an: „Ich nehme das Urteil an, das ist das Einzige, was ich noch gut machen kann."

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass Hans S. Amy Lopez am 26. September 1994 heimtückisch und zur Befriedigung seines Geschlechtstriebs tötete. „Er hat sich an diesem Tag regelrecht auf die Jagd nach einer Frau begeben", erklärten die Richter. „Amy Lopez ist fatalerweise zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen."

Die Tat und der lange Weg zur Aufklärung

Der Leichnam der Studentin aus Houston, Texas war am Morgen des 26. September 1994 von spielenden Kindern auf dem Gelände der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein entdeckt worden – in einem verfallenden Gebäude, nur rund zwei Stunden nachdem Lopez aufgebrochen war, um die dortige Jugendherberge aufzusuchen. Die Obduktion ergab, dass sie vergewaltigt und erstochen worden war. Der Täter blieb damals unbekannt.

Jahrzehntelang schlummerte der Fall in Akten und Asservaten­kammern – ein sogenannter Cold Case. Im Februar 2026 verkündete die Staatsanwaltschaft Koblenz die Festnahme von Hans S., einem seit den Siebzigerjahren mehrfach verurteilten Sexualstraftäter. Der Prozess vor dem Koblenzer Landgericht begann am 18. August unter großem öffentlichen Interesse.

Bereits in der Untersuchungshaft und zum Prozessauftakt hatte S. gestanden, Amy Lopez vergewaltigt und getötet zu haben. Dank dieses Geständnisses sowie in einem aufwendigen Verfahren neu isolierter, eindeutiger DNA-Spuren dauerte der Prozess lediglich vier Tage. Staatsanwaltschaft, Nebenklägervertreter und Verteidigung waren sich einig gewesen: Verurteilung wegen Mordes. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der Brief des Vaters

Vater und Bruder von Amy Lopez verfolgten das Verfahren aus der Zuschauerbank – obwohl es ihnen nach eigenen Angaben kaum möglich war, die Einzelheiten zu ertragen. Sie wollten einen Abschluss.

Zwei Tage vor der Urteilsverkündung verlas die Koblenzer Anwältin Kathrin Kienle, die Vertreterin der Nebenklage, im Saal 128 des Landgerichts einen Brief. Etwa sechs Minuten lang gab sie die Worte von Robert Rimbau, dem 85-jährigen Vater von Amy Lopez, wieder – und im zweiten Teil auch die seines Sohnes Walter Rimbau, 59, Amys Bruder.

„Nach dem Verbrechen und über all die Jahre hinweg erhielten wir immer wieder Anrufe und Briefe von verschiedenen Seiten mit Informationen zu Amys Fall und möglichen Hinweisen auf den Täter, die sich jedoch stets als haltlos erwiesen. Mit jedem Anruf und jeder Nachricht durchlebten wir eine Achterbahn der Gefühle und der Hoffnung", trug Kienle vor.

Als gläubige Katholiken, wie im Brief vermerkt, hatten Vater und Bruder all die Jahre dafür gebetet, dass Amys Mörder keine weiteren Verbrechen begehe und eines Tages gefunden und verurteilt werde. Aus dem Schreiben wurde auch deutlich, welche Last die Ungewissheit über Jahrzehnte bedeutete: „Wir haben nach dem sinnlosen Mord an unserer geliebten Amy nie unseren inneren Frieden gefunden." Vater und Sohn wollten, dass die Richter – und der Mörder – erfahren, „welchen unermesslichen Schaden und Schmerz er unserer Familie zugefügt hat".

Der Satz, der den Schmerz auf den Punkt brachte, stammte von Robert Rimbau: „Der Mörder tötete Amy, ihre Zukunft, ihr Familienleben und auch einen Teil von mir selbst."

Die Angehörigen selbst seien nicht in der Lage gewesen, diese Zeilen vorzutragen. „Wir hätten die emotionale Last der grausamen Details dieses brutalen und sinnlosen Verbrechens, die während des Prozesses zur Sprache gekommen sind, nicht ertragen können", ließ Kienle verlesen. Und zugleich: „Wir müssen bei seiner Verurteilung anwesend sein, um für uns einen Abschluss zu finden."

Zwei alte Männer im Gerichtssaal

Dieses Vorhaben setzten Vater und Sohn am Freitag in die Tat um. Bei der Urteilsverkündung saßen Walter und Robert Rimbau dem Angeklagten gegenüber – auf der einen Seite des Saals die Familie des Opfers, auf der anderen Hans S. Für einen kurzen Moment trafen damit der Vater und der Mörder von Amy Lopez aufeinander: zwei alte Männer, deren Leben seit mehr als drei Jahrzehnten tragisch miteinander verknüpft sind und die wohl beide nicht mehr genug Zeit haben werden, diese späte Wendung vollständig zu verarbeiten.

Nach seiner Festnahme in einer Seniorenresidenz waren Fotos von Hans S. in der Boulevardpresse erschienen, auf denen er zwar weißhaarig, aber vital gewirkt hatte. Im Gericht stützte er sich auf einen Rollator und machte einen hinfälligen Eindruck.

Der Fall Amy Lopez zeigt exemplarisch, was einen Cold Case von einem abgeschlossenen Fall unterscheidet: nicht das Vergehen der Zeit, sondern das Fortbestehen des Schmerzes bei denen, die zurückbleiben.

Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung

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