Mordprozess Fabian: Angeklagte bereit für Gerichtsbefragung am 10. September

Die 30-jährige Angeklagte im Mordfall des achtjährigen Fabian aus Güstrow will sich vom Gericht befragen lassen. Eine JVA-Psychologin schilderte ihr widersprüchliches Bild der Frau.

Mordprozess Fabian: Angeklagte bereit für Gerichtsbefragung am 10. September

Wendung im Prozess: Angeklagte lässt Fragen zu

Im Mordprozess um den Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow zeichnet sich eine weitere Überraschung ab: Die wegen Mordverdachts angeklagte 30-Jährige ist bereit, sich vom Gericht befragen zu lassen. Das teilte ihr Verteidiger Thomas Löcker am 25. Verhandlungstag mit, wie n-tv berichtet. Noch Mitte vergangener Woche hatte Löcker eine solche Befragung abgelehnt und erklärt, seine Mandantin würde keine fünf Minuten durchhalten.

Nun erklärte Löcker, die Angeklagte sei „bereit, Fragen zu beantworten", wies jedoch auf die erhebliche Belastung hin: Die Befragung werde „sehr, sehr strapaziös" für sie. „Sie bemüht sich, das auch durchzuhalten", sagte er. Das Gericht setzte den Termin für den 10. September an. Der Vorsitzende Richter Holger Schütt bezeichnete die Ankündigung als überraschend und sicherte Rücksichtnahme zu.

95-seitige Erklärung, aber keine Antworten

Anfang vergangener Woche hatte die Angeklagte eine 95-seitige Erklärung vorgelesen, in der sie die Vorwürfe bestritt. Auf Nachfragen wollte sie damals nicht eingehen. Laut Anklage soll sie Fabian am 10. Oktober 2025 an einem Teich etwa 15 Kilometer südlich von Güstrow erstochen haben. Als Motiv gilt das Verhältnis der Angeklagten zu Fabians Vater sowie das zeitweilige Ende dieser Beziehung.

JVA-Psychologin: aktiv, fröhlich, aber manipulativ

Am heutigen Verhandlungstag sagte die Psychologin der Justizvollzugsanstalt aus, in der die Angeklagte seit Anfang November 2025 in Untersuchungshaft sitzt. Die Sachverständige zeichnete ein teils widersprüchliches Bild: Im Wesentlichen falle die 30-Jährige nicht negativ auf. Sie koche, backe, spiele und treibe Sport; seit sie Anschluss gefunden habe, wirke sie teils auch fröhlich.

Zugleich berichtete die Psychologin von manipulativen Tendenzen. Die Angeklagte habe versucht, durch gezielte Einflussnahme mehr Telefonate und mehr Kontakt zu bestimmten Mitgefangenen zu erhalten. „Natürlich ist sie auf ihren eigenen Vorteil bedacht, gerade in Haft", sagte die Psychologin – ein solches Verhalten sei unter diesen Umständen jedoch weitgehend nachvollziehbar.

Auch gegenüber der Psychologin habe die Angeklagte wiederholt beteuert, unschuldig zu sein. Nach Gerichtsterminen beschäftige sie sich intensiv damit, wie sie in der Öffentlichkeit dargestellt werde. Im Gespräch klage sie, man wolle ihr „was in die Schuhe schieben".

Die Angeklagte berichtete der Psychologin zudem von Anfeindungen und Bedrohungen durch Mitinhaftierte. Die Mehrheit der Gefangenen meide sie oder trete offen gegen sie auf. Die Psychologin hielt die bestehende Diagnose einer Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Symptomatik für plausibel, betonte aber, keine ausführliche Diagnostik vorgenommen zu haben – was sie als üblich bezeichnete. Der laufende Prozess belaste die Angeklagte zunehmend: Es werde ihr konkreter bewusst, welche Konsequenzen eine mögliche Verurteilung hätte.

Sprachnachrichten: Unverständnis über Anteilnahme

Vor Gericht wurden erneut Sprachnachrichten der Angeklagten abgespielt. Wenige Tage nach dem Auffinden von Fabians Leiche äußerte sie darin Unverständnis gegenüber einem Bekannten: Fabian sei zuvor kein weithin bekanntes Kind gewesen, plötzlich trauere ganz Mecklenburg-Vorpommern um ihn. Sie beteuerte zwar, die Anteilnahme schön zu finden, relativierte jedoch: Wenn andere Kinder sterben oder missbraucht werden, gebe es keine derartige öffentliche Aufmerksamkeit. In einer weiteren Nachricht sagte sie, sie würde dem Jungen niemals etwas antun.

Großes öffentliches Gedenken in Güstrow

Die Anteilnahme nach Fabians gewaltsamen Tod war außergewöhnlich. In der Kirche St. Marien in Güstrow versammelten sich Hunderte Menschen; vor dem Gotteshaus wurden Kerzen und Kuscheltiere abgelegt. In der Stadt tauchten Banner mit Fabians Namen auf. Beim Heimspiel des FC Hansa Rostock gab es eine Schweigeminute, wie die „Ostsee-Zeitung" damals berichtete.

Der Prozess läuft seit dem 28. April. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

Source: n-tv

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