Mutter täuschte Krebs beim Sohn vor und erschlich 358'000 Euro

Eine 42-Jährige steht vor dem Landgericht Giessen, weil sie jahrelang eine Krebserkrankung ihres Sohnes erfunden haben soll. Rund 358'000 Euro Spendengelder soll sie so erschlichen haben.

Mutter täuschte Krebs beim Sohn vor und erschlich 358'000 Euro

Prozess in Giessen: Mutter soll todkrankes Kind erfunden haben

Spendenaktionen im Internet, Benefizläufe an der Schule, angebliche Hilfsaufrufe für einen sterbenskranken Jungen: Die 42-jährige Vanessa O. muss sich seit dieser Woche vor dem Landgericht Giessen verantworten. Laut Anklage soll sie über Jahre die Krebserkrankung ihres Sohnes vorgetäuscht und dabei rund 358'000 Euro an Spendengeldern erschlichen haben, wie 20 Minuten berichtet.

Der Fall beginnt im Januar 2021. Die Frau brachte ihren damals fünfjährigen Sohn wegen einer auffälligen Hautstelle ins Uniklinikum Marburg. Die Ärzte stuften den Befund als harmlos ein — ebenso eine spätere Untersuchung in einer Schweizer Klinik.

Dennoch soll Vanessa O. anschliessend einen Arztbrief gefälscht haben, versehen mit dem Briefkopf der Schweizer Klinik. Darin sei bei ihrem Sohn Hautkrebs diagnostiziert worden. Das Schreiben legte sie ihrem Ehemann, ihren Eltern und der Schule des Kindes vor.

Mit dieser fingierten Krankengeschichte täuschte die Angeklagte laut Staatsanwaltschaft über Jahre Hilfsvereine, private Spender und das Umfeld des Jungen. Den angeblichen Krankheitsverlauf stellte sie zunehmend dramatischer dar und behauptete schliesslich, ihr Sohn leide an Leukämie. Das Kind selbst glaubte bis zuletzt, unheilbar krank zu sein und bald sterben zu müssen.

Im März 2024 kamen erste Zweifel auf. Eine Kinderärztin hielt die Krankengeschichte für nicht plausibel und schaltete das Jugendamt ein. Untersuchungen bestätigten: Der Junge hatte nie Krebs. Im Spital sagte er damals laut Anklageschrift: «Ich werde nicht sterben, ich bin nicht krank.» Das Jugendamt nahm ihn anschliessend in Obhut.

Die Staatsanwaltschaft wirft Vanessa O. gewerbsmässigen Betrug in 13 Fällen sowie zweifache Urkundenfälschung vor. Vor Gericht legte die 42-Jährige ein Geständnis ab und zeigte sich reuig.

Source: 20 Minuten

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