Rüstungsunternehmer Thumann lebt versteckt: Nowitschok-Anschlag vom russischen Geheimdienst geplant

Donaustahl-Chef Stefan Thumann liefert Drohnen an die Ukraine und ist seitdem Ziel eines mutmaßlichen russischen Mordkomplotts. Er lebt isoliert, bewacht und hat sein Testament gemacht.

Rüstungsunternehmer Thumann lebt versteckt: Nowitschok-Anschlag vom russischen Geheimdienst geplant

Rüstungsunternehmer an geheimem Ort: Russland soll Giftanschlag auf Thumann geplant haben

Der deutsche Rüstungsunternehmer Stefan Thumann (39) lebt seit Monaten unter strengem Personenschutz an wechselnden geheimen Orten – verfolgt vom russischen Geheimdienst. Das berichtet BILD nach einem Podcast-Gespräch mit dem Gründer und Chef des Rüstungskonzerns Donaustahl, der Kampfdrohnen an die Ukraine liefert.

„Ich bin vollständig isoliert. Meine Liebsten sind nicht um mich herum. Ich lebe alleine mit meinen Personenschützern. Es ist eine permanente Ausnahmesituation, die sich auch auf absehbare Zeit nicht ändern wird", sagt Thumann. Seinen genauen Aufenthaltsort während des Gesprächs nannte er nicht – eine deutsche Großstadt, das müsse als Information reichen.

Kurz vor Weihnachten informiert, erste Verhaftung binnen Stunden

Kurz vor dem Weihnachtsfest 2025 teilten Behörden Thumann mit, dass er in Gefahr sei. Die Warnung kam schrittweise: Zunächst hieß es, es könnte möglicherweise etwas im Anmarsch sein. Wenige Tage später bestätigte sich der Verdacht – und kurz darauf erfolgte die erste Verhaftung.

„Die Behörden haben immer nur scheibchenweise kommuniziert, was hier überhaupt los ist. Erst nach und nach hat man mir offenbart: ,Ja, es ist eine Bedrohung, ja, sie kommt aus Russland und ja, sie ist sehr ernst – es geht um Leib und Leben'", schildert Thumann.

Seine offiziellen Anschriften habe er zu sogenannten Honeypots umgebaut – Orte, die gezielt feindliche Akteure in eine Falle locken sollen. Kameras überwachen die Zugänge, jede unbekannte Person soll sofort erkannt werden. Auf diese Weise gelang deutschen Behörden nach Thumanns Angaben binnen weniger Stunden die Festnahme des ersten sogenannten Low-Level-Agenten – einer Person, die im Auftrag eines Geheimdienstes einfache Aufklärungsaufgaben ausführt, ohne den genauen Hintergrund des Einsatzes zu kennen.

Nowitschok als geplantes Tatmittel

Aus dem Bundestag habe er erfahren, dass ihn russische Akteure mit dem Nervengift Nowitschok töten wollten – demselben Mittel, das unter anderem beim Anschlag auf den später ermordeten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny eingesetzt worden war. Die Low-Level-Agenten seien lediglich dafür eingesetzt worden, seinen Aufenthaltsort zu ermitteln, so Thumann: „Die Low-Levels waren nur dafür da, herauszufinden: Wo bin ich? Dann sollte ein Mordanschlag mittels Gift ausgeführt werden."

Thumann hat Vorkehrungen für den Ernstfall getroffen. Einer seiner Personenschützer ist ausgebildeter Rettungssanitäter und hat sich zusätzlich im Umgang mit Vergiftungen schulen lassen. Entsprechende Gegenmittel stehen jederzeit bereit. „Wir nehmen das sehr ernst", sagt der Unternehmer.

Testament und Organspende-Erklärung bereits unterzeichnet

Thumann hat nach eigenen Angaben ein Testament verfasst, eine Organspende-Erklärung und eine Patientenverfügung unterzeichnet. „Mein Tod ist in dieser Geschichte zumindest einkalkuliert", sagt er. Die Firma werde davon nicht beeinträchtigt: Entsprechende Regelungen seien getroffen, falls er eines Tages nicht mehr da sei.

Seit Monaten hat Thumann seine Familie nicht mehr gesehen. Die Kommunikation läuft ausschließlich über verschlüsselte Messenger-Dienste. Selbst ein Kneipenbesuch ist nicht mehr möglich.

Drohnen für die Ukraine, Abnehmer auch die Einheit „Kraken"

Thumanns Unternehmen Donaustahl beliefert die Ukraine mit Kampfdrohnen, die gegen feindliche Soldaten oder Fahrzeuge eingesetzt werden können. Zu den Abnehmern gehört nach seinen Angaben die bekannte ukrainische Einheit „Kraken".

„Deutschland und Russland befinden sich im Krieg"

Den Begriff „hybrider Krieg" lehnt Thumann mittlerweile ab. Die Schwelle sei längst überschritten. „Deutschland und Russland befinden sich im Krieg. Die Handlungen, die von Kräften der russischen Föderation gegen Deutschland ausgeführt werden, nennen sich zum Beispiel Sabotage. Das ist ein ganz normaler Kriegsakt. Das wird ja auch von den russischen Streitkräften hier kontrolliert und koordiniert", sagt er.

Das vollständige Gespräch mit Thumann ist im Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer erschienen.

Source: BILD

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