Skandalvergleich im Mordprozess Fabian erschüttert Rostocker Landgericht

Verteidiger Andreas Ohm löste am 28. Verhandlungstag einen Eklat aus, als er den Mordfall Fabian mit dem Eiskeller-Justizskandal verglich. Staatsanwalt Nowack spricht von „Unverschämtheit".

Skandalvergleich im Mordprozess Fabian erschüttert Rostocker Landgericht

Eiskeller-Vergleich überschattet 28. Verhandlungstag im Mordfall Fabian

Rostock – Verteidiger Andreas Ohm hat am 15. September 2026 vor dem Landgericht Rostock für einen Eklat gesorgt, als er den laufenden Mordprozess um den getöteten Fabian mit dem berüchtigten Eiskeller-Justizskandal verglich. Wie fr.de berichtet, ruderte Ohm unmittelbar nach der Äußerung zurück.

Es war die 28. Sitzung, an der Gina H. auf der Anklagebank Platz nahm. Die 30-Jährige stand stundenlang unter bohrenden Befragungen und verstrickte sich dabei in Widersprüche. Kurz vor Verhandlungsende reagierte Ohm auf die Ankündigung von Oberstaatsanwalt Harald Nowack, beim nächsten Termin möglicherweise den psychiatrischen Gutachter vorzuladen. Ohm wandte sich an den Vorsitzenden Richter Holger Schütt: „Nicht, dass wir hier einen neuen Eiskeller-Fall bekommen." Schütt fragte nach – Ohm zog die Aussage sogleich zurück.

Der Eiskeller-Prozess gilt als einer der gravierendsten Justizskandale der jüngeren deutschen Geschichte. Eine junge Frau war im Oktober 2022 nach einem Diskobesuch im oberbayerischen Aschau tot aufgefunden worden. Ein Student saß dafür über 940 Tage in Untersuchungshaft, bis der Bundesgerichtshof das Urteil im April 2025 aufhob – die vorsitzende Richterin hatte heimlich mit der Staatsanwaltschaft kommuniziert. Im zweiten Verfahren wurde der Beschuldigte freigesprochen.

Nowack räumte gegenüber fr.de in einem Telefoninterview ein, Ohms Satz im Gerichtssaal akustisch nicht richtig wahrgenommen zu haben. „Der hat wahrscheinlich einfach nur aufgrund der Länge der Hauptverhandlungen da irgendwelche Sachen von sich gegeben", sagte er. Richter Schütt habe ihn anschließend noch einmal dazu befragt, worauf Nowack geantwortet habe: „Nö, nicht so wichtig." Erst ein Reporter habe ihn draußen auf den Vergleich aufmerksam gemacht und den Eiskeller-Hintergrund erläutert. Sein Urteil danach: „Es wäre eine Unverschämtheit, wenn er das so gemeint hat."

Ohm selbst relativierte die Äußerung ebenfalls. Sie sei „eine spontane Eingebung ohne großen Hintergrund" gewesen und habe „keinen ernst gemeinten Hintergrund" gehabt. Als einzige echte Parallele zum Eiskeller-Fall nannte er, dass es sich auch im Mordfall Fabian um einen reinen Indizienprozess handelt – eine Tatwaffe wurde bis heute nicht gefunden.

Abseits des Eklats lieferte der 28. Prozesstag reichlich Stoff. Richter Schütt konfrontierte Gina H. mehrfach mit Ungereimtheiten: Warum behauptete sie, am Tattag in Güstrow Geld abheben zu wollen, obwohl die Kontoauszüge belegen, dass sie es deutlich später abholte? Warum log sie auch Fabians Vater über ihren Aufenthaltsort an? „Vieles stellt sich als unwahr heraus", fasste Schütt am Ende zusammen. Fabians Mutter Dorina L. wandte sich unter Tränen direkt an die Angeklagte: „Warum musste er sterben?" Das Gericht unterbrach den Ausbruch. Gina H. beharrte: „Ich war es nicht."

Am Donnerstag, 17. September 2026, werden die Hortleiterin sowie ein Hortbetreuer als Zeugen vernommen. Ihre Aussagen könnten stützen oder widerlegen, ob Fabian am Tag seines Verschwindens noch gesehen wurde. Möglicherweise stellt zudem der psychiatrische Gutachter seinen Bericht über Gina H. vor. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Source: Google News LU DE

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