Verurteilter Bankräuber kandidiert für AfD im Landtag Mecklenburg-Vorpommern
Sascha Gläser, 2013 wegen schwerer räuberischer Erpressung verurteilt, trat als AfD-Direktkandidat an – will Mandat nun nicht annehmen.

AfD-Kandidat Gläser: Bankraub 2012, Landtagskandidat 2025
Sascha Gläser (42) aus Rostock steht als AfD-Direktkandidat im Wahlkreis 7 für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Wahlzettel – obwohl er 2013 rechtskräftig wegen schwerer räuberischer Erpressung verurteilt wurde. Das berichtet BILD.
Am 19. Dezember 2012 betrat Gläser gegen 14.45 Uhr eine Volksbank-Filiale in Duisburg-Rumeln. Er öffnete seine Jacke, zeigte der Kassiererin eine vermeintliche Schusswaffe und forderte Bargeld. Eine Maske trug er dabei nicht. Die Polizei fahndete damals nach einem Mann mit „gepflegter Erscheinung, kurzen Haaren mit einem Ansatz von Geheimratsecken". Einen Tag nach dem Überfall wurde Gläser vor einer Trinkhalle festgenommen.
Das Amtsgericht Duisburg verurteilte ihn am 20. März 2013 zu zwei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe. Die Staatsanwaltschaft Duisburg bestätigte gegenüber BILD: Gläser ist der rechtskräftig verurteilte Täter. Bei der eingesetzten „Waffe" handelte es sich nach Angaben aus einem Bericht von 2012 um ein pistolenförmiges Feuerzeug.
Gegenüber der „Ostsee-Zeitung", die zuerst über den Fall berichtete, äußerte sich Gläser zur Tat: „Rückblickend war die Tat Ausdruck einer persönlichen Krise und einer Flucht aus meinem Lebensumfeld." Er habe in einer „toxischen Beziehung" gelebt und die Tat sei der „größte Fehler seines Lebens".
Auf der Website der AfD präsentierte Gläser sich bis zuletzt als Informationselektroniker, langjähriger Teamleiter und IHK-Ausbilder – ohne Hinweis auf seine Vorstrafe.
Der AfD-Co-Landesvorsitzende Enrico Schult (47) erklärte gegenüber BILD, er sei „völlig schockiert": „Das hat uns total überrascht. In seinem polizeilichen Führungszeugnis stand nichts drin." Da Gläser nicht mehr vom Wahlzettel gestrichen werden könne, erwarte die Partei, dass er im Erfolgsfall auf das Mandat verzichte – was Gläser ihr gegenüber bereits angekündigt habe. Schult betonte: „Zwar gilt er juristisch als resozialisiert, aber für Politiker gelten ganz klar andere Maßstäbe."
Dass die Verurteilung von 2013 im aktuellen Führungszeugnis nicht mehr auftaucht, ist rechtlich erklärbar: Die gesetzlich vorgesehenen Tilgungsfristen sind inzwischen abgelaufen.
CDU-Landeschef Daniel Peters (45) kommentierte den Fall gegenüber BILD mit Spott: „Die AfD gibt sich als Partei von Recht und Ordnung – und schickt einen verurteilten Bankräuber ins Rennen um den Landtag. Bürgerlich ist daran gar nichts."
SPD-Landesgeschäftsführer Julian Barlen (46) richtete seine Kritik direkt an AfD-Co-Landeschef Leif-Erik Holm (56): „Offensichtlich ist Herr Holm nicht mehr als das Feigenblatt einer gefährlich radikalen Truppe, die definitiv keine Macht über das Leben der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern bekommen darf."
Source: BILD