Windkraftbetrüger Holt flüchtig: Europäischer Haftbefehl nach Abschiedsmail an Berliner Gefängnis

Hendrik Holt, verurteilt wegen bandenmäßigen Betrugs, schickte nach seiner Flucht eine E-Mail ans Gefängnis: Er werde nicht zurückkehren. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück erließ einen europäischen Haftbefehl.

Windkraftbetrüger Holt flüchtig: Europäischer Haftbefehl nach Abschiedsmail an Berliner Gefängnis

Abschiedsmail und Europäischer Haftbefehl nach Flucht aus dem offenen Vollzug

Einen Tag nach seinem Verschwinden ließ Windkraftbetrüger Hendrik Holt die Berliner Justizvollzugsanstalt per E-Mail wissen, dass er nicht zurückkehren werde. Wie n-tv berichtet, ging das Schreiben am Tag nach seiner Flucht bei der Einrichtung ein; dem NDR zufolge stand darin wörtlich: „Hendrik Holt kommt nicht zurück." Die Staatsanwaltschaft Osnabrück bestätigte den Eingang der Mail und ließ daraufhin einen europäischen Haftbefehl ausstellen.

Holt hatte am Dienstag einen genehmigten Ausgang nicht dazu genutzt, in die Berliner JVA zurückzukehren, in der er im offenen Vollzug untergebracht war. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Osnabrück handelte es sich laut einem Bericht der „Neuen Osnabrücker Zeitung" bereits um seinen 513. Ausgang. Die genaue Zahl ließ die Behörde offen, bestätigte jedoch, dass der 36-Jährige aus dem emsländischen Haselünne seit Ende Oktober 2024 im offenen Vollzug saß. Fahndung und Ermittlungen dauern an; sein aktueller Aufenthaltsort ist unbekannt.

Mehrere Medien griffen unterdessen einen Instagram-Post auf, in dem es heißt: „Liebesgrüße aus Moskau – sehr schön hier, der Kaviar ist fantastisch." Die Staatsanwaltschaft erklärte, ihr sei der Beitrag bekannt; vor dem Hintergrund der laufenden Fahndung wolle man keine Einschätzungen dazu abgeben.

Vom Flughafen Rostock hieß es, Holt habe Deutschland nicht von dort verlassen. „Jeder Flug, der von hier abgeht, muss den Behörden angemeldet werden unter Angabe der Passagiere – das gilt auch für Privat- und Charterflüge", sagte Karsten Lauth, Projektleiter des Airportbetreibers Crisp Partners, gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung". Crisp Partners übernahm 2025 den zivilen Teil des Flughafens. Lauth ist zugleich Ehemann der aktuellen Flughafen-Geschäftsführerin Ira Lauth.

Lauth zufolge hatte Holt seinerzeit den Kontakt für den Verkauf des Flughafens an Crisp Partners hergestellt und die Idee eingebracht, am Standort Energieinfrastruktur zu entwickeln. Trotz Holts Vorstrafen bezeichnete Lauth ihn als „Experten mit Netzwerk und Planern". Er betonte jedoch ausdrücklich: „Es ist aber mitnichten so, dass Holt an dem Flughafen oder Crisp Partners beteiligt wäre." Lauth und Holt kennen sich demnach aus Berliner Netzwerken; beide stammen ursprünglich aus Rheinland-Pfalz.

Das Landgericht Osnabrück hatte Holt 2022 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von knapp neun Jahren verurteilt – wegen bandenmäßigen Betrugs, Bestechung und Urkundenfälschung. Er hatte unter anderem angeblich existierende Windparks an ausländische Stromkonzerne verkauft, die in Wahrheit nicht existierten. Zudem soll er ausländische Diplomaten bestochen haben, um sich mit einem Diplomatenpass vor deutschen Strafverfolgern zu schützen. Über den Fall hatte die ARD eine Dokumentation unter dem Titel „Holt – Der Windkraft-Schwindler" produziert.

Source: n-tv

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